Conventions - Berichte - Ringcon 2007

Ringcon 2007

Ein neues Jahr, eine neue Ringcon. Sie fand erneut aber vorerst zum letzten Mal im Esperanto in Fulda statt, denn nächstes Jahr geht es zurück ins Bonner Maritim.
Doch erst mal ein Bericht von diesem Jahr.
Die Gästeliste mochte für den ein oder anderen Unwissenden langweilig ausgesehen haben. Erneut standen Mark Ferguson (Gil Galad) , Jed Brophy (Ork), Lori Dungey (Hobbitfrau Mrs. Bracegirdle), Thomas Robbins (Deagol) und Jonathan Harding (Elb Erestor) auf der Bühne. Alles keine Top-Stars. Selbst der große John Nobel (Denethor) war uns bereits aus dem letzten Jahr bekannt. Der kleinste Stuntman der Welt, Kiran (ihr habt ihn alle einmal gesehen. Er steckte im Kostüm des Bärenmarke-Bären) und WETA-Mitarbeiten Daniel Falconer waren sicher keine Zugpferde, und auch die beiden „Flucht der Karibik“ -Nebendarsteller Clive Ashburn und Isaac C. Singleton Jr. (beide spielten Piraten, Clive auf dem Schiff von Davy Jones, Isaac auf der Black Pearl), deren Erscheinen heftige Diskussionen auslöste, weil Hardcore-Fans eine Mischung der Genres ablehnen, versprachen nicht viel. Lediglich Gollum- und King Kong-Darsteller Andy Serkis durfte man als neu und zu den Großen gehörend bezeichnen.
Gemerkt? Ich schrieb „Unwissenden“, denn wer in seinem Leben nicht nur eine Con besucht hat, der weiß, dass ein großer Name zwar noch lange keine große Show ausmacht, aber „Neben“ nicht gleichbedeutend ist mit „langweilig“. Nicht, dass John oder Andi nicht fantastisch waren. Im Gegenteil. Und die so genannten „Nebendarsteller“ haben uns dieses Jahr wieder einmal eine Con beschert, die ihres gleichen suchen muss.

Aber jetzt erst mal von vorne.
Die Pressekonferenz startete pünktlich in altvertrauter Umgebung. Zuerst erfuhren die anwesenden Pressemitglieder von Christian Schimanski von Herr-der-Ringe-online, dass das unter den Fans sehr beliebte Online-Spiel, dass sich zur Zeit mit den Ereignissen und Welten des ersten Buchen von J.R.R. Tolkien befasst, nach World of Warcraft den zweiterfolgreichsten Start aller Online-Spiele aufweisen kann. Gratulation.
Nachdem uns mitgeteilt wurde, dass Robert Pollok aus persönlichen Gründen ganz kurzfristig absagen musste, gesellten sich die Schauspieler zu uns.
Leider war Thomas Robins noch nicht eingetroffen. Und Andi Serkis sollte nur am Samstag in Fulda sein. Stattdessen gesellte sich Rainer Nagel, einer der „Intellektuellen“, zur illustren Runde.

Eine der ersten Fragen ging an die Darsteller, die bereits schon einmal auf der Con waren. „Warum sind sie wieder hier?“ Jonathan brüllte laut „Money“ und löste damit allgemeines Gelächter aus, Mark fügte aber hinzu, dass das nicht alles sein könnte, denn dafür wäre der Weg zu lang. Einstimmiges Nicken.
Johns Grund war klar: „Ringcon is the best of the world!“ Er zeigte sich begeistert über die sehr gute Rund-um-die-Uhr-Organisation -vielleicht ein deutsches Fanomen?- und hatte keine Sekunde gezögert als man ihn erneut gebeten hatte zu kommen. Auch Mark möchte die Con nicht missen. Leider könne seine Frau Barbara *bg* (für alle Nicht-Wissenden: Craig Parker) in diesem Jahr nicht mitkommen, da er Arbeit hat, was, so erklären uns die Schauspieler scherzend, im Umkehrschluss bedeutete, dass alle Anwesenden im Moment keine Arbeit haben. Mark erklärte uns auch, dass seine Angst, die Bühne zu betreten, sich im Laufe der Jahre etwas abgeschwächt hat und dass sich die Con insofern geändert hat, dass sie immer mehr von den Fans übernommen wird, die einfach fantastische Dinge tun. Daniel hatte von früheren Gästen so viel Tolles gehört, dass er sich riesig gefreut hatte als er die Einladung bekam. Er würde jede Gelegenheit nutzen, um wieder nach Mittelerde zurückzukehren. Jed hatte man vor seinem ersten Besuch erzählt, Ringcon, das wäre „als wärst du ein Rockstar“, und es wäre einfach wunderbar, so viele Menschen zu treffen, denen Herr-der-Ringe auch so viel bedeutet wie vielen von ihnen.
Lori hingegen bezeichnete das Erlebnis Ringcon als „terrifying“ und eine Lernerfahrung, weil so viele hier mehr über Tolkiens Werk wüssten als sie selbst. Genau das machte für John den besonderen Reiz aus. Er müsse hart arbeiten und voll konzentriert sein, um die fordernde Fangemeinde angemessen zu befriedigen. Das wäre hart und faszinierend zugleich.
Die Fluch der Karibik-Darsteller dagegen erzählten, dass sie so gar keine Ahnung hatten, was da auf sie zukommt, dass aber jetzt schon das bereits gesehene (Kostüme etc.) Lust auf mehr mache. Clive erwartete „a hell of a ride“ und Isaak war einfach nur sehr dankbar, an so einem Ereignis teilnehmen zu dürfen.
Mark B. Lee, unser beliebter Master of the ceremony, erklärte, dass die Entscheidung der Ringcon, auch Schauspieler anderer Filme einzuladen einfach und allein in der Tatsache beruhte, dass die Herr-der-Ringe Filme so weit zurückliegen, dass mit den übrig gebliebenen „Hardcore“-Fans keine Con mehr zu finanzieren wäre. Um das Überleben der Ringcon zu sichern, müssten andere Fangruppen motiviert werden.

Ich für meinen Teil kann damit gut leben. Es zwingt mich doch niemand, Panels von Schauspielern zu besuchen, die mich nicht interessieren. Wichtig ist nur, dass Filme ausgesucht werden, die zur Atmosphäre der Ringcon passen. Aus dem Grund hatte die Orga auch eine Umfrage unter den Conbesuchern gestartet, welche Filme und welche Schauspieler gewünscht sind. Gute Idee.

Aber zurück zur Pressekonferenz.
Auf seine Arbeit bei WETA angesprochen berichtete Daniel, dass die Firma vor dem Herr-der-Ringe eigentlich gar nicht die Größe und das passende Know How gehabt hätte, dass sie aber mit und an dem Film gewachsen wären, sodass sie jetzt zu den führenden Spezialisten gehören würden. Das tolle an seinem Job bei WETA sei, dass er jeden Tag zur Arbeit komme, er aber nie müsste, was ihn genau erwartete. Die heutige Technik erlaube es, den digitalen Figuren mehr Leben mit Hilfe der Schauspieler einzuflößen, wie es schon bei Gollum und Andi Serkis gelungen sei. Die Sorge vieler, Schauspieler könnten über kurz oder lang ganz durch digitale Charaktere ersetzt werden, teilte jedoch keiner der Anwesenden, da Charakterdarstellungen mit menschlicher Tiefe und Tragödie immer noch nur durch einen echten Schauspieler glaubwürdig vermittelt werden könnten. Bis auf John Nobel hatte keiner der Anwesenden Probleme damit, bei der Entwicklung ihres HdR-Charakters zum Beispiel für ein Computerspiel mitzuwirken. John dagegen würde sich dabei nicht wohl fühlen, weil es sein Bestreben gewesen war, Denethor rein nach Tolkiens Vorstellungen zu verkörpern und ihn nicht durch einen Computer-Spieler entgegen Tolkien manipuliert sehen möchte.
Natürlich kamen auch die Fluch der Karibik Darsteller zu Wort. Clive berichtete, dass er aufgrund der Tricktechnik (er spielte ja einen der Matrosen aus Davy Jones degenerierter Crew) eigentlich nur in einem „großen Pyjama“ geschauspielert hätte, alle anderen dagegen hätten tolle Kostüme angehabt. Gleichzeitig wäre es aber auch eine Herausforderung gewesen, seinen Kollegen selbst in seinem Outfit einen glaubwürdigen Gegenpart zu liefern. Auf die Frage nach der Auswahl der Schauspieler für die Crew der Flying Dutchman erzählte er grinsend, dass der Regisseur eigentlich Schauspieler suchte, die in das Bild eines Britischen Hooligans passten.
Issak erzählte uns, er habe auch einen Teil zu Herr-der-Ringe beigetragen, da er in einem Computerspiel dem Oberhaupt der Uruk-Hais seine Stimme geliehen hatte. Eine gute Wahl, denn an dem attraktiven Schwarzen fiel nicht zuletzt besonders seine tiefe beeindruckende Stimme auf. Ehrlich! So eine Stimme könnte mir das Telefonbuch vorlesen und ich würde zuhören.
Entschuldigung, Ich schweife ab ;-)

Die Pressekonferenz ging zu Ende. Vor dem Raum hatte ich das Glück, mit Lori und Isaak ein Foto zu schießen (Frau braucht doch Beweisfotos). Dann ging es aufs Gelände. Spätestens jetzt warf sich der echte Fan ins Kostüm, ich natürlich auch.
Die Bühne in der großen Halle ließ schon einmal Vorfreude auf das abendliche Schelmish-Konzert aufkommen, derHändlerraum allerdings war eine Enttäuschung. Die kleine Halle wirkte geradezu leer. Nicht zuletzt durch das Fehlen der kleineren Bühne, auf denen die Bands noch im letzten Jahr gespielt und den Besuch des Marktes zu einem besonderen Erlebnis hatten werden lassen. Vielleicht hätte man hier einfach Dekorationen der vergangenen Ringcons ausstellen sollen. Sie wären ein wunderbares Motiv für Fotos und eine Augenweide gewesen. Schade. Hoffen wir, dass die Räume des Maritim im nächsten Jahr wieder etwas mehr Atmosphäre schaffen.
Im Hauptsaal wartete dann die diesjährige Deko auf uns: Lothlorien. Wunderschön.

Das erste Panel des Tages bestritt die unvergleichliche Lori, lustig wie immer, in ihrer bunten Schürze, auf der eine Karte von Neuseeland abgebildet ist. Und ihre Füße steckten nicht in Schuhen (das wäre für einen Hobbit nicht passend) sondern in Zehensocken. Die Frau ist einfach der Hammer! Zuerst holte sie sich Jed auf die Bühne, der unter Begeisterungsrufen in der Lederhose auftrat, die im letzten Jahr so denkwürdig von Craig auf der Auktion vorgestellt worden war.
Zünftig mit grauen langen Socken und einem Bauarbeiterhemd brachte Jed mit einer Tanzeinlage zu YMCA den Saal zum Kochen. Tja, der Mann war ein würdiger Ersatz für den schmerzlich vermissten Craig.
Lori zeigte anschließend Fotos des Vermissten. Craig hatte sich in eine knallblaue „Possom-Hosen“, einer im Schnitt der Lederhose ähnelnden Hose gezwängt, die er extra für die Auktion hatte anfertigen lassen. Und eigentlich wollte Lori diese Hose zusammen mit einem Brief von Craig auf der Auktion auch ersteigern lassen und übergeben, nur hatte der gute Mark Ferguson die Hose in Neuseeland vergessen. Loris Kommentar: „Idiot, but he knows that.“ Mein Kommentar? Das wird Mark ähnlich hinterherlaufen wie seine Passportgeschichte (Sollte irgendein Leser diese Geschichte noch nicht kennen, einfach googeln. Die Story ist weltweit verbreitet. Armer Mark.)
Lori hatte sich wie immer sehr gut auf ihr Panel vorbereitet und berichtete begleitet von wunderbaren Bildern von ihrer Reise nach Waitomo, Neuseeland, wo Touristen im „Woodlyn Park“ in einem umgebauten Flugzeug, einem Boot, einen Eisenbahnwagon und, man höre und staune, in einer Hobbithöhle übernachten können. Ihre Geschichte steigerte die Reiselust nicht nur bei mir.

Nach Lori betrat Thomas Robbins die Bühne, der mittlerweile eingetroffen war. Thomas ist zur Zeit mehr als Regisseur als als Schauspieler aktiv und zeigte dem Publikum eine seiner Arbeiten: „The killing curses 2“, ein Kurzfilm über ein junges Mädchen, dass von ihren eigenen Puppen angegriffen wird. Wirklich gut gemacht. Und wie bei Thomas üblich musste man nicht, ob man einige Szenen komisch oder gruselig finden sollte. Bitte mehr davon.



Den weiteren Nachmittag nutzte ich zu etwas, was ich schon immer einmal machen wollte: Ben Schamma, Chef der Stunttruppe Defcon Unlimited, bot einen Stuntworkshop an. Also: schnell was Bequemes an und auf zum Prügeln und Fallen.
Eine kleine Hand voll begeisterter Leute ließ sich von Ben erklären, wie man vortäuscht, geschlagen worden zu sein, wie man schlägt und tritt, ohne wirklich zu treffen und wie man effektvoll fällt. Zitat: „Fallen tut immer ein bisschen weh.“ Meine blauen Flecken zeugten davon, aber wir hatten riesig Spaß. Liebe Ringcon: Bitte wiederholen!
Der Abend wurde dann durch die traditionelle Opening Ceremony eingeleitet, die mit einer Feuerspucker- und Fackelwerf-Nummer zu den Klängen der Carmina Burana begann. Beeindruckend. Und selbst bis in die oberen Ränge spürte man die Hitzewelle, wenn die Feuerballen im Takt den Saal erhellten.
Es folgten Kinotrailer zu „Die Schwerter des Königs“ und „Der goldene Kompass“, beides scheinbar sehr sehenswerte Filme. Dann bekamen die Zuschauer den Kampf um Minas Tirith geboten, in dessen Verlauf ein lebensgroßer Höllentroll die Bühne betrat. Und „lebensgroß“ ist hier wörtlich zu nehmen. Das Biest war gute 3 Meter hoch. Das mit dem Betreten ist vielleicht übertrieben. Dem Troll fehlten Kostümtechnisch bedingt die Kniegelenke. Und ohne Kniegelenke kann man nun mal keine Treppe zur Bühne besteigen. Also wurde kurzerhand ein Gabelstapler genommen, den der Troll bestieg und mit dem er dann auf die Bühne gehievt wurde. Was für ein Aufwand! Aber der Auftritt war echt riesig, nicht nur im übertragenen Sinn.
Nach der Vorstellung der „Intellektuellen“ betraten nun die anwesenden Schauspieler von Marc B. Lee auf gewohnt enthusiastische Art und Weise angekündigt nacheinander unter Jubelrufen die Bühne. Isaac versuchte sich mit etwas deutsch, Thomas kam so schwungvoll auf die Bühne, dass er sich daherlegte und Lori hatte sogar einen längeren Text in Deutsch, den sie recht gut von ihrem Spickzettel ablas. Marc Ferguson richtete uns Grüße von „seiner Frau Barbara“ aus und wollte uns eigentlich mitteilen, dass ein Teil von Craig immer bei ihm wäre und somit ja Craig eigentlich auch da sei. Stattdessen sagte er „There´s a part of Craig in me.“ was schallendes Gelächter auslöste.
Nach der Opening folgte eines der „großen“ Panel: John Nobel. Wie schon im letzten Jahr stellte sich uns ein ernsthafter, sympathischer und nachdenklicher Schauspieler vor, der die Con mit den Worten „There is something here that is unic“ (Hier ist etwas, das einmalig ist) beschrieb. Das Erlebnis, bei der Verfilmung des Herrn der Ringe mitgewirkt zu haben, sei etwas, um das ihn viele Schauspieler beneideten, denn ungeachtet seiner vielen anderen Rollen in Filmen und auf Theaterbühnen würden viele ihn immer zuerst fragen, wie es war „dabei gewesen zu sein“. Er wäre es bisher noch nie leid geworden, immer wieder auf seine Rolle als Denethor angesprochen zu werden, weil es einfach eine großartige Rolle war, sein Lieblingscharakter des Buches, traurig, tragisch und wunderbar. Von großem Vorteil war bei den Dreharbeiten, dass immer so viele Menschen anwesend waren, die Tolkiens Werk in- und auswendig kannten, denn es wäre ihr Ziel gewesen, den Film so nah wie möglich an Tolkien anzulehnen. Angesprochen auf die Schluss-Szene, in der Denethor sich anzünden will, erzählte John, dass es schon recht beängstigend und doch aufregend zugleich gewesen war, so vom Feuer umringt gewesen zu sein. Das angebliche Öl, das er über sich ausschütten musste, war damals unter anderem Glycerin gewesen, damit es der Konsistenz von Öl ähnelte.
Beeindruckend wäre auch die Szene gewesen, in der Billy sein Lied sang. Natürlich wurde das Stück anschließend im Studio aufgenommen, aber um die passende Atmosphäre zu schaffen, sollte Billy auch auf dem Set singen. Und als er begann, waren plötzlich alle an die 200 anwesenden Menschen mucksmäuschen still, weil es so wunderbar klang.
Denethors „Ess-Szene“ sei eigentlich nur durch einen Zufall so zustande gekommen, denn zuerst hatte John Nobel nur aus Versehen die Tomate spritzen lassen. Peter Jackson war davon so begeistert, dass er das ausbaute, bis die uns bekannte Szene entstand.
Aus all seinen Erzählungen konnte das Publikum deutlich schließen, wie viel Energie, Arbeit und Gedanken John Nobel in seine Darstellung des Denethor gesteckt hatte. (Warum war er so zerrissen? Was machte ihn zu dem Mann, der er ist? Denethor hat keine Freunde, keine Vertrauten. Warum verhält er sich Faramir so gegenüber?) Gerade diese intensive Auseinandersetzung mit der ihm anvertrauten Rolle zeigte uns den großartigen Schauspieler, der John Nobel ohne Zweifel ist.
Nach dem so beeindruckenden und ruhigen John Nobels gab´s als Kontrastprogramm ein Panel von Mark Ferguson, Lori, Thomas, Jed und Jonathan. Damit waren eigentlich Lachanfälle vorprogrammiert. Und natürlich wurden wir nicht enttäuscht. Die 5 hatten ein Spiel a la „Wer wird Millionär?“ vorbereitet, in dessen Verlauf Fragen zu Buch und Film beantwortet werden sollten. Da oft die Fans besser Bescheid wissen als die Schauspieler, war klar: Jede Mannschaft (Lori und Jonathan auf der einen Seite, Thomas und Jed auf der anderen) bekam einen Mitspieler aus dem Publikum zur Seite gestellt.
Tja, und von da an nahm der Abend für mich eine unerwartete Wendung. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hatte, aber irgendwie hob sich meine Hand von alleine. Und, ich hatte es befürchtet, Mark suchte mich aus, um Thomas und Jed zu unterstützen (somit ist wohl einigen Lesern in diesem Moment klar, wer hier schreibt)
War das ein Spaß! Zwar waren die Fragen teilweise recht schwierig, vor allem als es um Namen aus dem Buch ging (denn ich hatte das Buch nur in Deutsch gelesen) aber das war egal. Joker wurden verbraucht, Showeinlagen geliefert. So zog Jed, um einen Punkt zu gewinnen, seine lange Hose aus und zum Vorschein kam erneut die Lederhose. Sozusagen der Lederhosen-Bonus. Ich kann aus ersten Hand bestätigen: Jed sah auch von gaaaanz nah gut darin aus :-)))

Danach war Schluss im Hauptsaal. Also: Schnell ins Party-Outfit wechseln und ab ging´s. Es folgte das von uns so sehnlichst erwartete Mittelalter-Konzert von Schelmish. Wie es war? Einfach fantastisch!!! Sorry, hier bin ich nicht objektiv, denn ich bin riesen Schelmish-Fan. Dextro und seine Barden sind ein absolutes Muss und gehören nicht nur für mich schon zwingend zur Con dazu. So war die Stimmung vor der großen Bühne wieder einmal super. Uns wurde tüchtig eingeheizt, sodass es anschließend extrem gut gelaunt zur Party in den sechsten Stock in die Bar ging, wo sich nicht nur Schelmish, sondern auch der größte Teil der Schauspieler zu uns gesellte. Mark B. Lee tanzte auf dem Tisch und legte dort einen halben Striptease hin (sprich: oben ohne) oder spielte Luftgitarre zu „We will rock you“. Tja, wer nicht da war, hat was verpasst.
In den frühen Morgenstunden, es war so gegen 3 Uhr, siegte dann bei mir die Vernunft. Ab ins Bett. Die Con war noch lang.


Wie es Lori, Mark, Thomas, Jonathan und Jed am nächsten Morgen schafften, gut gelaunt und fit das erste Panel zu bestreiten, ist mir ein Rätsel.
Es wurde ein musikalisches Panel. Jed brachte einen Ork-Blues, in dem er beweinte, dass er die Orkfrauen vermisse, Lori sang eine traurig-witzige Hobbit-Ballade, weil sie keinen Mann, aber 7 Kinder hat, Jonathans Elben-Lamment wurde zu einem Reggae und Mark (ja, Mark sang das zweite Mal in seinem Leben auf einer Bühne) vertonte seine Passport-Geschichte. Oje, die Bauchmuskeln wurden schon arg strapaziert. Was die 5 so auf der Bühne veranstalten, lässt sich schwer beschreiben. Das muss man sehen! (*Werbemodus an* An dieser Stelle kann ich nur die Con-DVD empfehlen *Werbemodus aus*) Die 5 brachten erneut ihr Stuntdouble-Spiel. Mark und Lori spielten eine Szene, die eigentlich völlig harmlos ist, bauten irgendeinen gefährlichen Schwachsinn ein und riefen dann nach ihrem „Stuntdouble“. Und Thomas, Jed und Jonathan sprangen ein. So wurden wir zum Beispiel Zeuge, wie Thomas und Jed Stellungen des Kamasutra, dargestellt von Jonathan, ausprobierten. Hilfe!
Im anschließenden Lori/Thomas Panel stellten die beiden auf witzige Weise die Szene dar, in der Thomas als Deagol den Ring findet und von Smeagol umgebracht wird. Nur machte Lori alles falsch und Thomas musste ständig eingreifen. Anstatt zum Beispiel ruhig im Fischerboot zu setzen, warf Lori den Außenborder an oder fischte keinen Fisch sondern spielte einen Delfin, der ja bekanntlich KEIN Fisch ist.
Anschließend wollten sich die zwei drei Frauen auf die Bühne holen, die im Stil von „Herzblatt“ für Deagol eine Frau suchen wollten unter dem Motto „Bring Deagol back to life.“ (Hol Deagol ins Leben zurück.) Und womit sollte das besser funktionieren als mit Liebe. Doch als dritte Frau betrat Jed die Bühne und versuchte, mit piepsiger Stimme Thomas Liebe zu gewinnen. Er schaffte es allerdings nicht. Nur echter, weiblicher Charme konnte Deagol/Thomas überzeugen. Es geht eben doch nichts über die Waffen einer Frau ;-)

Es folgte Andy Serkis Panel, auf das sich wohl schon viele der Ringcon-Besucher gefreut hatten. Wann hat man schließlich die Gelegenheit, Gollum persönlich zu begegnen? Andy erzählte uns, dass als er die Rolle übernahm noch gar nicht klar war, wie groß sein Part daran werden sollte. Eigentlich wurde nur seine Stimme für drei Wochen benötigt. Schnell stellte er dann fest, dass er dieses Wesen nur mit eigenem Körpereinsatz überzeugend vertonen konnte. Die Idee zu den Würgelauten, die so typisch für Gollum sind, sei ihm gekommen, als er seine Katze dabei beobachtete, wie sie morgens in seiner Küche versuchte, einen Fellballen auszuwürgen. Da sag ich nur: Guten Appetit!
Im Laufe der Dreharbeiten stellte dann Peter Jackson fest, dass es für Elijah Wood und Sam Astin enorm schwierig war, zu agieren, ohne einen richtigen Gollum vor sich zu haben, weil bis zu dem Zeigpunkt Gollum rein digital erzeugt werden sollte. Also kam Peter auf die Idee, einen echten Schauspieler zur Hilfe zu nehmen. Genau das war der Anfang der Entwicklung zu einem von Andy dargestellten und dann später digitalisierten Gollum wie wir ihn kennen. Nach den Bewegungen kam mit der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten dann die Mimik hinzu. Genau diese Mimik zeigte Andy auch von Zeit zu Zeit auf der Bühne, und wir bekamen einen lebhaften Eindruck von seiner Arbeit. Andy erzählte uns auf die Frage hin, ob er lieber böse Charaktere spielt, dass er nicht glaubt, dass es den rein bösen Charakter überhaupt gibt, denn auch der „Böse“ glaubt, richtig zu handeln aus seinem Blickwinkel. Andy hatte ganz schöne Angst, Gollum darzustellen, weil der Charakter so bekannt war und daher hohe Erwartungen an die Darstellung gestellt wurden. Für ihn gibt es allerdings keinen Unterschied zwischen einem animierten und einem dargestellten Charakter. Beide sind für ihn gleich real, denn für beides muss er seine gesamte Vorstellungskraft einsetzen, um glaubwürdig zu sein.
Schon während den letzen Drehtagen zu Herr der Ringe kam die Anfrage an Andy von Peter Jackson, ob er nicht auch King Kong verkörpern könnte. Andy nahm begeistern an und machte sich an die Herausforderung, den Charakter des Affen herauszuarbeiten. Schließlich sollte das Publikum nicht eine Maske sehen, sondern eine richtige Beziehung zu ihm aufbauen können. Die neue Herausforderung an Kong war vor allem, die längeren Gliedmaßen eines Affen bewegungsmäßig umzusetzen.
Zum Ende des Panels bekam das Publikum noch einen musikalischen Bonus. Andy sang uns „You´re the one that I want“ (aus Grease) mit Gollums Stimme vor. “You´re the one that I want, my precious.” Herrlich!

Die anschließende Auktion wurde wie schon die Jahre zuvor von Mark Ferguson geleitet, unterstützt von Lori, Thomas, Jonathan und Jed, der es schaffte, Craig auch hier würdevoll zu vertreten. Was hieß: Unterhaltung pur!

Der Kostüm-Wettbewerb zeigte wie schon so oft, wie viel Talent in den Fans schlummert. So wurde uns unter anderem ein Ork auf Brautschau, ein Elb, der etwas „gewöhnlicher“ rüber kam (schon mal nen Elb im Jogginganzug mit sächsischem Dialekt gesehen? Es gab Bauchschmerzen vor Lachen, aber das lässt sich nicht beschreiben. Das muss man sich anschauen ... auf der DVD) und rappende Höhlentrolle präsentiert. Die Pause, die die Jury zur Beratung benötigte, verkürzte uns Ringstar Mark Blasberg, der uns als Faramir musikalisch und Kostümtechnisch die Wandlung des einfachen Waldläufers aus Ithilien zum Soldaten und Anführer Gondors darbot. Ergreifend und brillant wie immer. Danke, Mark.




Es folgte der Party Teil des Samstages. Zuerst wurde uns im Hauptsaal ein Konzert von John Kelly und seiner Frau Maite Itoiz geboten. Tja, mir hat das nicht so gefallen, und ich bin nach drei Liedern gegangen. Musik ist eben Geschmacksache. Vor allem hat mich extrem gestört, dass man zum Beispiel eine E-Gitarre hörte und sah, die leider aber gar nicht angeschlossen war. Es schien so einiges vom Band zu kommen. Das ist nicht mein Ding. Ein Konzert sollte live sein, und zwar vollständig.
Welch ein Hochgenuss war dann das anschließende Schelmish-Rock-Konzert. Alles live und mitreißend gespielt. Die Schelme rockten das Esperanto in Grund und Boden!
Nass geschwitzt und aufgeheizt ging es anschließend in die Bar, in der der Abend mal wieder erst am frühen Morgen in Hochstimmung ausklang.

 

Über Panels am Sonntag kann ich leider keinen Bericht abliefern, denn ich nutzte erneut die Gelegenheit, an einem Workshop teilzunehmen, den ich mir schon sooo lange vorgenommen hatte. Morgens um 10:00 Uhr sollte es losgehen mit Schwertkampf. Der Workshop entwickelte sich zu einer Mischung aus Stunt und Schwertkampf, machte einen irrsinnigen Spaß, und ich wollte gar nicht mehr aufhören. Hab ich auch nicht, denn als es dann um 12:00 Uhr hieß: „Jetzt proben wir die Dinge, die wir auf der Closing zeigen wollen.“ blieb ich dabei und kämpfte bis zum späten Nachmittag mit Elan und lautem Gebrüll. Ok, meine Stimme war nach zwei Konzerten und zwei Partys sowieso schon angeschlagen. Am Abend war sie dann so gut wie nicht mehr hörbar. Machte nix. Wer nach ner Con noch völlig fit ist, hat die Con nicht ausgiebig genug erlebt. Oder so ;-)
Und so kam es, dass ich anstatt wie sonst ruhig und etwas müde die Closing von meinem Platz aus zu genießen, mich hinter der Bühne wiederfand und meinem kurzen Auftritt entgegen fieberte.
Trotzdem bekam ich noch genug mit, als der Elbenchor diesmal nicht nur Lieder aus Herr der Ringe darbot, sondern uns auch ein Gänsehautgefühl bescherte mit einem Stück aus Flucht der Karibik 3. Alexandra Felten und ihre Workshop-Teilnehmer brachten uns auf gewohnt amüsante Weise die Legende von Sir Gawain näher und der Tanzworkshop zeigte uns, dass man schon in wenigen Stunden lernen kann, sich einigermaßen vorzeigbar auf der Bühne zu Musik zu bewegen.
Dann folgte unser Stunt-Auftritt. In kleinen Gruppen zeigten wir nacheinander, was wir so gelernt hatten: Schwertkampf, Faustkampf, fallen, brüllen, eben alles, was dazu gehörte. Mit der Unterstützung von Jed, Kiran, John Kelly und seiner Frau und natürlich unserem Lehrer Ben Schamma konnten wir, so hoffe ich, das Publikum einigermaßen unterhalten.
Dann folgte das Unvermeidliche: Die Verabschiedung. Natürlich ohne Andy, der ja wie schon erwähnt nur Samstag da war. Auch Thomas hatte die Con bereits verlassen, verabschiedete sich aber von uns mit einem Videoclip seiner Abreise. Mark versprach uns noch, das Craig das nächste Mal wieder dabei sein wird. Ein kleiner Trost im bereit aufkommenden Con-Blues.

Dann war alles vorbei. Der letzte Applaus verhallte, das Licht im Hauptsaal ging wieder an. Viele verließen das Gelände nicht bevor sie sich nicht noch von neuen und alten Freunden verabschiedet hatten. Der kleine Raum vor der Rezeption füllte sich mit Koffern und sich umarmenden Menschen. Eine wunderbare Con war zu Ende.

Ich war immer froh, noch eine weitere Nacht in Fulda zu verbringen. So klang für mich die Con in der Bar am Sonntagabend und bei einem gemütlichen Frühstück mit Freunden am Montagmorgen erst aus. Und dann ging´s nach Hause. Leider.
Aber wie sag ich immer? Nach der Con ist vor der Con.

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