Conventions - Berichte - Ringcon 2008

Ringcon 2008

„I´m ready to go home now“ after Fulda. Nein, Fulda war nicht schlecht, aber es war trotzdem ein Gefühl des Nachhausekommens, als ich am 3. Oktober 2008 das Maritim betrat, um an der 7ten Ringcon teilzunehmen.
Und es begrüßte einen nicht nur das altbekannte und geliebte Hotel sondern altbekannte Freunde. Ja, das Familientreffen konnte starten.
Und es startete schon um 10:30 Uhr mit der Pressekonferenz, die nach meinem Gefühl nicht so gut besucht war wie in den Jahren davor. Kerstin Seitz begrüßte in Vertretung von Brigitte Scheer die Anwesenden, und als erstes stellte Harald Lessnik die diesjährige Charity-Aktion, nämlich die Peter Maffay Stiftung vor, die es Kinder, die schlimmes durchgemacht haben, auf einer Farm auf Mallorca ermöglicht, „zurück zur Natur“ und dadurch auch wieder zu sich selbst zu finden und dadurch wieder stark zu werden.
Harald, der der persönliche Trainer und Bodyguard von Peter Maffay ist, zeigte danach ein wenig von seinem Fitness- und Selbstverteidigungskonzept T.pow, welches er schon auf der Fedcon in Workshops vorgestellt hatte. So forderte er beispielsweise einen anwesenden Reporter auf, zu versuchen, ihn umzuwerfen während er selbst nur auf einem Bein stand. Tja, der Kollege brachte dies nicht fertig. Eine eindrucksvolle Demonstration der Fähigkeiten, die jeder erlernen kann, der sich nur lang genug dem Fitness-, Antiaggressionstrainings- und Bewegungsprogramm widmet. Schade nur, dass aufgrund der Vielzahl von anderen angebotenen Workshops auf der RC kein Platz mehr war für T.pow-Workshops. Noch bedauerlicher war in meinen Augen, dass die Peter-Maffay-Stiftung und T.pow nicht auch bei der Opening mit vorgestellt worden sind. Meiner Meinung nach sollte die Charity nicht nur dem kleinen Kreis der Reporter sondern den anwesenden Fans vorgestellt werden, damit diese besser Bescheid wissen, wohin ihr gespendetes und bei der Auktion ausgegebenes Geld hingeht (und dadurch vielleicht doch noch den ein oder anderen Euro mehr locker machen.)

Aber ich schweife ab. Weiter mit der Pressekonferenz, auf der nun die Schauspielerin Kate Madison zusammen mit Kollegen ihr Film-Projekt „Born of hope“ vorstellte, ein Film, der die Ereignisse VOR dem Herrn der Ringe beleuchten soll und sich mit den Dunedain, den Eltern von Aragorn und Aragorns jungen Jahren befassen wird. Die Schauspieler arbeiten ohne Bezahlung daran, sodass sich die Dreharbeiten natürlich so in die Länge ziehen. Kate hoffte jedoch, dass der Film 2009 fertig werden wird. Auf welche Art und Weise wir als Zuschauer dann in den Genuss kommen sollen, den Film auch zu sehen, konnte uns die sympathische Kate allerdings noch nicht verraten.
Als nächstes stellte uns Claudia Kern, vielen Con-Besuchern seit Jahren als engagierte FC-Mitarbeiterin bekannt, auf amüsante Weise ihren ersten Fantasy-Roman „Der verwaiste Thron“ aus einer Trilogie namens „Der Sturm“ vor. Claudia berichtete, dass sie im Laufe der Jahre bei der Fedcon so viele Stunden an Flughäfen verbracht hätte, dass sie die Zeit irgendwie sinnvoll nutzen wollte. Was sie so über den Inhalt ihres Erstlingswerkes erzählte, machte durchaus neugierig auf mehr.
Dann endlich kamen die Schauspieler zu uns… und setzen sich erst mal in verkehrter Reihenfolge an den langen Tisch. Kein Problem. Kerstin tauschte einfach in Windeseile die Namensschilder aus und schon passte die Sache wieder.
So saßen Moderator Marc B. Lee, WETA-Mitarbeiter Matt Appleton und Emily Jane Sturrock, Jamie Yeates (Captain der Slytherin-Quidditch-Mannschaft Marcus Flint in „Harry Potter“), Stanislav Ianevski (Quidditch-Spieler Viktor Krum in „Harry Potter und der Feuerkelch“), Chris Rankin (Percy Weasley in „Harry Potter“), Lee Arenberg (Pirat Pintel in „Fluch der Karibik“), John Rhys-Davies (Gimli in „Herr der Ringe“), Brad Dourif (Grima in „Herr der Ringe“), Paul Norell (König der Toten in „Herr der Ringe“), Lori Dungey (Hobbit Mrs. Bracegirdle in „Herr der Ringe“), Jed Brophy (Ork in „Herr der Ringe“), Shane Rangi (Haradrim-Captain in „Herr der Ringe“) und last but not least the Boss-Elf himself Mark Ferguson (Elben-König Gil Galad in „Herr der Ringe“) vor uns in Reih´ und Glied und beantworteten Fragen. Jamie Waylett, der den Vincent Crabbe in „Harry Potter“ verkörpert, musste leider mehr als kurzfristig absagen. Er war schon in Bonn angekommen als er aus gesundheitlichen Gründen wieder abreisen musste.
Schaute man sich die Liste der Gäste genauer an, stellte man also fest, dass zwar einige interessante Schauspieler aus „Harry Potter“ und „Fluch der Karibik“ anwesend waren, aber alle „Herr der Ringe“ Darsteller bereits mindestens einmal zuvor auf der Ringcon waren. Nichts Neues also in dem Bereich. Schade.
Doch die „altbekannten“ Gesichter enttäuschten nicht.
John Rhys-Davies freute sich auf die kommende Con, weil er die Intelligenz der Fans so liebt. Chris Rankins erzählte, dass er selbst jahrelang Fan von Harry Potter war, bevor er die Chance bekam, selbst ein Teil des Genres zu werden. Trotzdem sehe er seine Rolle eigentlich „nur als seinen Job“ an. Lee Arenbergs erster Satz war erst einmal ein „Hello, puppy“ und er gestand, dass „Fluch der Karibik“ nur dank der Fans viel größer geworden sei als alle erwartet hatten. Brad Dourif freute sich darauf, mit einen „Haufen Verrückter“ Spaß zu haben, die alle ähnlich ticken. Paul Norell widersprach ihm ein wenig, indem er entgegnete, dass die Fans keineswegs verrückt seien sondern interessante Leute mit jeder Menge Interessen und Talente. Jed liebte es, erneut wieder da zu sein, weil er so wieder die Gelegenheit haben würde, eine Lederhose zu tragen, ohne dafür verhaftet zu werden, und Shane meinte, dass es in Neuseeland nichts besonderes wäre, wenn man erzählt, dass man im Herrn der Ringe mitgemacht hatte. Hier auf der Ringcon mache ihn das zu etwas besonderem und deshalb wäre er gern hier.
Auf die Frage nach seinem Lieblingsfilm mit eigener Beteiligung nannte Brad spontan „Einer flog übers Kuckucksnest“, dann revidierte er allerdings seine Aussage und meinte, sein Lieblingsfilm sei immer der, an dem er grad arbeite und da er grad an keinem arbeite, hätte er eigentlich grad gar keinen Lieblingsfilm.
Auf die interessante Frage, ob es gut oder gefährlich sei, sich in einer Geschichte oder einem Film zu verlieren, meinte Lee, dass wohl etwas dazwischen das richtige sei. Schließlich könne eine gute Story die Fantasie anregen. Und John ergänzte, dass sich Realität und Fiktion gegenseitig positiv beeinflussen können. Also sollte jeder, der träumen kann, auch träumen. Schön gesagt.
Als die Frage nach dem jeweiligen Lieblingsbuch der Gäste gestellt wird, begann ein Gespräch über die Wichtigkeit des Lesens an sich und die Bedeutung von Büchern. Chris rief ins Gedächtnis, dass Kinder, die früher nie ein Buch in die Hand genommen hatten, durch die Harry-Potter-Filme wieder ans Lesen gekommen sind. Das wäre eine richtig gute Sache.
Als John nach seinen Erfahrungen beim Herrn der Ringe gefragt wurde, gestand er, dass er damals mit äußerster Skepsis nach Neuseeland gefahren sein. Schließlich waren das Land und die dortige Filmindustrie inkl. Peter Jackson zu dem Zeitpunkt nicht gerade bekannt im Filmgeschäft. Er habe dann einen ganzen Tag in jeder Abteilung von WETA verbracht und dort ausschließlich Experten angetroffen, die alles, was er bis dahin kannte, übertroffen hatten. Und dann lernte er Peter Jackson kennen. Ein guter Regisseur müsse gleichzeitig ein Künstler auf allen Gebieten und ein Wissenschaftler sein. Peter habe das alles. Er sei einer der bemerkenswertesten Filmemacher dieser Zeit. Na, da kann ich ihm nur zustimmen.
Die Frage, ob sie als Schauspieler die Weisheiten ihrer Filmfiguren mit ins reale Leben nehmen, brachte die meisten Gäste nur zum Schmunzeln. Brad meinte nur, er sei im Leben ein perfekter Idiot wie jeder andere auch. Schauspieler zu sein sei eben auch nur ein Job, in dem es seine Aufgabe sei, das zu tun, was der Regisseur von ihnen verlange. Und John ergänzte, wenn es eine Weisheit gäbe, die er aus den Filmen mit in sei eigenes Leben genommen hätte, dann wäre es ein Satz aus einem seiner Filme gewesen, und den hätte er noch nicht einmal selbst gesprochen. Der Satz war aus „Indianer Jones“. Und mit seiner wunderbaren Stimme gab uns John auch dieses Zitat zum Besten: „Let it go.“

Die Pressekonferenz war zu Ende. Das hieß: Zimmer beziehen, rein ins eigene Kostüm (Ich als Kostümfan würde NIE in zivil auf einer Ringcon rumlaufen. Was denkt ihr von mir?) und ab ins Getümmel.
Und mit was sollte es losgehen? Ein Blick in die Con-Tasche: Dem Programmheft fehlte, oh Schreck, das Programm! Angeblich ein Druckproblem. Aha. Der Mangel wurde durch eine Vielzahl von an allen möglichen Stellen angebrachten Programmabläufen behoben. Blöd nur, wenn man dann grad im Panel saß und „schnell mal was nachgucken wollte“.
Doch das Ambiente passte. Schon in der Halle des Maritim begrüßten einen diverse mittelalterliche Verkaufsstände: Felle, Tücher, Gewandungen, Schmuck und ein Met-Stand mit einer unglaublichen Auswahl an Sorten (die ich im Laufe des Wochenendes ausgiebig getestet habe. Lecker sag ich euch!). Da kam doch gleich die richtige Stimmung auf. Leider entpuppte sich der Händlerraum eher als eine Enttäuschung. Zwar waren die Stände dort (zum Beispiel ein einfach wunderbarer Stand mit alten Brett- und Knobel/Gedulds-Spielen, an dem man sich wirklich stundenlang aufhalten und alles probieren konnte) alle ganz klasse, nur war der erste Raum halb leer. Lediglich Raum zwei war angefüllt mit Merchandising-Ständen. Wer wollte, konnte dort genug Geld lassen. Erst ziemlich spät erfuhr ich, dass auch auf dem Außengelände des Maritim, genauer gesagt hinter dem Maritim zur Straße hin, ein Markt aufgebaut war, wenn auch nur mit sehr wenigen, allerdings guten Ständen wie z.B. ein Schmuckhändler, ein Hutmacher und ein Gewandschneider. Auf dem gleichen Gelände gab es auch einen Bogenschießstand. Nur gab es zu diesem Markt keine Hinweisschilder. Jedenfalls habe ich keine gefunden. Sehr schade. So war dort draußen trotz des guten Wetters nichts los. Enttäuschend nicht nur für die Händler dort. Also: das nächste Mal große Schilder, bitte!

Mein erstes Panel sollte das von Lori sein. Also ab in den Hauptsaal. Das Dekoteam hatte sich wieder mal selbst übertroffen: Das Bühnenbild versetztes uns ins Auenland! Ein großer gedeckter Tisch, Bänke, ein wunderbarer Garten und –man traute seinen Augen kaum- Bilbos Haus! Und seine große runde, geöffnete Eingangstür war auch der Weg, den die Gäste nahmen, um auf die Bühne zu kommen. Einfach toll!

Lori war wieder mal wunderbar. Allerdings entzückte uns zuerst ein Auftritt von Jed Brophy, der in den Possom-Hosen des letzten Jahres zu unser aller Vergnügen zu „YMCA“ tanzte. Dann zeigte uns Lori einen kleinen Spielfilm, den sie zusammen mit Schauspielkollegen in Neuseeland gedreht hatte. Sie als Hobbitfrau bekam von einem Magier (Einfach herrlich: Craig Parker) den Auftrag, nach der Zerstörung Hobbingens ein neues Zuhause für die verstreut lebenden Hobbits (unter anderem Sarah McLeod (Rosi Cotton) und Cameron Rhodes (Farmer Maggot)) zu suchen und diese dann dort hinzuführen. „Mrs. Bracegirdle’s journey to sanctuary“ war eine kurzweilige Unterhaltung ganz nach Lori-Art.

Um 15:00 Uhr ging´s dann für mich auf die Suche nach dem Rapier-Fechten-Workshop. Leider wurden nur weitere vier Anmeldungen zu den schon vorher entgegengenommenen Online-Anmeldungen angenommen. Ich war Nummer 5. Schade. Das hätte mir sicher Spaß gemacht.

Also ging’s auf ins Gelände. Und wer saß da oben und gab fleißig Autogramme? John Rhys-Davies. Er hatte für jeden ein Lächeln, unterhielt sich gerne und war neugierig auf jeden Fan, der an seinem Tisch stand. Und das das ganze Wochenende. Unermüdlich schrieb und lächelte er und nahm sich für Jeden Zeit. Natürlich war in einer solchen Atmosphäre eine persönliche Widmung eine Selbstverständlichkeit für ihn. Unglaublich sympathisch und viel Fan-naher als ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte. Außerdem: diese Stimme! Diesem tiefen, warmen Bass konnte man stundenlang zuhören. Ein Höhepunkt jeder Con, dieser Mann.

18:00 Uhr: Ab zurück in den Hauptsaal. Da war jetzt der Video-Contest angesagt. Es lohnte sich wieder einmal: Beiträge wie Bilder der Nazguls auf das Ärzte-Lied „Junge“, Bilder aus den drei Herr-der-Ringe-Filmen auf „Pack die Badehose ein“, ein Gimli-Porträt auf „Es ist nicht immer leicht, ich zu sein“ von den Wise Guys (sogar mit Untertiteln) oder Filmzitate zurechtgeschnitten auf einen Besuch der Gefährten im Restaurant als eine Szene von Southpark. Das alles brachte den Saal zum Kochen.

Und so näherten wir uns dann endlich der Opening Ceremony, in der diesmal nicht nur die „Intellektuellen“ (es gab von ihnen wieder jede Menge, leider fehlte Alexandra Felten aus gesundheitlichen Gründen) und alle anwesenden Schauspieler, sondern auch die 3 Frontmänner Mark (Faramir), Andreas (Boromir) und Peter (Aragorn) von den Ringstars auf die Bühne kamen, um schon mal die neue Show für den Samstagabend anzukündigen. Die Ringcon war endlich offiziell eröffnet…

…und kam mit dem anschließenden Panel von John Rhys-Davies gleich zu ihrem Hauptgast. John wollte uns als erstes mit einem breiten Grinsen dazu animieren, uns etwas auszudenken, um in 4 Jahren ins Guinnessbuch der Rekorde zu kommen. Allerdings, so betonte er mit einem verschmitzten Lächeln, legal und sicher. Und wenn wir etwas ohne Abenteuer suchten, dann sollten wir einfach versuchen, mit unseren Taten das Leben ein Stück besser zu machen. Guter Gedanke. Das erste, was ihm beim Gedanken an den HdR-Film einfiel –mit Ausnahme des scheußlichen Make-ups, auf das er damals allergisch reagiert hatte und ihm deshalb die Arbeiten zur Qual machten- sei, dass er durch den Film und die Convention so viele verschiedene Leute trifft und dadurch viel mehr über Menschen und die Gesellschaft an sich erfährt als es ihm ohne das möglich wäre. An das Make-up erinnert erzählte er uns, dass ihn Peter Jackson auf die Dreharbeiten und eine mögliche Zwergen-Rolle im „Hobbit“ angesprochen hatte mit den Worten „Mach dir keine Sorgen. Wir können das Make-up vielleicht sogar auf eine Stunde verkürzen“, was John ein „Du sadistischer, kleiner Bastard“ an Peter entlockt hatte. Er habe noch nie eine Rolle abgelehnt und es dann bereut. Irgendwie ruhe wohl ein Fluch auf den abgelehnten Rollen, denn die Filme seinen dann nie besondern gut gewesen. Auch eine Rolle im letzten Indianer Jones Film hatte er abgelehnt, denn nur ein kurzen Gastauftritt empfand er für seine Rolle als Sallah nicht passend. Außerdem hätten ihn die Charaktere im Drehbuch „nicht bewegt“ und ohne das nähme er keine Rollen an. Als John dann die Frage gestellt bekam, ob er ein Problem damit gehabt hätte, jemand von kleiner Größe zu spielen, wo er doch selbst so groß wäre, kam von John mit einem Grinsen im Gesicht mit Gimlis Stimme gesprochen nur eine Gegenfrage „Hast du ein Problem mit Zwergen?“ Doch auf die Frage, was er denn darüber denkt, dass er hauptsächlich in so genannten Nebenrollen tätig ist, antwortete er wieder ernst, dass kein „Star“ spielen kann ohne den passenden Gegenpart. Schließlich sollten eigentlich alle Schauspieler für das Stück bzw. den Film spielen, egal, wie groß ihre Rolle auch sei. An John konnte man sehen: es kommt nicht auf die Größe der Rolle an, sondern auf die Qualität des Schauspielers. Danke, John Rhys-Davies.

Nach John kam der zweite große Name auf die Bühne: Brad Dourif. Ein ganz anderes Kaliber. Ruhig, fast ernst beichtete er uns, dass er die Bücher nicht gelesen hatte bevor er sich zum Casting bei HdR begab, bei dem er dreimal abgelehnt worden war, und nur deshalb am Ende die Rolle des Grima bekam, weil der zuvor ausgewählte Kollege abgesagt hatte. Gefragt nach den Unterschieden zwischen dem Mörder Lon Suder, den er in Star Trek verkörperte, und Grima, antwortete uns Brad, dass Suders Verhalten eher krankhaft ist während Grima durch die Umstände, u.a. seine Hässlichkeit, zu dem wurde, was er war. Er hatte keine Vorbilder für die Darstellung des Grima gebraucht, weil das Buch genug Anhaltspunkte bot, um den Charakter zu spielen. Außerdem wäre das Kostüm dabei sehr hilfreich gewesen. Grima gehört, so erzählte er, auch dadurch zu seinen Lieblingsbösewichten. Bemerkenswert an ihm sei die Tatsache, dass dieser trotz seiner Schlechtigkeit verliebt ist und so intelligent, dass er seine Mitmenschen manipulieren kann, sich dabei aber selbst am meisten hasst.
Armer Grima, interessanter Brad.

Zum Abschluss des Freitags wurde die Bühne noch einmal voll. Mark Ferguson setzte sich an einen Tisch zusammen mit Chris Rankins und Lee Arenberg. Lori und Jed nahmen derweil auf der Hobbitbank Platz, während Lee, Mark und Chris sich angeregt über –man höre und staune- Fanfiktion unterhielten. Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass Mark dieses Thema nicht mochte. Nicht so auf dieser Con. Jede Menge Anspielungen brachten das Publikum zum Schmunzeln. So gefällt uns das.

Der erste tolle Tag war geschafft. Es ging ab in die Bar oder zum Konzert von Rabenschrey, das allerdings, vielleicht weil im kleinen Saal und nicht in der Partyzone, recht schlecht besucht war. Trotzdem machten die Jungs um Sänger Donar von Rabenschrey Stimmung. Erst in den frühen Morgenstunden gingen die letzten zu Bett nach einer wieder mal tollen Nacht.

Die Vormittags-Panel habe ich mir dann angesichts eben jener Party gespart und mich bei Bogenschießen und Schlendern über die Märkte entspannt. Außerdem gab es ja wie jedes Jahr sooooo viele gute Kostüme zu bewundern, da kam man aus dem Knipsen gar nicht mehr heraus. Nach dem Mittag ging es dann aber voller Elan in den Schwertkampf- und Stuntworkshop, um sich richtig wach zu kämpfen. So etwas kann ich nur jedem empfehlen. Ist gar nicht so schwer wie es sich anhört und macht ungeheuren Spaß.

Anschließend ein schneller Gang in die Autogrammstunde. Mag man ja von den fehlenden Inklusiv-Autogrammen sonst wenig begeistert sein, aber die Möglichkeit, sich mehrere oder signierte Autogramme vom Lieblingsschauspieler zu besorgen, hat echt Vorteile, zumal es auch diesmal nicht eine einzelne Schlange gab, sondern wie schon auf der FC zu jedem Schauspieler eine eigene. So stand man nicht stundenlang vor dem „falschen“ Star. Gut gelöst.

Nach der wie auch im letzten Jahr von Mark, Lori, Jed und Shane unterhaltsam gestalteten Charity-Auktion, dem wieder mal durch lustige Vorträge und spitzen Kostümen glänzenden Kostümwettbewerb und einem zweiten John Rhys-Davies Panel kam mein persönlicher Höhepunkt der ganzen Con: die Ringstars.

Ihre dritte große Bühnenshow war so was von gigantisch. Spitze. Lustig. Ach, mir gehen da immer die Superlativen aus.


Nur kurz zum Inhalt (wenn man so was Verrücktes überhaupt wiedergeben kann): Faramir und Aragorn (gespielt von Mark und Peter) geraten an eine Wunderlampe. Und nachdem sich Faramir zuerst seinen Bruder Boromir (gespielt von Andreas) und dann ein Musical gewünscht hat (so mit Helden, schönen Frauen, einem tollen Bösewicht und ´nem schönen Happy End), ging die verrückte Reise auch schon los, denn die Lampe samt der Truhe, in der sie war, gehörte Gandalf. Und diese Truhe galt es wieder zu finden. Und wem die drei da alles begegneten: Voldemort, Dracula, Shrek samt Frau und Kater, Jack Sparrow … Verzeihung … Captain Jack Sparrow, Xena, Asterix und Obelix, Harry Potter, ok, es waren noch viiiiiiel mehr. Jede Begegnung wurde -Faramir hatte sich ja ein Musical gewünscht- mit passender Musik begleitet. So stolperten die drei von einem Abenteuer ins nächste. Und wenn ihr bei einer der nächsten Ringcons das Wort „Verteidiger“ hört, dann kreuzt die Arme und brüllt ein lautes „Verteidiger“ zurück, denn so lautete der Schlachtruf der drei, der noch Stunden nach dem fantastischen Ende der Show durchs Maritim hallte. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass es auch die Ringstars waren, die die zweite Mega-Party an diesem Wochenende dann morgens um 5:30 Uhr endlich beendeten. Und sie hätten sicher noch weiter gefeiert, hätte nicht die Bar zu gemacht. Tja, sie hatten ja auch allen Grund zum Feiern.
Anmerkung: Ich werde sicher eine der ersten sein, die sich ne DVD von diesem Auftritt kauft und dann mit einem lauten „Verteidiger“ aus meinem heimischen Wohnzimmer die Nachbarn verschreckt.

Oh, oh, der Sonntagmorgen kam mal wieder viel zu schnell. Und würde man nicht fürs Frühstück irgendwann mal das Bett verlassen müssen, wäre ich an dem Tag sicher lieber länger liegen geblieben. So ging´s wieder ins Getümmel. Leider musste ich den zweiten Stuntworkshop aus gesundheitlichen Gründen schon nach 10min. abbrechen. Tja, ne kleine Erkältung hatte sich leider extrem verstärkt. So was Blödes!

Also ging’s dann um 13:00 Uhr zum Harry Potter-Panel. Chris, Jamie und Stanislav bescherten uns ein sehr unterhaltsames Panel mit viel Wissenswertem von ihren Erfahrungen bei den Dreharbeiten. So erzählte Stan, dass sie alle fast 2 Wochen allein für die Ballszenen und den geforderten Walzer hatten üben müssen. Chris verriet, dass Mark Williams, der Darsteller des Arthur Weasley, bei jedem neuen Take bei der Frühstücksszene im Haus der Weasleys den Text leicht veränderte, sodass die Kollegen oft nie wussten, was als nächstes kommt. Weiter erzählte er, dass er gerne einen Hobbit im „Kleinen Hobbit“ spielen würde, weil er so mal wieder in seinem Heimatland spielen könnte. (denn: Chris ist Neuseeländer!) In Harry Potter dagegen hätte er am liebsten Tom Riddig gespielt, denn der war böse und trotzdem irgendwie charmant. Stan hätte sich Snape als Rolle ausgesucht, weil er einfach ein großartiger Charakter sei. Oder aber er hätte gerne mehr von seinem eigenen Charakter im siebten Film. Und Jamie? Der überlegte kurz und meinte, er würde dann wahrscheinlich am liebsten Dobby spielen.
Alle drei erzählten uns, dass sie Joanne K. Rowling persönlich getroffen haben. Und alle drei stimmten darin überein, dass sie eine hart arbeitende, intelligente und normale Frau sei. Was mich dazu bringt, darüber nachzudenken, ob es nicht toll wäre, diese Frau auf einer der nächsten Cons zu treffen. Schließlich ist sie ja jetzt nicht mehr ganz so beschäftigt nach der Fertigstellung des siebten Buches.
Nette persönliche Anekdote: Chris hustete etwas und bekam von einem Fan Halsbonbons. Dann ging ich ans Mikro, um eine Frage zu stellen (keine besondere: ich fragte nach ihrem Musikgeschmack. Stan hört fast alles, abhängig von der Stimmung. Jamie liebt Rammstein und Scooter. Chris hört u.a. gerne klassische Musik, weil er selbst jahreslang Geige gespielt hat. Auch würde er in einer Band singen.). Nur leider (ihr erinnert euch: ich hatte ne dicke Erkältung und singen auf der Party und „Verteidiger“ brüllen ist auch nicht grad gut für die Stimme) kam am Mikro dann kaum ein Ton raus. Und Chris? Er sprang plötzlich von der Bühne, rannte zu mir ans Mikro und gab mir eins der Bonbons ab. Ja, ich weiß, viele Leser wissen jetzt, wer hier schreibt. Und denen kann ich sagen: das Bonbon hat geholfen *grins*, wenn auch nur kurz. Chris „Geständnis“, dass er singen könne, veranlasste mich natürlich sofort zu der Bitte: „Sing for us.“ Er ließ sich zu unserem Glück überreden und nach kurzer Überlegung sang er (mit unser tatkräftigen Unterstützung, da bleibt schließlich kein Musikfan leise) mit richtig guter Stimme „We will rock you.“ Geil!

Nach den drei hübschen Jungs und einer Pause meinerseits (hier vertrieben dann Brad Dourif und danach Lee Arenberg die Zeit im Hauptsaal) gab’s einen geballten Angriff auf die Lachmuskeln mit Mark, Lori, Jed und Shane. Die Spiele der vier, die uns Improvisationstheater vom feinsten lieferten, sind kaum zu beschreiben.

Ich versuch’s trotzdem ein bisschen. Ihr kennt vielleicht ihr Stuntdouble-Spiel? Mark und Lori spielten eine Szene und wenn es gefährlich wurde, kam der Ruf nach ihren Stuntdoubles Jed und Shane. Die Szene? Mark verkörperte Harry Potter und Lori spielte Ron (auch hier mit herrlichen Liebesanspielungen zwischen den beiden Teenagern. Zum Brüllen). Und beide spielten Quidditch. Könnt ihr euch ausmalen, was Jed und Shane auf der Bühne veranstalteten als es ans Fliegen ging? Wenn nicht, müsst ihr wohl oder übel die Con-DVD kaufen, denn DAS lässt sich wirklich nicht beschreiben, so schräg und irre war das.
Dann spielten die vier ein Theaterstück, in dem sie vorher von Fans aufgeschrieben Sätze spontan einbringen mussten, ohne den Satz vorher zu kennen. So was von verrückt! Mark und Lori stritten sich um ein Stück Kuchen, Shane spielte erst einen Hund und dann das Baby von Jed, das er live auf der Bühne bekam (Marks Kommentar dazu: „Jed, deine Kinder und deine Frau werden das auf DVD sehen. Das hast du wohl vergessen, oder?). Nicht mitgekommen? Macht euch keine Sorgen. Das hatte ich auch nicht erwartet. Tja, Stand-up-Comedy ist eben unbeschreiblich komisch.

Das Unvermeidliche kam dann unaufhaltsam auf uns zu: die Closing.


Die Vorstellung der Workshops war auch in diesem Jahr wieder für alle interessant, die sich immer noch nicht getraut hatten, ein Schwert in die Hand zu nehmen oder sich nach Strich und Faden zu prügeln. Allerdings war es für den ein oder anderen möglicherweise etwas abschreckend als ein Schlag zwar wie geplant nicht den Kopf traf, allerdings die Brille der Gegnerin, sodass das gute Nasenfahrrad in hohem Bogen durch den Saal flog und erst ca. in der 5ten Reihe von einem geistesgegenwärtigen Zuschauer aufgefangen werden konnte. Ok, Verluste gibt´s immer wieder. Sie hat´s aber überlebt … also so Gegnerin UND ihre Brille. Ein schöner Trailer über die Arbeit von WETA wurde gezeigt. Dann hatte der Elb aus Ost-Lorien (ihr erinnert euch an die Comedy im letzten Jahr? Elb in Jogginghose und Sweater. Köstlich!) seinen Auftritt. Ok, eigentlich ist es eine sie. Und sie hatte von der Ringcon geträumt. „Ein Alptraum! Da waren riesen Hobbits und dicke Elbenfrauen. Und so ´nen Typ namens Sparrow war da. Und der wollte immer, dass ich Captain zu ihm sag, dabei kannte ich den gar nicht. Aber das allerschlimmste an dem Traum war: mir hat´s da sogar gefallen.“ Es war zum Brüllen komisch. Der Elbenchor unterhielt uns danach mit drei schönen Liedern, u.a. dem Trinksong der Hobbits und dann gab´s noch musikalische Einlagen von Jed („I`m to blame“, richtig super gesungen. Respekt!) und Chris („I`m a believer“) Tja, „Percy“ war wohl auf den Geschmack am Singen auf ´ner Con gekommen. Danke dafür.

Doch nichts konnte die Verabschiedung aufhalten. Und so betraten alle noch anwesenden Gäste zusammen die Bühne, ein letztes Mal an diesem Wochenende stürmisch gefeiert von einem jubelnden Saal.
Dann war alles wieder einmal viel zu schnell vorbei. Die Gäste verließen die Bühne durch Bilbos große Haustür und -eine wunderbare symbolische Geste- die Tür, die drei Tage lang offen stand und den Eingang zur Bühne bildete, schloss sich hinter ihnen.

Der Saal leerte sich, Abschiedsszenen hier, Verabredungen für ein letztes gemeinsames Essen und die Party da. Diesmal hieß es für mich: ab nach hause. Und so ließ ich das Maritim wehmütig hinter mir.
Doch ihr kennt ja meinen Leitspruch: Nach der Con ist vor der Con. Wir seh´n uns wieder.

 
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