Conventions - Berichte - FedCon XVI
 

FedCon XVI

vom 08.-10.06.2007 im Bonner Maritim-Hotel
 

Ein neues Jahr, eine neue FedCon. So spät wie noch nie in einem Jahr. Es sollte eine heiße Con werden. In jeder erdenklichen Bedeutung des Wortes „heiß“.

Zuerst war da das Gefühl nach Hause zu kommen. Klingt vielleicht übertrieben oder sentimental. Oder einfach nur verrückt. Aber der Anblick des Maritims genügte vollkommen, um einem das gute Gefühl zu geben, zuhause zu sein.
Dieses Gefühl setzte bei mir sofort nach meiner Ankunft am Donnerstag Nachmittag ein, denn es entwickelte sich im Laufe der Zeit die Erkenntnis, dass eine Con nicht von Freitag bis Sonntag, sondern eigentlich von Donnerstag bis Montag geht …mal abgesehen davon, dass ich für meinen Teil mindestens den Montag zum Erholen brauche, aber wie sagen wir immer so schön: „Wer sich nach einer Con fit fühlt, hat die Con nicht richtig genossen.“
Aber zurück zum Anfang: Das Zuhause-Gefühl wurde nicht allein durch die Location ausgelöst. Kaum betrat ich die Hotel-Lobby, ging es auch wieder los: Man grüßt hier, winkt dorthin, umarmt alte Freunde, die man teils seit dem letzten Jahr nicht mehr gesehen hatte, und schließt bereits neue Freundschaften. Klassentreff-Atmosphäre.
Die wurde allerdings überschattet von … na ja … zu wenig Schatten. Die Temperaturen waren trotz Klimaanlage tropenhaft. Da soll noch einer Spaß am Kostümieren finden? Was bin ich froh, dass die nächste Con wieder früher im Jahr stattfindet.
So wurde der Donnerstagabend mit leckrem Essen und gemütlichem Plaudern verbracht, wobei man schon den ein oder anderen Blick auf ankommenden Schauspieler werfen konnte. Das versprach ja ein tolles Wochenende zu werden.

Der Freitagmorgen. Das übliche Chaos. Obwohl, eigentlich auch nicht. Man musste sich eben nur entscheiden: Holt man sich sein Con-Batch ab, stellt man sich in die Schlange für nächstes Jahr oder sucht man den Raum für die Pressekonferenz? Ich hab es irgendwie auf die Reihe bekommen, alles miteinander zu verbinden (dank der Hilfe ein paar guter Freunde). Ich sagte bewusst „suchen“ der Pressekonferenz, nicht „aufsuchen“, denn da herrschte Informationsmangel beim Personal. Die einen schickten einen Richtung Hauptsaal (weil sie sich im Hotel nicht auskannten und nur ihren Lageplan vor Augen hatten?) die anderen schickten einen eine Etage höher (vielleicht in Erinnerung an frühere Konferenzen?) Dank Insider (die nicht zum Constaff gehörten) erfuhren ich und einige andere gerade noch rechtzeitig, dass er hintere Teil des Essbereiches zu einem Saal abgetrennt worden war. Das hieß: Im Slalom vorbeimarschieren an Tischen, Tellern und ein paar Speisenden. Auch dort herrschte Sauna-Atmosphäre, vor uns der übliche lange, noch leere Tisch mit kleinen Kärtchen mit den Namen der Schauspieler drauf. So platzierte man sich passend. (jeder hat ja so seinen Liebling) Kleiner Patzer am Rande: Richard Arnold irrte verloren umher. Man hatte schlichtweg vergessen, ihm einen Platz zu geben. Ok, nur eine Minute, dann bekam auch er einen Stuhl hingestellt. Und dann ging es schon los: Mike Hildebrandt stellte auf unterhaltsame Weise sein Buch „40 Jahre Star Trek“ vor, zwei SF-Fanfilme („Kurzzeithelden“ und „Nydenion“) wurden präsentiert, wobei der Begriff Fan-Film nicht ganz treffend war angesichts der professionellen Ausschnitte und Trailer, die wir zu sehen bekamen. An „Nydenion“ allein arbeiteten die Verantwortlichen über 10 Jahre, finanziert aus der eigenen Tasche. Man kann sich vorstellen, dass bei einer so langen Zeit nicht nur das zunehmende Alter der Schauspieler vor der Kamera die Produktion erschwerte.
Dann wurden auch die Schauspieler in unsere Sauna eingelassen: die Klingonen J.G. Hertzler und Robert O’Reilly, Jedi-Ritterin Orli Shoshan, Andromeda-Darstellerin Laura Bertram, Jewel Staite von Firefly, Anthony Montgomery (Enterprise), der uns schon letztes Jahr erfreut hatte und kurzfristig für James Callis (Battlestar Galactica) eingesprungen war, Voyager-Dauer-Ensign Garrett Wang, Paul McGillion, endlich mal jemand von Stargate Atlantis, Suzie Plaxton, Jonathan Frakes, der Mann hinter Captain Piccard, die unvergleichlich Kate Mulgrew, Cirroc Lofton (Jake Sisko aus „DS9“) und –für mich der persönliche Höhepunkt- sein Serienvater Avery Brooks. Lediglich Armin Shimerman, der unvergesslich Barmann des „Quarks“ aus DS9 kam erst später in Bonn an und verpasste so eine der unterhaltsamsten Pressekonferenzen, der ich je beigewohnt habe.
Trotz der Temperaturen waren alle Schauspieler teils extrem gut gelaunt.
Auf die Frage, was sie denn als nächstes planten, zählte Anthony verschiedene Projekte auf wie sein neues Rapp-Album. Erst als er das Mikro schon fast weiter geben wollte, fiel ihm ein: „Ach ja, und dann werde ich dieses Jahr noch heiraten.“
Lautes Gelächter. Jonathan, nach seinen Plänen gefragt, erwähnt darauf, dass er NICHT heiraten werde, weil er bereits seit 19 Jahren verheiratet ist. Kate berichtete von ihrer gerade abgesetzten Show. Paul dagegen meinte, er würde ebenfalls ein Rapp-Album aufnehmen und seine Show wäre gecanselt worden (er lügt übrigens ohne rot zu werden) und außerdem wäre er Single. Erneutes Gelächter.
Richard Arnold dementierte die Gerüchte, dass Matt Damon und Adrien Brody für die Rollen von Kirk und Spock im neuen Star Trek Film im Gespräch wären. Tatsächlich seinen noch keinerlei Casting-Gespräche gelaufen.
Auf die Frage, was sie von einer solchen Veranstaltung für sich mitnehmen würden, war die einhellige Meinung, dass es das Zusammentreffen mit den Fans sei und ihre Treue, die sie immer gerne nach Deutschland kommen lassen.
Was wäre aber in 20 Jahren? Darauf antwortete Avery spontan „YOU will be here.“
Recht hat er!
Der Nachmittag ging dahin mit Autogramme sammeln und Händlerräume unsicher machen. Für mich das wichtigste Autogramm: Avery Brooks. Natürlich hatte ich schon eines vom letzten Mal, aber dieses hatte er ja nicht vor unseren Augen unterschrieben. Damals hatte er versprochen, sich beim nächsten Besuch brav hinzusetzen und alles zu unterschreiben, was die Fans ihm vorlegten. Und dieses Versprechen hielt er. Mehr als ein Baseball wird in Zukunft von der Unterschrift des Captains von DS9 verziert. Schöne Begebenheit am Rande: Während der Autogrammstunde kam auch endlich Armin Shimerman im Hotel an, und einige Fans –ich gehörte zu den Glücklichen- wurden Zeuge wie herzlich sich Avery, Cirroc und Armin begrüßten. Eine schöne Szene!
Die Autogrammstunden waren teils besser organisiert als die Jahre davon. Die Schauspieler, die gegen Bares Autogramme gaben (Avery, Jonathan, Cirroc), saßen im Händlerraum (was allerdings dazu führte, dass weniger Händler da waren) Da gab es sogar einen Ventilator für frische Luft! Und dort war die Schlange nie sehr lang. Man fand somit Zeit zum ein oder anderen Plausch. So bin ich zum Beispiel nach Averys Panel einfach nur noch einmal hingegangen, um mich bei ihm für sein wunderbares Panel zu bedanken.
Die Warterei auf die anderen Autogramme zog sich leider in die Länge, was bei den Temperaturen bei einigen zu Schwierigkeiten mit dem Kreislauf führte. Na ja, das lange Anstehen lohnte sich allerdings: Jeder! Schauspieler unterschrieb, wenn gewünscht, mit Widmung. Ok, dann warte ich auch gerne etwas länger. Man weiß ja wofür.
Die Opening fand wie üblich vor einem mehr als vollen Saal statt. Nach dem groß angekündigten Trailer vom neuen Film „Transformers“, der leider viel kürzer ausfiel als ursprünglich geplant, gab es die wie immer humorvoll dargebotenen „Do´s and Don´t´s“, also ein paar Verhaltensregeln für Conbesucher und dann kam … na ja … wie soll ich es formulieren, ohne zu beleidigen … ein Versuch einiger durchaus mutiger Leute (ehrlich, sich vor den vollen Saal zu stellen, ist mutig), eine Art Theaterstück aufzuführen. Na ja, irgendwie ging es da um Akte X und Aliens. Hm, ja, es war in Deutsch, aber selbst ich mit Deutsch als Muttersprache habe kaum etwas verstanden … wenn es denn mal zwischen den Textaussetzern etwas zu verstehen gab. Ich bewundere deren Mut, wirklich, aber wenn man etwas auf der Bühne vorführt, sollte es eine gewisse Mindestqualität haben. Genug davon.
Der Einmarsch der Schauspieler war wie immer gekonnt inszeniert und von unserem Marc B. Lee mit noch voller Stimme vorgetragen. Garrett und Anthony hatten sogar bei ihrem Auftritt ne eigene kleine Kamera dabei, um den Moment für sich festzuhalten. Alle bitte lächeln :-)
Jetzt kommt der Punkt, an dem ich gestehen muss, dass ich nicht so viele Panels mitbekommen habe wie sonst …oder wie ich eigentlich wollte. Ok, insgesamt habe ich fast alle zumindest einmal gesehen …bis auf Suzie Plaxton und Orli Shoshan. Irgendwie waren ihre Panels immer zu einem Zeitpunkt, der nicht in meinen Zeitplan passte. Damit muss man leben. Es gibt einfach zuviel zu sehen, zu erleben, zu viele Freunde zu treffen, zu lange Autogramm- und Fotosessionschlangen, als dass man alles mitgekommen kann. Das ist nicht schlimm. So sind Cons eben.
Apropos Fotosession: Ein großes Plus! Jeder der Schauspieler war zu dieser Aktion bereit, teilweise standen über 300 Fans in geordneten, gut organisierten Schlangen, um mit ihren Lieblingen geknipst zu werden. So geschehen bei den Klingonen Hetzler und O’Reilly, die als besonderes Extra das erste Mal (und vermutlich das letzte Mal überhaupt) in vollem Klingonen-Outfit aufgetreten waren und Fotos haben machen lassen. Unglaublich! Selbst wenn man von den beiden im Laufe der Jahre genug gesehen haben sollte (die beiden sind aber eigentlich IMMER Garantie für ne gute Show und Spaß): Ihre Kostümierung war ein gelungener Bonus.
Mein Highlight auch hier: Avery Brooks! Dieser Mann hat eine Ausstrahlung! Ich schmelze regelmäßig dahin. Und jedem widmete er für den kurzen gemeinsamen Moment seine vollste Aufmerksamkeit. Unglaublich.
Wo war ich? Ach ja, die Panels.

Jonathan machte nach der Opening weiter. Meine Güte! Hatte der Mann eine gute Laune! Sein laut geschmettertes „Voooooolareeee!“ wurde durch ein lautes „Oooooohhhhoooooo!“ unsererseits erwidert. So lieben wir unsere Nummer Eins! Er erzählte gut gelaunt sein erstes Conerlebnis, wobei er im Händlerraum die Actionfiguren der Enterprise-Crew gefunden hatte. An jedem ein ordentliches Preisschild. Nur vor der Riker-Figur stand: „Buy any actionfigure, get Riker free.“ Er berichtet weiter, dass er beim Dreh der Folge, in denen sie in Robin Hood Kostümen steckten, einen Unfall hatte und ins Krankenhaus gebracht worden war, natürlich noch in voller Kostümierung. Das wäre ja noch nicht erzählenswert gewesen, aber der Mediziner hatte nicht eine Silbe über Jonathans Outfit verloren. Hollywood eben!
Auf die Frage nach seinen Erwartungen für Star Trek 11 erklärte Jonathan, dass er recht optimistisch sei, weil sie in J.J. Abrams einen sehr guten Regisseur gefunden haben, der sein Handwerk versteht. Als ein Fan ihm eine Posaune auf die Bühne reichte, bewies uns Jonathan, dass er nicht nur so tun kann als könne er spielen und überrascht uns mit einen kurzen „Summertime“. Spitze!
Das Panel ging unterhaltsam weiter und war mit Sicherheit eines der Humorvollsten Panels seit Jahren. Allerdings war Jonathan kaum zu bändigen. Fragen stellen fiel fast schwer, weil er so wunderbar im Erzählschwall war. Na ja, ich wollte ihn nicht unterbrechen und meinte dann als ich ans Mikro für eine Frage ging, dass er mir einfach Bescheid sagen sollte, wenn er bereit für eine Frage wäre. Ha! Das hatte ihn tatsächlich etwas aus der Bahn geworfen …aber nur kurz. Klasse, der Mann!


Danach kam das von mir ersehnte Doppelpanel von Cirroc Lofton und Avery Brooks. Ein so ganz anderes und doch wunderbares Panel. Beide hatte schon in den Jahre zuvor immer wieder betont wie sehr ihre persönlich Beziehung einer innigen Vater-Sohn-Beziehung gleiche. Aber diese Zusammengehörigkeit auf der Bühne miterleben zu dürfen, wenn Avery Cirroc in den Arm nimmt oder ganz zur Seite tritt, um seinem „Sohn“ Platz zu machen und ihn dabei ansieht als würde er vor Stolz platzen. Meine Güte! Nicht nur ich hatte Tränen in den Augen. Und dann Averys Antworten! Ich gebe zu, ich bin nicht objektiv, übertreibe vielleicht, aber wenn ich Avery sehe, ihm zuhöre, muss ich an die Weisheiten eines Mahatma Ghandi oder Dalai Lama denken. Auch bei diesem Panel wollte ich eine Frage stellen, eine ganz belanglose. Vor mir jedoch stellte ein Sozialarbeiter, der selbst mit elternlosen Jugendlichen zusammenarbeitet und versucht, zu ersetzen, was von den eigenen Eltern kommen sollten, die Frage, was denn das wichtigste wäre, was Avery Cirroc hatte geben können. Die Antwort von Avery war nur ein Wort: „Love.“ Oh, Mann. Ich hab geschluckt und hatte einen Kloß im Hals. In dem Moment richtete sich der Scheinwerfer auf mich. Ich war dran. Wie sollte man nach so einer Antwort einen Satz herausbringen? Ich habe tief durchgeatmet und dann meine ach so banale Frage nach ihrem Musikgeschmack gestellt. Aber auch hier gab es die Avery-typische salomonische Antwort. Die Musikrichtung wäre doch eigentlich völlig belanglos. Es gäbe sowieso nur zwei Arten von Musik: Großartige und nicht so großartige. Und großartige würde man immer erkennen, egal welche Musikrichtung und in welcher Sprache gesungen.
I love that man!!!!
Ebenso beeindruckend, wenn auch auf die ihr eigene Art, war wie immer Kate, unsere Göttin, oder –wie es die Runde machte- „Kate for president“, denn sie hielt nach einer politischen Frage wie erwartet und erhofft mit ihrer Anti-Busch-Einstellung „This bullshit will stop, when this president is gone.“ nicht lange hinter dem Berg, was ihr tosenden Applaus und Standing Ovations einbrachte. Dieser Frau könnte man stundenlang zuhören.
Sie berichtete uns, wie hart es war, der erste weibliche Captain zu sein, wie sehr sie unter Druck gestanden hat, es denen da oben und den Zuschauern zu zeigen. Unser Applaus zeigte ihr indes, dass wir der Meinung sind, sie hat den Job mehr als gut gemacht.
Ihr bester Freund aus dieser Zeit sei John DeLancie (der Darsteller des Q), der einzige Mann, den sie kenne, mit dem sie tatsächlich über eine Stunde telefonieren könne. Auf die Frage hin, wie sie sich denn all die unlogischen Dinge bei der Serie erklären könne (Shuttles gehen kaputt und werden ohne Probleme ersetzt u.s.w.), das Publikum stöhnte auf bei einer so -Verzeihung- blöden Frage auf, lächelte sie kurz spitzbübisch, setzte dann eine ernste Miene auf und sagte: „Ich werde Ihnen jetzt etwas sagen, was vielleicht schwer für sie zu akzeptieren sein wird: Das nennt man Science Fiction.“ Grandiose Antwort! Oh, man, ich hatte definitiv nachher Bauchschmerzen vor Lachen!
Die Frage, ob sie Robert Beltran mag, ließ Kate erst nur die Augen verdrehen, denn auf das Thema Janeway/ Chakotay ist sie nicht gut zu sprechen (kann man verstehen, es kommen immer die gleichen Fragen) dann kam aber: „Have I eyes in my head? Of course I like Robert Beltran. I´m a woman!“ Na, DAS können wir doch nachvollziehen.
Angesprochen auf das Ende von Voyager wurde Kate wieder ernst. Besonders schwer waren für sie die letzten gedrehten Szenen auf der Brücke der Voyager gewesen, bei denen sie vollkommen allein da saß, um sie herum alles bereits abgebaut. Selbst ihr Stuhl wurde zwischen den letzten Takes demontiert. Es wäre mehr als traurig gewesen, hätte da nicht ein gewisser Doktor (Robert Picardo) nach dem Dreh gestanden mit den Worten: „Captain Janeway, may the doctor buy you a wonderful glas of Champain!“ Tja, der Doktor wusste eben, mit was für einem großartigen Menschen er da jahrelang gedreht hatte.
Garrett Wang war wie immer äußerst unterhaltsam und quatschte drauf los. Er erzählte, dass die gesamte Crew der Voyager nach den ersten Aufnahmen ein Video-Tape und einen Brief zugeschickt bekommen hatte: Sie würden sich nicht richtig schütteln, so wie es die Schauspieler können müssen, wenn sie vorgeben, das Raumschiff sei getroffen. Also gab es per Post „Schüttelanweisungen“ mit dem Schlusssatz, wenn sie es nach dem Tape und Übungen vor dem Spiegel immer noch nicht richtig könnten, sollten sie jemand von der DS9-Crew bitten, es ihnen zu zeigen. Garrett stellte sich damals vor, was wohl passieren würde, wenn er zu Avery Brooks gegangen wäre und gesagt hätte: „Could you shake for me?“
Der ewige Ensign wird natürlich auch zu seiner Beziehung zu Seven of Nine befragt und erzählt offen, dass die Crew sie immer Two of D (bezogen auf ihre Oberweite und die BH-Größe D) genannt habe und meint in deutsch, sie hätte einen „geilen Arsch“. Außerdem: bei einer Liebe zu einer Borg sei „Widerstand zwecklos“. Er habe es nicht fassen können, als er damals das Script zu lesen bekam und las, dass er auf Sevens Frage „Would you copulate with me?“ tatsächlich mit „No“ antworten sollte. Hallo? Wer hätte denn DEN Dialog verfasst. Aber ihr Kuss sei dann schön gewesen. Wie zwei Kissen, wie sich berührten. Schöner Vergleich.
Auffällig an Garrett ist sein Sprachentalent. Mit der Aussprache deutscher Wörter hat er kaum Schwierigkeiten. Das bewies er auf ungewöhnliche Weise, indem er den Zuschauern die Packungsaufschrift einer Chipstüte vorlas. Versucht das mal! Ist gar nicht so einfach.

Auch Anthony Montgomery kam wieder sehr sympathisch rüber. Wieder wird er nach seiner Meinung zur letzten Enterprise-Folge gefragt. Na, jeder kann sich denken, dass er dieses Ende nicht besonders mochte. Seiner Meinung nach musste man ja den Eindruck bekommen, dass Enterprise lediglich eine Holodeck-Geschichte der Next Generation gewesen war. Dennoch, er fühlt sich mehr als geehrt, ein Teil von Star Trek zu sein, war sich aber über das Ausmaß der Fanbegeisterung nicht bewusst, bis er seine erste Con besuchte. Sein Gedanke damals: „Oh, my God!“ Dies hier wäre allerdings erst ca. seine 11 Con. Er versuche, nicht so oft auf Cons zu erscheinen, um die Leute nicht zu langweilen. Natürlich rappt uns der leidenschaftliche Musiker auch wieder etwas vor. Nur leider sind wir Deutschen wohl nicht die geborenen Rapper, denn beim Mitmachen haperte es erheblich. Das müssen wir verbessern, Leute!

Laura Beltran von Andromeda und Jewel Staite von Firefly waren die reinste Augenweide, beide auf ihre Art unterhaltsam, charmant und offen. Vor allem Laura konnte herrliche Anekdoten vom Set berichten. So war sie an einem Tag einkaufen und kam an einem Merchandize-Laden vorbei, indem eine lebensgroße Pappfigur von Kevin Sorbo als Herkules stand (für alle Nicht-Wissenden: Kevin, der Captain Dillon Hunt auf der Andromeda spielte, war vorher jahrelang als Herkules in einer Serie zu sehen) mit einem Schild um den Hals: „Half prize, because my sword is bent.“ (Halber Preis, weil mein Schwert gebogen ist). So eine Vorlage lässt sich kein Kollege entgehen. Die Figur wurde gekauft, samt Schild natürlich, und auf dem Set aufgebaut. Kevin hat wohl … äh, sehr sparsam geguckt.
Laura berichtete weiter, dass ihr mal der lange Schwanz, den sie als Trance am Anfang tragen musste, ins Klo gefallen war. Später wäre er dann bei Ebay versteigert worden. Aha.
Jewel sah auf der Convention erheblich dünner aus als in ihrer Rolle als Kaylee in Firefly, und sie klärte uns auf, dass sie für die Rolle 20 Pfund hatte zunehmen müssen, was ihr nicht leicht gefallen war. Sie selbst sei reservierter als Kaylee und habe einen viel schwärzeren Humor.

Jewel war später noch einmal zusammen mit Paul McGillion auf der Con-Bühne, denn inzwischen spielt sie einen wiederkehrenden Charakter bei Stargate Atlantis, genau wie Paul. Ok, eigentlich spielt Paul eine der Hauptfiguren, jedenfalls in den Episoden, die bis jetzt in Deutschland ausgestrahlt wurden. Pauls schottischer Dialekt ist bei weitem nicht so ausgeprägt wie der seines Charakters Dr. Carson Beckett, leider. Wer Atlantis im Original gesehen hat, weiß, was ihm fehlt. Paul ist ein Spaßvogel, der mit ernster Miene den größten Blödsinn von sich geben kann. Leider bekam ich von diesem Panel sehr wenig mit. Tja, Mut zur Lücke.

Ein Gast, den ich als DeepSpaceNine Fan schon lange einmal sehen wollte, war Armin Shimerman, der den Barmann Quark in DS9 spielte, aber auch als Direktor Snyder in „Buffy“ einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Kleiner Mann, ganz groß. Armin enttäuschte in keiner Weise, erzählte unterhaltsam, spannend und witzig. So berichtete er, dass er im Make-up des Quark kaum etwas hören konnte, weil die Ferenghi-Ohren seine eigenen überdeckten, was ganz praktisch war, denn so konnte er das ein oder andere Mal vortäuschen, nichts zu verstehen, wenn eine Anweisung nicht nach seinem Geschmack war. Das aufwendige Make-up hatte seine Vor- und Nachteile. Ein Vorteil lag darin, dass man so andere Kollegen mit viel Make-up umso besser kennen lernen konnte, weil man Stunden gemeinsam im Make-up-Trailer verbrachte. Sein allerbester Freund aus der Zeit sei René Auberjonois, der Darsteller des Odo. Noch heute treffen sich die beiden regelmäßig. Nachteil des Make-ups: Die Reduzierung des Wiedererkennungswertes. Sein Gesicht ist den Studiobossen nicht bekannt durch Star Trek, obwohl er das doch 7 Staffeln gespielt hat, aber Armin ist so stolz, diese Rolle verkörpert zu haben, dass er sagt: „If the business doesn´t know me because I played Star Trek, then to hell with the business!“ (Wenn die Branche mich nicht kennt, weil ich in Star Trek gespielt habe, dann zum Hölle mit der Branche!) Genau! Auf die Frage, warum Quark als einziger am Ende der Serie die Station nicht verlassen hätte, erzählte Armin, dass er diese Frage Paramount gestellt hätte. Die Antwort: „Quark IST die Station!“ Da ist viel Wahres dran.

Wie immer könnte ich an dieser Stelle seitenlang weitermachen, Zitate aufführen und Anekdoten der Panels berichten, aber das würde den Rahmen sprengen. Irgendwann werde ich mir an einem verregneten Tag mit der FedCon-DVD aus diesem Jahr ein paar gemütliche Stunden machen und alles noch einmal erleben. Ich kann das nur jedem empfehlen.

Was gab es am Rande? Party! Obwohl, ich kenne Leute, die nur wegen der Party ins Maritim kommen. Und das lohnt sich immer. Die Stimmung am Freitag und Samstagabend war wie immer grandios bis in die frühen Morgenstunden. Anthony gab sogar ein kleines Rapp-Konzert, unterstützt von Cirroc.
Was erstaunlich war: Noch nie habe ich so viele Schauspieler auf der Party gesehen wie dieses Jahr:
Paul, Jewel mit ihrem Mann, Laura, J.G., Robert, Garrett, Anthony, Cirroc, Jonathan, Avery, das waren zumindest die, die ich gesehen und mit denen ich teilweise auch gesprochen habe. Paul steht hier bewusst an erster Stelle. Er genoss die Party am meisten …oder sollte man sagen: am intensivsten? Nein, kein weiterer Kommentar von mir.
Morgens um 5 machte allerdings auch die schönste Bar zu. Schlaf? Was ist das? Es ist doch Con!

Tja, irgendwann kommt aber auch auf der schönsten Con das Unvermeidliche: Die Closing.
Dirk Bartholomä, der „Macher“ der FedCon, stellte sein neuestes Projekt vor: FedCon USA. Ziel ist es, die Stimmung und Atmosphäre der deutschen FedCon auf eine FedCon in die USA zu transportieren. Ich frage mich allerdings ernsthaft: Wie soll das funktionieren? Die Stimmung? Die wird durch den Enthusiasmus und die Begeisterung der deutschen Fans entfacht. Das kann man nicht einfach exportieren. Also Dirk: Da musst du uns schon mitnehmen. Wer Interesse hat: www.fedconusa.com
Die unzertrennlichen Klingonen J.G. Hetzler und Robert O’Reilly versteigerten Hetzlers Stuhl-Rückenlehne vom Set, bedruckt mit seinem Namen, für 250 Euro und ein -ich nenn es mal- Schild mit den Unterschriften aller diesjähriger Schauspieler für 500 Euro für einen guten Zweck. Suzie Plaxton sang –wie schon beim letzten Mal- in schönem Deutsch das Kinderlied „Guten Abend, gute Nacht“, Anthony rappte noch einmal und die süße Laura versuchte sich mit etwas deutsch.
Dann der Moment, den eigentlich niemand erleben möchte: mit eine Stimme, die nur noch an ein Krächzen erinnerte, rief Marc B. Lee alle Schauspieler ein letztes Mal auf die Bühne. Tosender Applaus und Standing Ovation.
Was für eine Con ging da zu Ende! Emotional, mitreißend und voller guter Laune.
Danke.

 

Das anschließende Chaos ist jedes Jahr das gleiche. Die meisten reisten ab, und jeder versuchte in dem Durcheinander, so vielen Freunden wie möglich Lebwohl zu sagen. Ich war nur froh, dass ich erst am nächsten Morgen abreiste. So hielt sich der Con-Blues in Grenzen, und man hatte noch etwas Zeit und Ruhe, die Con mit guten Freunden Revue passieren zu lassen.

Denn das ist eine Con: Ein Treffen von guten Freunden oder zukünftigen Freunden, die man einfach nur noch nicht kennt. Es wird eine weitere Gelegenheit geben, sie kennen zu lernen: Auf der FedCon 17 nächstes Jahr.
Ob ich schon angemeldet bin? Was für eine Frage!

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