Vom ersten Augenblick


eine Geschichte um Legolas aus „Lord of the rings“


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Achtung: Diese Geschichte ist nicht für Kinder oder Jugendliche unter 18 geeignet. Wem die verbale Beschreibung von Sex nicht zusagt, sollte ebenfalls hier aufhören zu lesen und sich nen Konsalik schnappen.

Inhalt: Herr-der-Ringe-fanfiction! (meine erste!) "Vom ersten Augenblick" spielt nach dem großen Ringkrieg und der Vernichtung des einen Ringes. Der Elb Legolas macht auf einem seiner Jagdzüge eine unerwartete Begegnung.

Disclaimer: Neoryn ist meiner Fantasie entsprungen und gehört nur mir (ok, und Legolas)! Also Finger weg! Alle anderen Charaktere gehören auf immer und ewig J.R.R. Tolkien *tiefe Verneigung vor dem Meister* Ich hab sie mir nur geliehen und geb sie zurück, nachdem ich ihnen ein bisschen Vergnügen gegönnt habe *gg*

Ich mache keinen Profit mit dieser Geschichte.

Und jetzt: Viel Vergnügen. Und es gilt wie immer: Feedback is welcome!




1

Die Sonne, die den ganzen Tag nur selten hinter den dunklen Gewitterwolken zu sehen gewesen war, näherte sich im Westen schon dem Horizont, als Legolas an den Ufern eines Sees Halt machte, um seinen Wasserschlauch zu füllen und sich eine kurze Rast zu gönnen.

Der Elb war nun schon seit Wochen in den Wäldern Ithiliens unterwegs. Manchmal begleitet von Gimli oder Faramir und seinen Soldaten, meist aber allein zog es ihn immer wieder hinaus aus den Mauern von Minas Tirith. Er war auf der Jagd.

Auf der Jagd nach Orks.

Der Ring der Macht war zerstört, Sauron vernichtet, doch immer noch traf man hier und anderswo auf verstreute Gruppen dieser Bestien, die die großen Schlachten überlebt hatten und jetzt, ohne Führer, in den Wäldern ihr Unwesen trieben, nicht minder gefährlich als in den Tagen des dunklen Herrschers.

 

Legolas beobachtete aufmerksam seine Umgebung. Das Rauschen eines Wasserfalls, der ein Stück von ihm entfernt über eine Klippe hinweg zu ihm herunter schoss und diesen See im Laufe der Zeitalter geformt hatte, übertönte die Geräusche der Natur um ihn herum. Dies war kein Ort, um lange zu verweilen. Selbst für seine scharfen Elbenohren bestand hier die Gefahr, das Herannahen eines Feindes nicht rechtzeitig wahrzunehmen.

 

Ungewollt begannen die Gedanken des Elben zu wandern. Eigentlich hatte er sich nach den Krönungs- und Hochzeitsfeierlichkeiten auf den Heimweg machen wollen, zurück in die Wälder Düsterwalds, aber die Übergriffe der Orks hatten ihn dazu veranlasst zu bleiben, um dem neuen König beizustehen, sein Reich endgültig von den Dienern des Feindes zu befreien. Auch verspürte er keinen allzu großen Drang, Gondor zu verlassen. Das Band der Freundschaft, das ihn mit Aragorn und den anderen verband, war stark, auch wenn der König jetzt kaum Zeit fand, mit ihm durch die Wälder zu streifen. Seine neuen Aufgaben als Herrscher Gondor nahmen den größten Teil seiner Zeit in Anspruch. Und das Wenige an Zeit, was er übrig hatte, verbrachte er am liebsten mit Arwen.

Legolas verspürte eine leichte Bitterkeit. Der Waldläufer hatte sein Glück gefunden, während er selbst...

 

Irgendetwas in seiner Umgebung riss Legolas abrupt aus seinen dunklen Gedanken. Und sogleich verfluchte er seine Unachtsamkeit. Er durfte sich nicht dazu hinreißen lassen, durch solch Grübeleien seine Aufmerksamkeit fallen zu lassen. Das konnte hier draußen allein tödlich sein.

Angestrengt sah er sich um, doch nirgends entdeckte er den Grund für das Gefühl der Gefahr, das sich seiner bemächtigt hatte. Dann horchte er genauer auf seine Umgebung.

Da! Es war eine Veränderung in den Geräuschen, die ihn umgaben. Das sonst so gleichmäßige Rauschen des Wasserfalls hatte sich verändert. Irgendetwas musste oben auf der Klippe den Strom des Wassers behindern. Angespannt starrte er zur Felskante empor als die Fluten plötzlich einen menschlichen Körper mit in die Tiefe rissen.

 

Seine Elbenaugen erkannten sofort, dass dort ein Krieger Rohans im Strom versank. Ohne zu zögern sprang der Elb in die Fluten, tauchte unter und versuchte, den Rohirrim zurück an die Wasseroberfläche zu bringen. Im wirbelnden Strudel umklammerte er den leblosen Körper, aber selbst für einen so ausgezeichneten Schwimmer wie Legolas bedurfte es eine erhebliche Anstrengung, einen Mann mit voller Rüstung und Helm aus einem tosenden Wasserfall zu befreien. Immer wieder wurden sie in die Tiefe gerissen. Erst nach etlichen Kräfteraubenden Versuchen gelang es ihm, den stürzenden Fluten zu entkommen und mit seiner kostbaren Fracht ins seichtere Wasser zu gelangen.

Legolas wartete kurz bis er wieder ganz zu Atem gekommen war, dann zerrte er den Krieger die Uferböschung hinauf und kniete sich neben ihn ins Gras.

Der Rohirrim gab keine Lebenszeichen von sich. Keine einzige Bewegung, keine erkennbaren Atemzüge.  War er zu spät gekommen, um ihn dem Tod zu entreißen? Was war ihm passiert?

Legolas begann den Körper zu untersuchen und bemerkte schnell das Blut, das aus einer Wunde in der linken Seite des Kriegers durch seine Rüstung sickerte. Rüstung, Tunika und Fleisch waren durch einen rauen Schnitt geradezu aufgerissen worden.

Eine Verletzung durch ein Orkschwert!

Grimmige Wut packte ihn. Hatten diese Bestien nicht schon genug Rohirrim getötet? Er fragte sich besorgt, ob er diesen hier vor dem gleichen Schicksal bewahren konnte?

Legolas hob den Oberkörper des Kriegers vorsichtig an, um mit geschickten Händen die Kinn-Schnalle zu lösen und ihm den Helm abzustreifen

…und blickte plötzlich in das schönste Gesicht, das ihm jemals gewahr wurde. Der Krieger war eine Frau!

 

2

Legolas starrte sie wie gebannt an. Ihre langen Wimpern ruhten sanft auf ihren Wangen, ihr schmales zartes Gesicht war umrandet von langen, goldenen Haaren und ihre Lippen, …der Schwung ihrer Lippen war das verführerischste, was er jemals gesehen hatte.

Er vergaß alles um sich herum, vergaß die Orks, vergaß die Gefahr, in der sie schwebten, wenn sie sich weiter hier aufhalten würden. Er wollte nur noch in diesem Antlitz versinken.

Doch dann meldete sich warnend sein Verstand, und er riss sich zusammen. Er würde sie nicht retten, indem er sie nur anstarrte, ermahnte er sich.

Vorsichtig legte er seine Finger an ihren Hals, um ihren Puls zu erspüren.

Den Valar sei dank! Sie lebte!

Ihr Puls war zwar schwach, aber deutlich zu fühlen. Eine Flut der Erleichterung überkam ihn, die jedoch schnell der bitteren Erkenntnis wich, dass diese Tatsache allein nicht ihr Überleben sicherte. Ein kaum merkliches Heben und Senken ihres Brustkorbes verriet ihm, dass sie gleichmäßig atmete, sie konnte nicht viel Wasser geschluckt haben, aber ihr Blutverlust war angesichts der Schwere ihrer Wunde sicher sehr hoch. Ihr Gesicht war geradezu totenbleich und außerdem was sie immer noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Hatte sie bereits zuviel Blut verloren? Musste sie trotz seiner Bemühungen sterben?

Doch mitten in seinen dunklen Befürchtungen öffnete sie die Augen.

Legolas verschlug es für einen Augenblick den Atem. Diese Augen! Zwei dunkelblaue Saphire, strahlend wie der Himmel am Anbeginn eines neuen Tages.

Sie sah ihn unsicher und verwirrt an, offenbar bemüht, sich darüber im Klaren zu werden, was mit ihr passiert war.

 

Und was machte er? Er lächelte unbeholfen. Doch sein Lächeln schien sie zu beruhigen. Sie erwiderte es schwach. Das Herz des Elben setzte für einen Schlag aus.

Was für ein Lächeln! Ihm war, als wäre die Sonne durch die dunklen Wolken hindurchgebrochen und hätte die ganze Umgebung mit ihren warmen Strahlen erhellt.

Die Rohirrim versuchte, sich aufzurichten, doch ihre Verletzung machte ihre Bemühungen zu Nichte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht fiel sie zurück in seinen Arm, ein letzter Blick aus ihren Augen, dann verlor sie erneut das Bewusstsein.

Hatte er Angst in ihrem Blick gesehen? Angst vor dem Tod? Vielleicht, aber da war noch etwas anderes. Legolas hatte das Gefühl, ihre Augen hatten ihn angefleht, ihr zu helfen, sie zu retten, sie nicht aufzugeben.

Und das hatte er auf keinen Fall vor.

Er musste sie als erstes schnellstens von hier fortschaffen! Die Orks, die ihr das angetan hatten, konnten sich noch in der Nähe aufhalten, und er hatte keine Ahnung, mit wie vielen Feinden er es zu tun hatte. Schließlich war er jetzt nicht mehr nur für sich alleine verantwortlich.

Die Sonne war in der Zwischenzeit untergegangen. Es dunkelte schnell, und das Unwetter, das sich bereits am Horizont gezeigt hatte, kam immer näher. Der Elbe erinnerte sich an eine kleine Höhle, an der er erst vor kurzem vorbei gekommen war. Sie würde ihnen für die Nacht Schutz bieten. Alles Weitere würde sich dann finden.

Rasch hob er die junge Frau auf und trug sie zu seinem etwas abseits wartenden Hengst. Mit einigen Schwierigkeiten, bemüht, sie nicht unnötig viel zu bewegen, um ihre Wunde nicht noch weiter aufreißen zu lassen, hob er ihre schlanke Gestalt aufs Pferd und sprang hinter ihr in den Sattel. Einem Arm behutsam aber bestimmt um ihren Körper geschlungen lenkte er sein Tier zurück in die Richtung, aus der er erst vor wenigen Minuten gekommen war.

 

Erste Blitze zuckten schon über den Himmel und der Wind frischte merklich auf. Legolas ließ ihren Körper gegen den seinen lehnen, um ihr den nötigen Halt zu geben, als er seinen Hengst zur Eile trieb. Ihr Kopf ruhte an seiner Schulter, und ihr langes, blondes Haar umspielte sanft sein Gesicht. So nah bei ihr konnte er intensiv den Duft ihrer Haut wahrnehmen, spürte ihr Gesicht an seiner Wange und fühlte durch ihre nassen Kleider hindurch nur zu deutlich jede noch so kleinste Bewegung ihres Körpers.

Und jede dieser Bewegungen, jede noch so leise Berührung ihrer Haut verursachte in ihm einen Schauer der Erregung. Legolas ertappte sich dabei, wie er sich immer enger an sie schmiegte, wie er sein Gesicht in ihren Haaren vergrub, um noch mehr von ihrem betörenden Duft einzuatmen

…und verwünschte sich sogleich dafür.

Was war nur in ihn gefahren? Er erkannte sich selbst nicht wieder. Schließlich war sie doch bloß irgendeine Menschenfrau aus Rohan, die er zufällig vor dem Ertrinken gerettet hatte und die ihm völlig fremd war. Was brachte ihn so aus der Ruhe?

Legolas versuchte, sich wieder auf die Umgebung zu konzentrieren, und er war sich nicht sicher, ob er erleichtert war oder es bedauerte, sie aus seinem Arm geben zu müssen, als sie endlich die Höhle erreichten.

Rasch bereitete er ihr im hinteren Teil der Höhle ein Lager und ging dann noch mal hinaus, um vor dem ersten Regen trockenes Brennholz zu finden. Sie konnten sich kein rauchendes Feuer erlauben, denn das würde möglicherweise ihren Aufenthaltsort den Orks preisgeben, falls diese sich noch irgendwo in der Gegend aufhielten. Aber Feuer brauchten sie. Sie waren beide immer noch völlig durchnässt, und diese Nässe und ihr hoher Blutverlust hatten dazu beigetragen, dass die Rohirrim völlig unterkühlt war. Wenn ihre Verletzung sie nicht noch tötete, so könnte ihr doch diese Unterkühlung zum Verhängnis werden.

Legolas kehrte so schnell es ihm möglich war aus dem jetzt dunklen Wald zurück. Keine Minute zu früh, dann brach das Unwetter los. Der Himmel öffnete seine Schleusen, und der Regen ergoss sich über die Wälder als wolle er alles Leben darin ertränken.

Gut. Das würde ihre Spuren verwischen und auch eine mögliche Rauchentwicklung unauffindbar machen. Dem Feuer stand somit nichts mehr im Wege.

Schon nach kurzer Zeit erwärmten die Flammen das Innere der hinteren Höhle. Nur jemand, der unmittelbar am Eingang der Höhle stand, hätte den Lichtschein bemerken können, dennoch legte der Elb seine Waffen griffbereit neben sich. Dann entledigte sich Legolas seiner nassen Oberkleider und breitete sie an den Höhlenwänden zum Trocknen aus.

Und nun? Die Bereitung von Lager und Feuer hatten für kurze Zeit seine Gedanken von der Frau neben ihm abgelenkt, doch jetzt kam ihm das nur wie eine Flucht vor dem Unvermeidlichen vor. Eine Flucht vor seiner eigenen Reaktion auf ihre Nähe. Unsicher kniete er sich vor ihr Lager.

Sie hatte das Bewusstsein noch nicht wiedererlangt. Ihm war klar, er musste ihre Kleidung ebenfalls trocknen und die Wunde versorgen. Langsam beugte er sich zu ihr herab und befreite sie erst von Stiefeln, Ledermanschetten und ihrer leerer Schwertscheide. Dann öffnete er etwas unbeholfen die Verschlüsse ihrer Lederrüstung.

Reiß dich zusammen! ermahnte er sich. Es war schließlich nicht die erste Rüstung, die er öffnete, und sie war sicher auch nicht die erste Frau, die er entkleidete.

Es war nicht einfach, ihr das schwere Kettenhemd auszuziehen. Schließlich streifte er ihr ihre dunkelgrüne Tunika vom Körper. Jetzt trug sie nur noch ein braunes Beinkleid und ein leinenes Unterkleid, welches in seinem nassen Zustand ihren Körper kaum verhüllte. Im flackernden Licht des Feuers konnte der Elb nur allzu deutlich ihre schmalen Schultern erkennen, ihre schlanken Hüften, ihre wohlgeformten Brüste…

Reiß dich zusammen!

Legolas erhob sich abrupt und atmete tief durch, um seine Gedanken zu beruhigen. Draußen tobte der Sturm, Blitze zuckten über den nächtlichen Himmel. Das alles war nichts im Vergleich zu dem Sturm, der in seinem Innersten tobte.

Was wollte er jetzt? Ja, natürlich, Verbandsmaterial.

Sein Hengst hatte im vorderen Bereich der Höhle Schutz gesucht, und aus seinen Satteltaschen holte der Elb jetzt saubere Tücher. Dann kehrte er zurück und kniete sich erneut neben ihr Lager. Behutsam schob er ihr Unterkleid langsam höher, um die Wunde in ihrer Seite freizulegen. Der Stich war tief, das Schwert war ihr unter den Rippenbogen ins Fleisch gedrungen, schien aber zum Glück keine lebenswichtigen Organe getroffen zuhaben. Das größte Problem waren nach wie vor der hohe Blutverlust und eine mögliche Infektion der Wunde.

Legolas reinigte zuerst behutsam die Verletzung. Seine Bemühungen, sich nur darauf zu konzentrieren und seine Blicke nicht auch über ihre nackte Haut streifen zu lassen, scheiterten kläglich.

Um sie zu verbinden, musste er sie Wohl oder Übel aufsetzen. Diese Bewegung würde ihr unweigerlich Schmerzen bereiten, und er war in diesem Moment froh, dass sie das Bewusstsein noch nicht wieder erlangt hatte. Ganz langsam richtete er ihren Oberkörper auf und legte die Stoffbahnen so fest er es verantworten konnte an, um die Blutung zum Stillstand zu bringen.

Doch ihren Körper wieder in seinen Armen zu spüren, war berauschend. Seine nur mühsam aufrecht erhaltene Beherrschung brach vollends zusammen. Bei jeder Berührung ihrer nackten Haut durchlief ihn ein Schauer der Erregung. Und als er sie wieder auf das Lager betten wollte, kam ihr Gesicht dem seinen gefährlich nah.

Eine Flut von ungeahnten Emotionen brach über den Elben herein. Er verspürte plötzlich den übermächtigen Wunsch, seine Lippen auf die ihren zu pressen, sie mit einem stürmischen Kuss ins Leben zurückzuholen, ihren Mund mit seiner Zunge zu erkunden, ihr seine ganze Leidenschaft zu zeigen und jede Faser ihres Körpers zum Beben zu bringen. Langsam näherten sich seine Lippen den ihren. Seine Hand vergrub sich begierig in ihrem langen, goldenen Haar. Er nahm wieder ihren herrlichen Duft wahr, konnte ihren Körper auf seiner nackten Haut spüren. Sein Atem ging schwer und in seinem Blick spiegelte sich unverhüllte, brennende Leidenschaft.

In diesem Moment gelangte die Rohirrim wieder zu Bewusstsein.


3

Mit weit aufgerissenen Augen sah sie ihn an.

Was tat er hier gerade? Was war nur in ihn gefahren?

Ihr Blick riss ihn jäh in die Wirklichkeit zurück und ließ ihn erstarren. Er hielt sie immer noch fest im Arm, mit entblößtem Oberkörper, seine Lippen nur einen Hauch von den ihren entfernt, kaum fähig, seine Erregung zu verbergen.

Mit aller Kraft, die sie in ihrem Zustand aufbringen konnte, stieß sie ihn von sich. Legolas gab sie sofort frei und wich zurück, voller Entsetzen über sein eigenes Verhalten. Ein Blick in ihre Augen sagte alles: Abscheu, Wut und blanker Hass glaubte er darin zu lesen. Ein brennendes Schamgefühl machte sich in ihm breit.

Was hatte er sich dabei gedacht? Er, der Prinz der Waldelben, hatte sich fast von dieser Frau etwas stehlen wollen, dass niemals erzwungen werden durfte, dass sie ihm nur freiwillig geben sollte. Nie würde sie ihm das verzeihen!

Der Schmerz dieser Erkenntnis brannte wie Feuer. Ohne ihr noch einmal in die Augen blicken zu können, sprang er auf, noch völlig trunken von den Gefühlen, die ihn gerade überrannt hatten, griff wie in Trance zu seiner Decke, hüllte sich schnell darin ein, setzte sich an den Höhleneingang und starrte in den Sturm. Er glaubte ihre Blicke in seinem Rücken spüren zu können wie Messer, die schmerzhaft in sein Fleisch eindrangen.

Was sollte er jetzt tun? Er konnte sie jetzt nicht alleine lassen. Sie war zu schwach, er war für sie verantwortlich, zumindest für diese Nacht.

Und er wollte nicht gehen!

Er musste sich bitter eingestehen, dass ihre Reaktion sein Verlangen nicht hatte schmälern können. Was für ein Narr er war! Was für ein verfluchter Narr! Er hatte gerade wahrscheinlich den größten Fehler seines Lebens begangen.

 

Eine ganze Weile verharrte der Elb am Eingang ihrer Zufluchtsstätte, versunken in Selbstvorwürfen. Erst als das Feuer zu erlöschen drohte, wagte er es, sich wieder dem Höhleninneren zuzuwenden...und ihre Blicke trafen sich.

Nur für einen Bruchteil einer Sekunde sahen sie sich an, dann drehte sie sich weg und starrte ins Feuer. Doch dieser kurze Moment ließ einen Funken Hoffnung in Legolas aufkeimen. In ihren Augen hatte er keinen Hass finden können, keine Verachtung. Aber was dann? War es Neugier? Oder vielleicht mehr?

Zögernd stand er auf und näherte sich dem Feuer, um noch ein paar Holzscheite nachzulegen, dann nahm seinen ganzen Mut zusammen (warum brauchte er davon so viel?) und wendete sich ihr zu.

„Mein Name ist Legolas.“ Kam es ihm nur so vor oder zitterte seine Stimme? Er hoffte inständig, dass sie es nicht bemerkte.

Sie blickte zu ihm auf, und ihr Gesicht schien zu verraten, dass sie seinen Namen schon gehört haben musste.

„Neoryn“ Mehr sagte sie nicht. Aber es war ein Anfang!

„Was ist passiert?“ Legolas wollte diese Chance nutzen. Vielleicht hatte er ja doch noch nicht alles verdorben.

Doch ihre knappe Antwort entmutigte ihn: „Orks“ Damit wendete sie sich wieder von ihm ab und schloss ihre Augen.

 

Die ganze Nacht wachte Legolas am Feuer und in ihrer Nähe. Doch erst als ihr ruhiger Atem verriet, dass sie fest eingeschlafen war, wagte er es, sie wieder anzuschauen. Ihre Gesichtszüge waren völlig entspannt, wenn auch immer noch sehr bleich. Das Gold ihrer Haare bedeckte ihre Schulter, ihre weichen Lippen waren leicht geöffnet. Und sein Blick wurde von diesen Lippen geradezu angezogen. Und so sehr er sich auch verfluchte, sich selbst konnte er nicht belügen. Nichts wünschte er sich sehnlicher als diese Lippen zu kosten. Doch das würde sie nie zulassen. Und auch die Blicke, die er ihr heimlich, im Schutze ihres Schlafes zuwarf, würde sie missbilligen. Schmerzlich wurde ihm bewusst, dass es vielleicht das letzte Mal war, dass er sie so sehen durfte.

 

Was wusste er überhaupt von dieser Frau? Ihren Namen.

Neoryn.

Warum war er nicht schon vorher darauf gekommen?

‚Weil du mit deinen Gedanken mit anderen Dingen als ihrem Namen beschäftig warst!’ tadelte ihn seine innere Stimme.

Doch jetzt dämmerte ihm, wen er dort vor sich im Licht des Feuers schlafen sah. Eowyn, die Schildmaid Rohans, hatte diesen Namen einmal erwähnt, und wenn es sich nicht um eine zufällige Namensgleichheit handelte -und davon ging der Elb nicht aus, nachdem, was Eowyn über sie erzählt hatte- war Neoryn eine entfernte Verwandte von ihr. Eine junge Frau und gute Freundin, die sie bewundert hatte, denn sie hatte genau das getan, was Eowyn sich selbst so sehr gewünscht hatte. Neoryn war mit den Rohirrim ausgezogen -gegen den Widerstand ihres Vaters, der immer der Meinung gewesen war, dass Schlachten nur von Männern ausgefochten werden sollten- hatte Mut und Geschicklichkeit im Kampf bewiesen und sich noch nie in einen Käfig einsperren lassen so wie Eowyn selbst es jahrelang zugelassen hatte. In Legolas Blick mischten sich Neugier und Bewunderung.



4

Und als der Morgen graute, hatte Legolas nicht eine Minute seinen Blick von ihr gewandt.

Das Feuer war nun fast erloschen, doch es hatte ausgereicht, um ihre Kleider in der Nacht zu trocknen. Der Elb kleidete sich rasch an und trat nachdenklich vor die Höhle. Der Regen hatte aufgehört, aber der Wind fegte noch immer Sturmwolken über den dunklen Himmel. Die ganze Nacht hatten sich keine Feinde blicken lassen, und auch jetzt war kein Zeichen ihrer Anwesenheit zu bemerken. Dennoch war sich Legolas sicher, dass sie sich hier irgendwo in der Nähe herumtrieben.

Aber darauf konnte er keine Rücksicht nehmen. Es war ihm klar, dass sie trotzdem nach Minas Tirith gelangen mussten, denn Neoryns Verwundung brauchte bessere Arznei als nur den Verband. Die Kräuter, die ihr geholfen hätten, waren in diesem Teil von Gondor nicht zu finden. Außerdem: Die Hände eines Königs sind die Hände eines Heilers. Aragorn würde ihr besser helfen können.

Ein leises Geräusch hinter ihm verriet Legolas, dass Neoryn in diesem Moment erwachte. Er lauschte ihren Bewegungen, hörte, wie auch sie begann sich anzukleiden, vernahm aber auch ihr leises Keuchen. Die Wunde musste ihr starke Schmerzen bereiten.

Der Elb wagte es nicht, sich umzudrehen. Sie war mit Sicherheit nicht bereit, sich von ihm helfen zu lassen, und er wollte die Situation nicht noch schlimmer machen als sie ohnehin schon war.

Außerdem, so musste er sich eingestehen, hatte er Angst davor, ihr in die Augen zu blicken. Die Schuldgefühle lagen wie eine schwere Last auf seiner Seele.

Erst als sie neben ihm stand, wendete er sich ihr zögernd zu ...und erschrak. Ihr Zustand war viel schlimmer als er befürchtet hatte. Sie schien sich nur mit großen Schwierigkeiten auf den Beinen halten zu können. Schweißperlen der Anstrengung standen auf ihrer Stirn, und sie biss die Zähne zusammen vor Schmerz.

„Wir sollten aufbrechen, Frau Neoryn. Ihr werdet reiten.“ Er selbst würde laufen.

Nur ein stummes Nicken war ihre Antwort.

Legolas war erleichtert. Insgeheim hatte er ihren Protest erwartet. Sie war eine stolze Frau, eine Kriegerin, die ihre Unabhängigkeit liebte und nicht gern auf die Hilfe anderer angewiesen war. Soweit glaubte er sie zu kennen. Aber offensichtlich war sie auch in der Lage, diesen Stolz beiseite zu schieben, wenn es die Lage erforderte. Beeindruckend!

Und jetzt erforderte es die Lage, dass sie sich von ihm in den Sattel helfen lassen musste.

So vorsichtig der Elb auch versuchte zu sein, ihr scharfes Einatmen verriet, wie groß ihre Schmerzen sein mussten.

Und so kurz wie ihre Berührung auch war, Legolas spürte wie die Wärme ihres Körpers sein Innerstes in Flammen setzte, atmete begierig ihren ihm schon vertraut anmutenden Duft ein, und nur zögernd ließ er sie los. Dann wandte er sich schnell von ihr ab und sammelte ihre restlichen Habseligkeiten zusammen. Sie sollte nicht in seinen Augen lesen, wie sehr...

 

Eine Stunde nach Sonnenaufgang setzten sie sich langsam in Bewegung. Legolas machte sich große Sorgen. Sie würden bei diesem Tempo mindestens zwei Tage zur weißen Stadt brauchen ...wenn sie nicht zwischendurch aufgehalten wurden. Und Neoryns Zustand war mehr als besorgniserregend. Sie brauchte schnelle Hilfe.

Aber als Legolas die Geschwindigkeit etwas erhöhte und die Bewegungen des Hengstes stärker wurden, konnte er aus dem Augenwinkel sehen, wie sich Neoryns Gesicht vor Schmerzen verzerrte. Doch sie gab keinen Laut von sich. Sie biss die Zähne zusammen, und nur ihr unregelmäßiger Atem ließ erahnen, was sie ertragen musste.

Legolas Bewunderung für diese Frau stiegt. Wie gern hätte er ihr diese Schmerzen abgenommen. So blieb ihm nichts anderes übrig als seine ganze Aufmerksamkeit den Wäldern zu widmen, die vor ihnen lagen, um sie sicher in die Stadt zu bringen.

Die ersten Stunden verstrichen, ohne dass ein Anzeichen eines Feindes zu entdecken war, doch diese trügerische Ruhe konnte ihn nicht täuschen, seine Aufmerksamkeit ließ keinen Augenblick nach. Seine Elbenaugen versuchten den Wald zu durchdringen, sein Elbenohr nahm jedes noch so leise Rascheln wahr.

So entging ihm auch nicht ein kaum hörbares Geräusch schräg vor ihnen. Das war kein Tier! Dann hinter ihnen!

Erstaunt sah er, dass auch Neoryn etwas bemerkt haben musste, denn ihre Augen suchten aufmerksam die Buschgruppen ab, aus denen die Laute zu ihnen herüberdrangen. Sie besaß ein ausgezeichnetes Gehör, besser als die meisten Menschen, denen er begegnet war.

Da! Jetzt rechts von ihnen.

Die Feinde näherten sich langsam von allen Seiten, kreisten sie ein. Legolas horchte nach allen Richtungen, sie gaben sich immer weniger Mühe, ungehört zu bleiben, waren ihrer Sache offenbar schon sicher.  Er schätze ihre Zahl auf 15, vielleicht 20.

Dann brachen die Orks mit ohrenbetäubendem Gebrüll durchs Unterholz und stürzten Schwerter schwingend auf sie zu. In nur Bruchteilen einer Sekunde war Legolas Bogen schussbereit. Jeder Pfeil traf sein Ziel. Fünf Orks brachen sofort zusammen, doch die anderen kamen rasch näher. In ihrer Wut grölten sie nur noch lauter, fletschen ihre hässlichen Zähne und waren schon bald auf Armeslänge heran. Blitzschnell zog der Elb seine beiden Kurzschwerter, und seine Hiebe fuhren tödlich durch das stinkende Fleisch seiner Feinde. Die Übermacht war fast erdrückend. Von allen Seiten drangen die Bestien nun auf ihn ein. Legolas beschlich das erste Mal in einem Kampf Angst. Nicht Angst um ihn selbst, er hatte schon oft dem Tod gegenübergestanden, aber um die Frau an seiner Seite. Wie sollte er Neoryn beschützen, wenn der Feind zu zahlreich von allen Seiten kam?

Doch er hatte sie unterschätzt. In diesem Moment ließ sie sich vom Pferd gleiten, trat neben ihn und riss sein Langschwert, das er auf seinen Ritten immer zusätzlich bei sich am Sattel hatte, aus der Scheide. Mit der Geschicklichkeit eines erfahrenen Kriegers parierte sie Schlag auf Schlag der mächtigen Orkschwerter.

Sie stellten sich Rücken an Rücken, und keine Bestie hatte nun mehr den Hauch einer Chance. Ihre Hiebe waren tödlich und präzise, und in nur wenigen Minuten war der Boden zu ihren Füßen getränkt mit dem Blut ihrer Feinde. Kein Ork konnte ihnen entkommen.

Das Gemetzel hatte nicht lange angedauert. Die toten Körper der Bestien vor ihnen ausgebreitet, noch schwer atmend vom Kampf, drehten sie sich langsam zueinander, und ihre Blicke trafen sich.

Neoryns Augen glühten. In ihrem Gesicht spiegelte sich die gleiche Kampfeslust nieder, die auch der Elb jedes Mal verspürte, wenn er dem Feind gegenüberstand. Dieses unbändige Lebensgefühl im Angesicht des Todes. Sie hatte das Herz eines Kriegers.

Doch die Anstrengung des Kampfes war zuviel für ihren geschwächten Körper. Das Glühen ihrer Augen erstarb. Ihr Blick wurde plötzlich völlig starr. Ihre Augenlider schienen einen Augenblick zu flattern, dann schlossen sie sich, und Neoryn brach zusammen.



5

Legolas konnte sie gerade noch vor einem Sturz bewahren. Sie sank völlig kraftlos in seine Arme. Voller Entsetzen sah der Elb, dass ihre Wunde weiter aufgerissen sein musste. Das Blut sickerte stark durch Verband und Rüstung. Bei den Valar! Sie würde verbluten!

Dem Elben war klar: Jetzt kam es auf jede Minute an. Er rief nach seinem Hengst, der sich verstört zum Glück nur wenige Schritte vom Kampfgetümmel entfernt hatte. Schnell hob er die junge Frau vorsichtig in den Sattel, sprang selbst hinter sie aufs Pferd und jagte so schnell es dem Tier möglich war Richtung Minas Tirith. Er konnte nur hoffen, dass sie keinen weiteren Orks begegnen würden. Einen weiteren Angriff würde er nicht abwehren können. Nicht ohne sie zu verlieren.

Wie vom Sturm getrieben rasten sie dahin. Legolas hielt ihren Körper fest an seinen gepresst. Wieder atmete er ihren Duft ein, der sich nun allerdings bedrohlich mit dem Geruch ihres Blutes mischte, dass aus ihrer Wunde quoll und warm durch seine Finger rann. Verzweifelt versuchte der Elb, die Wunde mit seiner Hand zu verschließen, während sie durch die Wälder galoppierten.

Dann kam das Unwetter zurück. Der Regen peitschte ihnen ins Gesicht. Donner grollte, Blitze zuckten. Für Legolas war das schlechte Wetter normalerweise kein Problem, aber Neoryn fühlte sich zunehmend kalt an. Der Druck seiner Hand hatte die Blutung nicht stillen können. Wie viel Blut konnte ein Mensch verlieren, bevor er starb?

Ein Anflug von Panik macht sich im Elben breit. Ein Gefühl, das ihm bisher völlig fremd war, doch es nahm unaufhaltsam Besitz von ihm.

Stunde um Stunde ritten sie nun schon durch den Sturm. Der Hengst begann bereits zu straucheln, konnte das Tempo sicher nicht mehr lange halten, da lichteten sich schließlich die Bäume, und Legolas konnte durch die grauen Regenschwaden die Türme der weißen Stadt erblicken. Jetzt lag nur noch die weite Ebene des Pellenors zwischen ihnen und dem Ziel ihres Rittes; die Ebene, die noch vor kurzer Zeit übersät gewesen war mit den toten Körpern der Diener Saurons und denen der tapferen Krieger aus Rohan und Gondor. So viele Männer hatten hier ihr Leben lassen müssen. Und er weigerte sich zu glauben, dass an diesem Tag vielleicht ein weiteres Leben hier zu Ende gehen sollte.

Der Elb war überrascht als er auf der obersten Stadtmauer der Festung Gandalf erspähen konnte. Der Sturm zerrte am Gewandt des Zauberers als wollte er ihn in die Tiefe reißen, doch Mithrandir verharrte unbeirrt, seinen Blick auf den Pellenor gerichtet.

Sie waren erst einige Hundert Schritte näher an die Stadt gekommen, da schien es als hätte der weiße Zauberer sie bemerkt, er drehte sich rasch um und verschwand.

Hatte Gandalf sie etwa erwartet? Was sonst hatte er bei diesem Sturm dort zu suchen? Ganz konnte man wohl nie aus dem Zauberer schlau werden, aber daran verschwendete Legolas jetzt keinen weiteren Gedanken.

Endlich, endlich erreichten sie die Tore der Stadt. Ohne auf die Wachen und die erstaunten Blicke der Menschen zu achten, preschte Legolas durch die Gassen. Höher und immer höher drangen sie in die weiße Stadt bis der Elb seinen zitternden Hengst vor den Häusern der Heilung zum Stehen brachte.

Tatsächlich. Gandalf wartete dort auf ihn, und er hatte bereits Aragorn und Eowyn herbeigerufen. Der Elb sprang aus dem Sattel, ließ den kalten Körper der Rohirrim in seine Arme gleiten und eilte auf seine Freunde zu.

In ihren erschrockenen Gesichtern konnte er lesen wie furchtbar sie aussehen mussten. Völlig durchnässt, ihrer beider Kleidung durchtränkt von ihrem Blut.

Eowyn wurde bleich als sie erkannte, wen Legolas dort auf seinen Armen trug.

„Neoryn!“  Ihre Stimme war nur ein entsetzter Hauch.

„Was ist geschehen?“ Aragorns Gesicht zeigte ernste Besorgnis.

„Sie wurde von Orks überfallen. Ein Schwerthieb hat sie getroffen, und sie hat sehr viel Blut verloren.“

„Und was ist mit dir?“ Aragorns Blicke wanderten von Neoryn zu Legolas und suchten besorgt den Körper seines Freundes nach eventuellen Verletzungen ab.

„Mir fehlt nichts.“

Aragorns Augen verengten sich. Der Elb sah alles andere als gut aus. So hatte er seinen Gefährten noch nicht gesehen. Legolas machte auf ihn einen völlig erschöpften Eindruck. Er schien am Ende seiner Kräfte. Aragorn wechselte mit Gandalf besorgte Blicke. Jetzt aber galt seine Aufmerksamkeit zuerst der Frau in den Armen des Freundes.

 

Eowyn ging rasch voraus, führte die Männer in einen der hinteren Räume und wies den Elben an, Neoryn auf das Lager zu legen. Dann verließ sie kurz das Zimmer, um Wasser, Tücher, die nötigen Kräuter und weitere Utensilien zu holen, die Aragorn benötigen würde.

Legolas stand starr neben dem Lager, machte keine Anstalten den Raum zu verlassen. Aragorn sah Hilfe suchend zu Gandalf, und der weiße Zauberer verstand.

„Kommt, mein Freund.“ Er legte dem Elben beruhigend die Hand auf die Schulter. „Der König und Frau Eowyn werden ihr Bestes tun. Wir zwei sind hier nur im Wege. Und außerdem braucht ihr ebenfalls Ruhe …und ein Bad.“

Nur widerwillig ließ sich Legolas von Gandalf nach draußen führen. Mithrandir hatte Recht. Er konnte nichts mehr tun. Nur warten.

Und hoffen.

Nachdem er in seinen Räumen ein kurzes Bad genommen und frische Kleidung angelegt hatte, entschloss er sich, sich zu den anderen in den Thronsaal zu begeben. Die Ruhe und Einsamkeit in seinem Quartier, die er sonst so schätzte, machte das Warten auf eine Nachricht nur noch unerträglicher.

 

Seit Aragorn König geworden war, war der Thronsaal nicht mehr nur eine kalte, tote Halle. Sie war angefüllt mit Tischen und Bänken, an denen gelacht und gespeiste wurde.

Auch heute Abend hatten sich die Befehlshaben Gondors, die königlichen Berater, Vertreter des Volkes, etliche anwesende Gäste aus verbündeten Reichen und natürlich die übrigen Mitglieder der Gemeinschaft des Ringes im Saal eingefunden, um ein gemeinsames Mahl einzunehmen und sich den Abend mit einem guten Getränk und anregenden Gesprächen zu vertreiben.

Als Legolas eintraf, waren Merry und Pippin bereits dabei, zum Vergnügen der Anwesenden ein Lied nach dem anderen vorzutragen und genossen dabei Unmengen an Bier. Der Elb erblickte auch Sam und Frodo, die etwas abseits Platz genommen hatten und sich am Pfeiffenkraut erfreuten, das Gandalf ihnen mitgebracht hatte, der ihnen schweigsam rauchend dabei Gesellschaft leistete. Gimli saß in Mitten des Trubels seelenruhig am Tisch und verspeiste ein Stück Pökelfleisch nach dem anderen. Er hatte das stille Eintreffen des Elben sofort bemerkt, und ließ ihn keinen Moment aus den Augen als sich dieser zu ihm an den Tisch setzte.

Der Zwerg kannte seinen Freund nur zu gut, um nicht sofort zu spüren, dass dem Elben etwas Sorgen bereitete, große Sorgen sogar. Vor den anderen konnte Legolas das vielleicht verbergen, nicht aber vor ihm. Was -bei den Mauern von Moria- konnte den Elben so aus der Ruhe bringen?

„Schmeckt dir das Essen nicht?“

Legolas zuckte fast zusammen. Gimlis Frage holte ihn für einen kurzen Moment aus seiner Grübelei, und er schaute verwirrt auf seinen Teller. Er hatte noch keinen Bissen zu sich genommen, gab aber auf die leicht spöttisch klingende Frage keine Antwort, sondern starrte nur weiter stumm vor sich hin. Vielleicht hätte er doch in seinen Räumen bleiben sollen, schoss es ihm durch den Kopf. Der Trubel um ihn herum half ihm nicht im Mindesten, sich abzulenken.

Gimli hakte nicht nach. Noch nicht. Er würde schon noch herausfinden, was los war.

 

Für Legolas vergingen die Minuten wie Stunden, die Stunden wie Tage. Allmählich leerte sich die Halle und der Lärm verebbte. Als sich an ihrem Tisch bereits alle zur Ruhe begeben hatten und auch an den Nachbartischen nur noch vereinzelt ein müder Soldat saß, wollte der Zwerg es endlich wissen.

„Na, nun raus mit der Sprache, Junge: Was ist los? Was bedrückt dich?“

Legolas wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Er war dem Zwerg dankbar, dass er mit seiner Frage gewartet hatte bis sie allein waren. Aber wie sollte er erklären, was in ihm vorging, wenn er es selbst nicht begriff?

Das Eintreffen Aragorns ersparte ihm eine Antwort. Legolas sprang auf und wartete nervös auf die Nachricht, die ihm der Waldläufer bringen würde.

Aragorn sah müde und erschöpft aus. Er hatte die vergangenen Stunden um das Leben von Neoryn gekämpft.

„Sie wird überleben.“

Das war alles, was Legolas zu hören brauchte. Eine Flut der Erleichterung durchströmte den Elben. Dann sah er in Aragorns Augen. Der Waldläufer lächelte vielsagend.

„Sie?“ Gimli schien kurz verwirrt, dann aber sah der Elb ein breites Grinsen im Gesicht des Zwerges. „Na, dann ist ja alles klar!“

 

 

 

6

Klar? Legolas war gar nichts klar. Wie sollte er Aragorn und Gimli erklären, welche Schuld er auf sich geladen hatte? Er war völlig durcheinander. Wortlos drehte es sich um und verließ den Thronsaal.

„Verliebt, der Junge!“ hörte er Gimli noch sagen, dann stand er vor den großen Toren der Halle.

Der Sturm blies ihm sofort wieder ins Gesicht, und der kalte Regen drang ihm durch die Kleider, doch von all dem bemerkte Legolas nichts.

Die Erkenntnis traf ihn wie ein Faustschlag. Der Zwerg hatte das ausgesprochen, was er sich selbst nicht einzugestehen wagte.

Liebe! Er, der bisher geglaubt hatte, seine Gefühle stets unter Kontrolle zu haben. Er, der nie einen anderen Elben oder Menschen nah genug an sich herankommen gelassen hatte, um sein Innerstes preiszugeben. Er, der nie mehr als Freundschaft gegeben hatte, wenn auch tiefe und aufrichtige Freundschaft. Er liebte Neoryn. Er begehrte sie wie nie zuvor eine andere.

Dieses Wissen um die wahre Natur seiner Gefühle verschlimmerte seine innere Aufruhr nur noch mehr. Nie könnte er sich ihr offenbaren, nicht, nachdem, was er ihr in der Höhle angetan hatte, denn sie würde seine Gefühle niemals erwidern. Und eine Zurückweisung war mehr als er ertragen könnte.

Doch schlimmer noch als seine Liebe im Verborgenen zu halten war der Gedanke, dass er Neoryn um ein Haar ganz verloren hätte. Die Erinnerung an die vergangenen Ereignisse schnürte ihm die Kehle zu.

Er musste sie sehen. Sofort!

 

So leise wie es nur Elben möglich ist, schlich er zu den Häusern der Heilung. Doch die Straßen waren menschenleer. Der Sturm hatte selbst die Nachtschwärmer in ihre Häuser getrieben. So gelangte er unbemerkt in ihren Raum.

Nur eine einzelne Kerze beleuchtete den Raum. Da lag sie, ihr bleiches Gesicht hob sich kaum vom Weiß der Laken ab, aber sie lebte! Sie sah so verletzlich aus, und doch so wunderschön. Legolas sah sich nicht in der Lage, sich ihrem Anblick zu entziehen. Er wollte es auch gar nicht. Im Schutze der Dunkelheit lauschte der Elb jedem ihrer Atemzüge, die jetzt wieder ruhig und gleichmäßig waren, horchte auf jeden Laut, den sie von sich gab, wenn eine leichte Bewegung ihr Schmerzen bereitete oder sie in einem Traum gefangen unruhig wurde. Er stand da, unbeweglich, versunken in Gedanken, und schaute sie einfach nur an.

 

Wie lange er dort verharrte, war ihm nicht bewusst, es war ihm auch egal, erst die ersten Geräusche machten ihm klar, dass bereits der Morgen anbrach. Zeit, sich davon zu machen. So unauffällig wie er gekommen war, verschwand der Elb auch wieder. Niemand sollte erfahren...

 

In den nächsten Tagen unternahm Legolas nur Ausritte in die nähere Umgebung, sodass er jeden Abend in die Mauern der Stadt zurückkehrte. Aragorn und Gimli warfen sich gelegentlich wissende Blicke zu, doch allen Anderen schien die Veränderung seines Verhaltens nicht weiter aufzufallen.

Der Elb war eigentlich nie gerne lang in einer größeren Stadt. Er vermisste schnell den Anblick der Wälder, das Rauschen der Flüsse und den Geruch der Wiesen, aber nur auf diesem Wege konnte er Nacht für Nacht an ihrem Lager wachen. Und es gab für ihn im Moment nichts Wichtigeres als ihre Genesung. Und ihr Anblick. Ihre Nähe. Ihr Atem. Ihr Duft.

Als Legolas aber am sechsten Tag vor dem Morgengrauen leise ihren Raum verließ und sich auf den Weg zu seinem Quartier machte, wurde er bereits von Aragorn erwartet. Ernst sah der Waldläufer dem Gefährten in die Augen.

„Du musst es ihr sagen, Legolas.“

Aragorn machte sich nicht die Mühe zu erklären, was er meinte. Doch das war auch nicht notwendig. Dem Elb war auch so klar, dass sein Freund wusste, was er für Neoryn empfand, zumindest ahnte er genug. Doch da war so viel mehr. So viel Schmerz. So viele Fragen.

„Das ist nicht so einfach“ Legolas Stimme klar verbittert.

„Doch! Es ist ganz einfach. Es geht ihr von Tag zu Tag besser. Bald wird sie die Häuser der Heilung verlassen können. Du kannst dich also nicht ewig verstecken. Und du solltest es auch nicht. Offenbare ihr deine Gefühle, und du wirst endlich erfahren, was in ihrem Herzen vor sich geht. Dann hast du Gewissheit.“

„Ich kann nicht, ich habe...“ Legolas Stimme versagte. Doch Aragorn war der einzige, dem er seine Schuld eingestehen würde. „...ich habe bereits einmal ihre Gefühle verletzt. Ich habe das Recht verloren, in ihr Herz zu sehen.“ Bei diesen Worten senkte Legolas schuldbewusst sein Haupt und schritt schnell an Aragorn vorbei zu seinem Quartier.

Der König sah ihm mehr als besorgt hinterher.

 

Ein paar Tage später machte Fürst Eomer mit seiner Schar nach Tagen wieder in Minas Tirith Rast. Er war schon vor etlichen Wochen aus Rohan angereist, hatte Gamling an seiner Stelle in Edoras zurückgelassen, um ihn für einige Zeit zu vertreten. Auch Eomer war klar gewesen, dass die umherschweifenden Ork eine große Gefahr nicht nur für Gondor, sondern auch für das Volk von Rohan darstellten und hatte sich mit einer großen Schar Soldaten an der Orkjagd beteiligt. Diese Bestien sollten bezahlen für das, was sie seinem Volk angetan hatten.

Auch Heermeister Faramir war deshalb vor ein paar Stunden extra aus Osgiliath eingetroffen, wo er mit dem Wiederaufbau der alten Hauptstadt große Fortschritte erzielte, nicht zuletzt Dank der Hilfe einiger Zwerge, die Gimli ihm zur Seite gestellt hatte. Niemand freute sich über Faramirs Anwesenheit mehr als Eowyn. Sie hatte seit der Vernichtung des einen Ringes ihre Bestimmung in der Heilung gefunden und war von Aragorn unterrichtet worden. Ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet waren inzwischen erstaunlich. Doch noch immer war die Zahl der Verletzten hoch, und so war sie in Minas Tirith und in den Häusern der Heilung geblieben, um ihrem König zur Seite zu stehen. Sie hatte daher Faramir schon lange nicht mehr gesehen, und so feierten die beiden Verliebten ihr eigenes Wiedersehensfest. Und ihre strahlenden Gesichter zeigten jedem wie glücklich sie waren.

Das Zusammentreffen der Verbündeten sollte gebührend gefeiert werden, und so hatte Arwen die Tafel daher besonders reichhaltig decken lassen. König und Königin saßen mit an den Tischen und lauschten Eomers Berichten über seine Erfolge bei der Orkjagd, Faramirs Lobeshymnen auf den Fleiß der Zwerge und auf die unermüdlichen Anstrengungen seiner Männer. Der Lärm und Frohsinn in der Halle ließen die schweren vergangenen Zeiten und die großen Verluste verblassen. Die Menschen konnten endlich wieder lachen.

Doch all die Freude und Ausgelassenheit schaffte es nicht zu Legolas durchzudringen. Er saß stumm zwischen den Gefährten und hörte kaum zu als Merry und Pippin zum Vergnügen alle Umstehenden und Sitzenden die Geschichte erzählten wie sie Gandalfs Feuerwerk stibitzt und damit das halbe Dorf in Schrecken versetzt hatten. Er bekam nichts mit von Gimlis Versuchen ihn erneut in eins seiner Trinkspiele zu verwickeln. Legolas war versunken in dunkle Grübeleien. Daher bemerkte er auch zuerst nicht wie vom Eingang her die Stimmen plötzlich immer leiser wurden bis der halbe Saal in ein andächtiges Gemurmel fiel. Erst als Eomer laut ausrief, schrak er zusammen.

„Neoryn, na endlich, dir geht es besser. Wie ich mich freue dich endlich wieder zu sehen“

Der Elb fuhr herum. Da stand sie. Inmitten dem ganzen Trubel, der ihm dunkel und trübe vorkam, wie ein helles Licht. In einem Kleid aus dunkelblauer Seide mit goldenen Stickereien. Doch diese verblassten beim Anblick ihrer Haare, die wie fließendes Gold sanft über ihre schmalen Schulter und ihren geschmeidigen Rücken fielen. Ihre saphirblauen Augen strahlten schöner als die Sterne, und ihre Füße schienen nicht einmal den Boden zu berühren, so leicht war ihr Gang. Ihre feinen Gesichtszüge ließen nichts mehr erahnen von den Qualen und Schmerzen, die sie die letzten Tage hatte erleiden müssen.

Und ihr Lächeln! Warm und hell wie die Sonne am Morgen einer langen, dunklen, kalten Nacht.

Und Legolas wurde klar: Wenn er sie nicht schon so sehr lieben würde, dann hätte er jetzt endgültig sein Herz an sie verloren.

Die Menge teilte sich wie selbstverständlich als sie an ihm vorbei auf Eomer zuging. Legolas Magen verkrampfte sich. Sie hatte ihn nicht eines Blickes gewürdigt. Und jetzt kam der Fürst der Riddermark ihr entgegen und umarmte sie stürmisch und ausgelassen.

Nein! Das durfte nicht wahr sein. Eomer? Die Erkenntnis traf ihn wie ein Pfeil, der sich schmerzhaft in sein Fleisch bohrte.

Ihr Herz gehörte bereits dem Rohirrim! Verzweifelt sah Legolas in ihre lachenden Gesichter.

Das alles schien einen Sinn zu ergeben. Sie war eine junge Frau aus dem Königsgeschlecht Rohans. Welche Frau wäre eine bessere Königin als diese atemberaubende Schönheit, die auch noch, wenn es erforderlich sein sollte, ihr Land mit Mut, dem Schwert in der Hand und Eomer an ihrer Seite so meisterhaft verteidigen konnte. Und Eomer war ein guter Mann, treu und aufrichtig. Er konnte ihr alles geben, was sie sich erträumte. Und er würde mit ihr alt werden können. Etwas, das der Elb ihr niemals bieten konnte.

Legolas glaubte den Schmerz, der sich in seiner Brust breit machte, nicht mehr ertragen zu können. Es tat so unglaublich weh!

Voller Bitterkeit sah er zu wie die beiden sich lachend zu Arwen, Aragorn, Faramir und Eowyn gesellten. Für ihn war hier kein Platz mehr.

„Nimm’s nicht so schwer, Junge.“ Gimli war unbemerkt an seine Seite getreten und legte dem Freund tröstend die Hand auf die Schulter. Doch Legolas schob sie bestimmt beiseite.

Er hatte eine Entscheidung getroffen. Nie mehr würde er einen anderen an sich heran kommen lassen. Nie wieder wollte er diesen Schmerz der Enttäuschung fühlen müssen. Nie wieder!

Seine Gesichtszüge versteinerten. Und er fühlte wie eine innere Kälte sich seiner bemächtigte. Langsam, ohne das die ausgelassene Gesellschaft davon Notiz nehmen sollte, zog sich der Elb in den Schatten der großen Säulen zurück und verschwand aus der Halle, heimlich gefolgt von den Blicken seiner Weggefährten ... und zwei saphirblauen Augen.

 

 

 

7

Neoryn war überglücklich gewesen, Eomer wieder zu sehen. Als Kinder schon hatten sie ausgelassen gemeinsam am Hofe von Rohan gespielt, hatten mit ihren Schwertern in der Hand den Kriegern nachgeeifert und waren Jahre später stundenlang über die Ebenen der Riddermark galoppiert, den Kopf voller verrückter Ideen. Und auch Eowyn war ihr ans Herz gewachsen, eine wertvolle Freundin, die beste, die sie hatte. Sie hatte ihr immer wieder beigestanden, wenn ihr Vater sie mal wieder gescholten hatte, weil sie seiner Meinung nach zu entschlossen die Kampfeskunst erlernen wollte und sich zu wenig wie eine Frau Rohans benahm.

Die beiden waren die Geschwister, die sie nie hatte. Und jetzt endlich hatte Eowyn ihr Glück gefunden. Sie freute sich so für ihre Schwester. Faramir schien für sie genau der Richtige zu sein. Er achtete und liebte die Schildmaid von ganzem Herzen. Eowyn hatte ihr vor etlichen Tagen eine Botschaft zukommen lassen. Einen langen Brief, indem sie geschildert hatte, was ihr alles zugestoßen war und wie sie ihre Liebe zum Heermeister gefunden hatte. Jede Zeile hatte ihr gezeigt wie glücklich Eowyn war. Und jetzt sollte sogar bald die Hochzeit gefeiert werden. Und Eowyns größter Wunsch war es gewesen, Neoryn bei dieser Hochzeit an ihrer Seite zu haben.

Und so war die Rohirrim von Rohan aufgebrochen. Ohne Eskorte. Sie war schon immer lieber allein unterwegs gewesen, hatte die Einsamkeit auf den Ebenen und in den Wäldern genossen, liebte es, wenn der Wind an ihren Haaren zerrte und genoss die Sterne des Nachts unter freiem Himmel.

Ein kalter Schauer durchlief sie bei dem Gedanken, dass sie das diesmal fast das Leben gekostet hätte. Sie hatte an einem Fluss kurz Rast gemacht. Und dort hatte sie eine Horde Orks am Ufer überrascht. Noch immer machte sie sich selbst Vorwürfe, dass sie diese Bestien nicht rechtzeitig bemerkt hatte. Wie hatte ihr das nur passieren können?

Während des schrecklichen Kampfes hatte sie etliche der Feinde erschlagen oder schwer verwundet, doch es waren ihrer zu viele gewesen, und so konnte ein Hieb ihre Verteidigung durchbrechen und war ihr schmerzhaft ins Fleisch gedrungen. Unfähig, die Übermacht der Orks jetzt noch zu besiegen, sah sie ihre einzige Chance in einem Sprung in die Fluten des Flusses. Doch sie hatte die reißende Strömung unterschätzt. Ihre Kraft reichte nicht mehr aus, das Ufer zu erreichen, und so war sie mitgerissen worden, verzweifelt um ihr Leben kämpfend.

Wie lang sie so in den Fluten getrieben hatte, wusste sie nicht mehr. Sie hatte keine Erinnerung mehr daran, was ihr dann widerfahren war, doch als sie endlich die Kraft aufbrachte wieder die Augen zu öffnen, blickte sie in das Antlitz eines jungen Elben, der sie in den Armen hielt. Seine hellblauen Augen, die wie Sterne am nächtlichen Himmel funkelten, sahen sie besorgt an, doch sein edles, wunderschönes Gesicht lächelte.

Alles schien ihr plötzlich irgendwie vertraut und richtig.

Was für ein wunderbarer Traum!

In seinen starken Armen füllte sie sich vollkommen wehrlos, doch zum ersten Mal in ihrem Leben wehrte sie sich nicht gegen dieses Gefühl. Im Gegenteil! Sie genoss es sogar, wollte sich diesem Elben völlig anvertrauen. Dann kam der Schmerz zurück. Ihre Bewegung ließ die Wunde plötzlich brennen als würde jemand ein glühendes Eisen in ihren Leib rammen.

Kein Traum!

Die Realität kehrte mit aller Grausamkeit zurück, die Schmerzen waren mehr als ihr schwacher Körper ertragen konnte, und eine dunkle Ohnmacht brach über sie herein.

Verzweifelt hatte sie versucht, dieser Dunkelheit zu entfliehen. Vergebens. Erst in dieser Höhle war die beängstigende Schwärze wieder gewichen. Das erste, was sie dann wahrgenommen hatte war wieder dieses edle Gesicht, diese blauen Augen, die ihr so vertraut vorkamen. Ganz nah waren sie, doch jetzt dunkel und voller Leidenschaft. Sie spürte mehr als deutlich seinen erhitzen Körper, der sich dem ihren entgegen streckte, seine starken, geschmeidigen Muskeln unter der makellosen Haut, seine wunderbaren Lippen waren ganz dicht bei den ihren, bereit für einen Kuss voller Leidenschaft.

Und für den Bruchteil eines Momentes sehnte sie sich nach dieser Leidenschaft, wollte diese Lippen spüren, wollte von diesen Armen gehalten werden.

Dann begann plötzlich ihr Verstand zu arbeiten. Was ließ sie da gerade geschehen? Wollte sie es wirklich zulassen, dass dieser Elb sich einfach nahm, wonach ihm der Sinn stand? War sie eine Hure, die sich jedem Fremden an den Hals warf? Entsetzt und verwirrt hatte sie den Elb von sich gestoßen, voller Zorn auf ihn ...und auf sich.

Er hatte sie augenblicklich frei gegeben und sie allein gelassen. Ein Teil von ihr bedauerte dies in der gleichen Sekunde, denn in seinen Augen glaubte sie keine Wut über ihre Zurückweisung zu sehen, sondern Scham. Schämte er sich für sein Verhalten? Was ging in diesem Fremden vor, dem sie sich beinahe ohne Zögern hingegeben hatte?

Noch völlig benommen hatte sie danach versucht, sich Klarheit über ihre Situation zu verschaffen und sich in der Höhle umgesehen.

Offenbar hatte er sie aus dem Wasser gezogen, denn Neoryn bemerkte nicht nur ihre Kleidung an den Wänden ausgebreitet -er musste sie entkleidet haben- sondern auch seine eigene. Das erklärte seinen nackten Oberkörper. Der Gedanke an den Anblick seines vom flackernden Feuer beschienenen Körpers, wie er sie so gehalten hatte…

Neoryn biss die Zähne zusammen. Solche Gedanken durfte sie nicht zulassen.

‚Er ist dir völlig fremd!’ redete ihr ihre innere Stimme immer wieder zu. ‚Behalte die Kontrolle!’

Vorsichtig tastete sie ihre Körper ab. Offensichtlich hatte er ihre Wunde versorgt und verbunden. Ohne ihn wäre sie ertrunken oder verblutet! Sie verdankte diesem Elben ihr Leben!

Nachdenklich wanderten ihre Blicke hinüber zu ihrem Retter, der in eine Decke gehüllt im Schein des Feuers saß, mit dem Rücken zu ihr. Seine langen seidigen Haare schimmerten im Licht der Flammen. Und die dünne Decke verbarg nicht die Silhouette seines Körpers. Alles an ihm strahlte eine Kraft und Männlichkeit aus, die eine ungeahnte Sehnsucht in ihr entflammte. Und die Erinnerung an seine vor Leidenschaft dunklen Augen ließ sie erschaudern. Kein Mann hatte sie je zuvor so angesehen.

Aus einem kurzen Gespräch, dass sie so knapp wie möglich zu halten versucht hatte, um ihm auf keinen Fall zu zeigen, wie durcheinander sie war, hatte sie erfahren, wer er war: Legolas, einer der Gefährten, die den einen Ring zerstört, die Rohan und Gondor befreit und den dunklen Herrschen besiegt hatten. ‚Und doch ein Fremder!’ ermahnte wieder die Stimme.

 

Legolas hatte ihr am nächsten Morgen sein Pferd überlassen. Ein Ablehnen wäre töricht gewesen, das war selbst ihrem Stolz klar. Ihr Zustand hätte es ihr nicht erlaubt zu laufen.

 

Doch sie waren noch nicht weit gekommen, als die Orks kamen. Es waren viele, doch diesmal war sie nicht allein. Inmitten all dieser Bestien wirbelten seine Schwerter, seine geschmeidigen Bewegungen so schnell, dass ihre Augen ihnen kaum folgen konnten. Noch nie hatte sie einen solchen Kämpfer gesehen. Aber selbst der geschickte Elb schaffte es kaum einer solchen Übermacht Herr zu werden. Sie biss die Zähne zusammen. Wenn sie es jetzt nicht schaffte, ihm beizustehen, würden keiner von ihnen diesen Tag überleben. Die Wunde ignorierend hatte Neoryn sich auf die Feinde gestürzt, ihre Kampfeslust hatte sie die Schmerzen vergessen lassen, und gemeinsam war der Sieg ihrer gewesen.

Hach, wie sie den Kampf liebte! Für einen kurzen Moment waren ihre Lebensgeister voll erweckt, und sie erkannte in seinen Augen das gleiche Feuer. Das Feuer, das nur Krieger im Kampf empfinden!

Doch dann waren ihre letzten Kraftreserven aufgebraucht. Die Feuer in ihrer Wunde entflammten erneut, stärker noch als zuvor, die Schmerzen waren unerträglich geworden. Und das letzte, an das sie sich erinnern konnte, war, wie der Boden auf sie zu raste...

 

 

 

8

Erst von Eowyn hatte sie erfahren, dass Legolas sie in einem Kräftezehrenden Ritt in die weiße Stadt gebracht und ihr dadurch zum zweiten Mal das Leben gerettet hatte. Mit Hilfe von Aragorn und Eowyn war es ihr gelungen, den Alpträumen des Todes zu entkommen, die sie im Fieberwahn gequält hatten. Doch Legolas hatte sich nicht einmal nach ihr erkundigt, hatte sie nicht besucht. Hatte sie sich getäuscht? Hatte sie sich seine Leidenschaft im Fieber nur eingebildet?

Und jetzt, wo sie endlich wieder genesen war, wollte er sich noch nicht einmal mit ihr in einem Raum aufhalten. Verbittert wandte sich Neoryn wieder Eowyn zu und versuchte zu lächeln. Doch ihrer Freundin war der Ausdruck der tiefen Enttäuschung in ihrem Gesicht nicht entgangen.

„Was fehlt dir? Geht es dir nicht gut?“ Es war sinnlos, der Schildmaid ihre Gefühle verschweigen zu wollen, sie kannten sich zu gut. Und irgendjemand musste sie sich anvertrauen. Leise, damit die umstehenden ihre Worte nicht hörten, gestand sie ihr Geheimnis.

“Nicht nur Schwerter können verletzen.“

Eowyn drehte sich zu dem Platz um, an dem noch vor wenigen Momenten der Elb gestanden hatte, doch der war verschwunden. Mit fragendem Blick sah sie Neoryn an. Und ein trauriges Senken ihrer Augenlider war alles, was die Schildmaid brauchte, um zu verstehen.

 

Neoryn waren mit einem Mal zu viele Menschen im Raum, alles war zu laut, zu eng. Das war mehr als sie ertragen konnte. Sie verabschiedete sich von der Gesellschaft mit der Ausrede, sie müsse sich noch schonen und verließ den Saal. Draußen atmete sie tief die frische, kühle Abendluft ein. Zu lange war sie nicht mehr in den Wäldern gewesen. Sie verabscheute es, an ein Krankenbett gefesselt zu sein, sich schwach und abhängig von anderen zu fühlen.

Nur in seinen Armen, da war es anders gewesen, schoss es ihr durch den Kopf. Nur dort konnte sie stark und schwach zugleich sein. Allein die Berührung seiner Lippen konnte ihre Leidenschaft entfachen, und nur sein geschmeidiger Körper würde ihr Verlangen stillen können.

Doch das würde nie passieren!

Er erwiderte ihre Gefühle nicht, dessen war sie sich nach dem heutigen Abend sicher. Mit verbittertem Stolz setzte sie ihren Weg zu ihrem Quartier fort.

Nun gut! Sie würde auch ohne ihn stark sein ...und einsam.

 

Als sie im Haus verschwunden war, löste sich Legolas aus dem Schatten. Er hatte vorhin zwar die Gesellschaft verlassen, verspürte aber keine Lust, in sein Quartier zu gehen, umgeben von Wänden, die in der Einsamkeit immer näher zu rücken schienen, ihm die Luft zum Atmen nahmen. Stattdessen wollte er in der Nähe der Halle bleiben, in ihrer Nähe. Er konnte vielleicht den anderen versuchen, etwas vorzumachen, doch sich selbst belügen, das hatte er schnell begriffen, war nicht möglich. Jede Faser seines Körpers sehnte sich nach ihr, so sehr, dass es ihm beinahe physische Schmerzen bereitete.

 

Er war überrascht gewesen, sie so schnell die Halle verlassen zu sehen. Und er kämpfte gegen die Versuchung, sich zu nehmen, was er so sehr begehrte: diese stolze Frau fest in seine Arme zu schließen, ihre weichen Lippen mit heißen Küssen zu bedecken, ihrem wunderschönen Körper ganz nah zu sein und sie sein Verlangen spüren zu lassen. Und zugleich verfluchte er sich und den kurzen Moment, in dem er dieser Versuchung nachgegeben hatte, in jener verhängnisvollen Nacht.

Doch der Gedanke, dass Eomer sie an seiner Stelle halten durfte, ihre Lippen kosten durfte, machte ihn fast wahnsinnig.

Nein!

Zuzusehen, wie Eomer das bekam, was ihm selbst alles bedeutete, war mehr als er ertragen konnte.

Legolas Weg führte ihn zu den Stallungen, wo er durch ein freudiges Schnauben seines Hengstes begrüßt wurde.

„Tut mir leid.“ Sanft strich er dem Tier über die Mähne. „Deine Nachtruhe ist jetzt vorbei.“

Nur Minuten später war er durch das Stadttor auf den Pellenor gelangt und jagte unter sternenlosem Himmel über die Ebene.

 

Am nächsten Morgen fegten wieder dunkle Sturmwolken über den Himmel. Aber Hobbits ließen sich auch von schlechtem Wetter keineswegs von ihrer Lieblingsbeschäftigung abbringen. Fröhlich saßen sie am Frühstückstisch und verspeisten genüsslich Unmengen von Speck, Tomaten, Brot und Äpfeln, schwatzten ausgelassen und amüsierten sich über Gimli und Pippin, die in eine Art Wettessen verfallen waren, wobei der Zwerg allerdings kaum den Hauch einer Chance zu haben schien. Mit einem abfälligen „Hobbits!“ gab Gloins Sohn sich schließlich geschlagen.

Als draußen die ersten grollenden Donner zu hören waren, sah Frodo Sam mit ernster Miene an. „Man könnte meinen, Saruman würde uns von Isengard aus immer noch Stürme senden, um uns zu verderben.“ Seine Gefährten warfen ihm besorgte Blicke zu.

„Möglich wäre es,“ grübelte Gandalf „aber um Saruman können wir uns später kümmern. Jetzt gilt es, die Menschen von Gondor zu schützen. Unsere Aufgabe hier ist noch nicht beendet.“

„Wo treibt sich eigentlich Legolas rum?“ Merry fiel erst jetzt auf, dass der Elb ihnen heute Morgen nicht wie in letzter Zeit Gesellschaft leistete. Aragorn sah sich suchend um, doch an keinem der Tische konnte er seinen Freund entdecken. Ein Blick zu Gimli sagte ihm sofort: auch der Zwerg wusste nichts über Legolas Aufenthaltsort. Bemüht, seiner Stimme einen unbefangenen Eindruck zu geben, wandte er sich zu Merry.

„Er ist sicher schon wieder in den Wäldern unterwegs.“

Er hatte vermutlich sogar recht mit dieser Behauptung, trotz allem machte sich Aragorn Sorgen um den Elben, der ihn nicht wie sonst über seine Pläne informiert hatte. Er kannte Legolas bisher nur als völlig ausgeglichenen und in sich ruhenden Mann. Die unglückliche Liebe zu Neoryn hatte ihn völlig verändert. Aragorn fegte die dunklen Gedanken beiseite. Was seinem Gefährten jetzt fehlte war die Einsamkeit der Wälder, um wieder zu sich zu finden. Deshalb war er wahrscheinlich schon früh aufgebrochen. Er würde sich sicher bald wieder fangen.

Am Nachbartisch erhob sich Neoryn langsam und verließ die Halle.

 

 

9

Der Sturm riss an ihren Kleidern, aber Neoryn beachtete es nicht. Ihre Gedanken wanderten über die Ebene, hin zu Legolas. Was war der Grund für sein Verschwinden? Hatte sie etwas mit seinem Verhalten zu tun? Wenn sie doch nur wüsste, was sein Herz empfand. Warum ging er ihr aus dem Weg?

Die Tore der Halle öffneten sich ein weiteres Mal, ruhigen Schrittes näherte sich Aragorn und gesellte sich zu ihr. Lange Zeit standen sie wortlos da und ließen ihre Blicke über die Ebene schweifen. Der König brach als erster das Schweigen.

„Bedrückt euch etwas, Frau Neoryn?“

Überrascht sah sie ihn an. „Wie kommt ihr darauf?“

„Ich sehe es in euren Augen. Eure Wunde ist verheilt, aber euer Herz leidet.“

Sie blickte wieder in die Ferne. „Manche Dinge könnt auch ihr nicht heilen.“

„Ich nicht, aber vielleicht ein anderer.“ Schmunzelnd ging der Waldläufer zurück und überließ Neoryn wieder ihren Gedanken.

Und je länger sie auf die Ebene blickte und Aragorns Worte in sich aufnahm, umso klarer wurde ihr, was sie tun musste. Es war eigentlich ganz einfach. Sie wich doch auch auf dem Feld keiner Konfrontation aus. Und das durfte sie auch hier nicht tun. Sie brauchte Klarheit! Sobald er zurück war würde sie Legolas ihre Liebe offenbaren, und dann musste sich zeigen, ob er ihre Gefühle erwiderte.

Gestärkt durch diesen Entschluss kehrte sie die Halle zurück, gesellte sich wieder zu Eowyn und Eomer und plauderte mit ihnen jetzt wieder etwas unbeschwerter über vergangene Tage und gemeinsam Erlebtes.

Bis plötzlich alles in ihr verkrampfte. Eine Angst stieg in ihr auf, das Gefühl einer Gefahr, zum Greifen nah. Sie sah sich verwirrt um, aber nichts in ihrer Umgebung schien bedrohlich. Nein, es war keine Gefahr in ihrer Nähe, es war...

Bleich, aber fest entschlossen wollte sie erneut die Halle verlassen, doch Aragorn trat in ihren Weg.

„Was habt ihr?“ Der Klang seiner Stimme verriet echte Besorgnis. Neoryn war nicht sicher, ob sie ausdrücken konnte, was gerade passiert war.

„Es ist etwas geschehen.“ begann sie zögernd. „Irgendetwas ist eurem Gefährten Legolas zugestoßen. Ich kann euch nichts weiter erklären. Ich weiß nur, dass er meine Hilfe braucht.“ Das alles klang selbst in ihren Ohren völlig irrsinnig. Würde sie Aragorn verstehen, wenn sie selbst es nicht begreifen konnte? Es war nur ein Gefühl. Eine Empfindung, der sie unbedingt folgen musste.

Doch Aragorn sah ihr fest in die Augen: „Dann müsst ihr aufbrechen.“ Und er schritt zur Seite und ließ sie passieren.

Dankbar für seine Worte setzte Neoryn ihren Weg fort. Fast hatte sie den Eindruck, der König musste mehr über das, was ihr gerade widerfuhr als sie selbst.

Schnell war sie wieder gekleidet wie die Kriegerin, der der Elb zum ersten Mal begegnet war. Und kurz darauf jagte auch sie über die Ebene, getrieben von der Angst um Legolas, geleitet von ihren Gefühlen zu ihm.

Aragorn blickte ihr nach. Er machte sich Sorgen um Legolas, aber er war sich sicher: Sie würde ihn finden. Sie war die einzige, die das vermochte. Er wusste um die starke Liebe des Elben zu dieser Frau. Doch nun war ihm klar: Sie erwiderte diese Liebe. Und der Waldläufer kannte nur zu gut die Kraft des Bandes, das die Liebe zu einem Elben haben konnte ...oder einer Elbin.

 

Legolas war stundenlang ziellos in den Wäldern unterwegs gewesen, ohne auch nur die Spur eines Orks zu entdecken. Und er bedauerte das. Ein Kampf hätte ihn ablenkt von seinen trüben Gedanken. Immer wieder sah er das Bild vor sich, das ihn so quälte: Neoryn in den Armen von Eomer. Und er versuchte sich dazu zu zwingen sich vorzustellen, wie er dem Rohirrim zu der Wahl seiner zukünftigen Königin gratulieren würde. Doch stattdessen sah er sich selbst wie sich seine Hände ganz langsam um Eomers Hals schlossen. Legolas erschrak zutiefst über seine eigenen Gedanken. Bisher war er der Meinung gewesen, Eifersucht sei ein rein menschliches Gefühl. Doch er spürte nur zu deutlich, dass er damit völlig falsch gelegen hatte.

Das Wetter verschlimmerte sich wieder zusehends. Der Regen peitsche ihm ins Gesicht, der Sturm heulte laut und der Donner grollte, verstärkt durch das Echo, das sich in der engen Waldschlucht bildete, durch die er sein Pferd jetzt führte. Ein geradezu perfekter Ort für einen Überfall von Orks, denn hier hätte er nicht ausweichen können. Sie hätten ihn schnell in die Enge getrieben. Vielleicht war er gerade deshalb hier. Er suchte förmlich die Gefahr.

Doch die Gefahr erreichte ihn anders als erwartet. Ein Blitzeinschlag direkt über ihm ließ den Hengst in panischer Flucht davon jagen. Legolas zögerte einen Moment zu lange. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen geriet der komplette Hang über ihm ins Rutschen. Gesteinbrocken, Erdmassen und entwurzelte Bäume stürzten in die enge Schlucht. Er versuchte auszuweichen, aber die Geröllmassen rissen ihn von den Beinen. Er schlug hart auf und geriet zwischen die Felsen. Als der Berg sich endlich zu beruhigen schien, versuchte Legolas sich aufzurichten. Er war bis auf einige Schrammen unverletzt, aber ein Baumstamm und jede Menge Geröll hatten ihn eingeklemmt, er konnte sich kaum rühren. Zuerst versuchte er mit den Händen die Steine zu beseitigen. Ohne Erfolg. Auch ein Anheben des Stammes war ihm aus seiner Lage nicht möglich.

Da hatte er nun seine Gefahr! Mit immer größeren Kraftanstrengungen kämpfte er gegen seine missliche Lage, doch je mehr er sich bewegte, umso mehr Geröll rutsche nach und würde ihn auf Dauer völlig begraben.

So hatte er sich seinen Tod nicht vorgestellt. In einer Schlacht besiegt zu werden, dass lag in seiner Vorstellungskraft. Aber unter Geröll ersticken? Noch nie in seinem Leben hatte Legolas Verzweiflung verspürt. Doch jetzt ergriff ihn Angst. Und seine Gedanken wanderten unweigerlich zu Neoryn. Wäre er doch jetzt in ihren Armen. Hätte er ihr doch nur seine Liebe gestanden. Und hätte er sich in der Höhle in jener Nacht nur mehr unter Kontrolle gehabt.

Doch diese ganzen „hätte“ und „wäre“ halfen ihm auch nicht weiter. Hier würde ihm niemand heraus helfen. Es war zu Ende. Und er würde sie nie wieder sehen.

 

 

10

Neoryn war nun schon einige Stunden unterwegs. Sie wusste nicht genau, wohin sie ritt und konnte nicht leugnen, dass sich Unsicherheit in ihre Gedanken schlich. Wie war sie nur der Idee verfallen, Legolas allein in diesem Sturm zu finden? Nur weil sie plötzlich eine unerklärliche Angst verspürt hatte, die sie Glauben machte, er wäre in Gefahr und würde sie rufen? Sie war eine Närrin.

Und doch! Da war irgendetwas, das sie anzog, eine Kraft, ein Gedanke, sie konnte es nicht bestimmen. Sie folgte einfach ihrem Gefühl. Und je weiter sie jetzt vorankam, umso näher glaubte sie ihm zu sein. Neoryn begann zu rufen. Sie schrie seinen Namen so laut sie nur konnte gegen das Rauschen des Regens, gegen das Heulen des Sturmes. Schrie, bis sie begann heiser zu werden ...und bis der Elb sie hörte.

Zuerst glaubte er noch an eine Täuschung des Windes. Nur in Fetzen hatte er seinen Namen vernommen. Aber das war nicht möglich. Wer sollte ihn hier finden? Die Rufe kamen näher, und da erkannte er plötzlich Neoryns Stimme. Neuer Mut machte sich in ihm breit. Sie war da! Neoryn hatte ihn tatsächlich gefunden. Und so laut und kräftig es ihm möglich war antwortete er ihr.

Als Neoryn ihn endlich fand, erschrak sie zutiefst, doch sie wollte sich ihre Angst um ihn nicht anmerken lassen. Die Lage schnell überblickend nahm aus ihrer Satteltasche ein Seil, befestigte das eine Ende am Sattel und das andere Ende an einem starken Ast des Baumes. Dann suchte sie sich eine sichere Position oberhalb des Elben, um ihn greifen zu können, ohne den Hang zu sehr ins Rutschen zu bringen. Sie umschloss fest seine Handgelenke und spürte den starken Druck seiner Finger, die sich um ihre legten. Auf ihr Rufen hin setzte sich ihr Pferd in Bewegung und stemmte sich gegen das Seil. Doch nichts rührte sich. Verzweifelt trieb sie ihr Tier an, der Hengst fand kaum Halt auf dem aufgeweichten Boden, doch endlich schien der Baumstamm Legolas freizugeben. Neoryn nahm ihre ganze Kraft zusammen. Jetzt oder nie!

Sie spürte, wie der Boden unter ihren Füßen nachgab. Der Berg würde ihnen keine zweite Chance geben. Mit fast übermenschlicher Kraftanstrengung zog sie den Elben unter dem Stamm hervor, und durch einen beherzten Sprung brachten sie sich schnellstmöglich aus der Gefahrenzone. Keine Sekunde zu früh, denn ein erneuter Erdrutsch begrub jetzt vollends die Stelle, an der Legolas noch vor ein paar Augenblicken gelegen hatte.

Sie hatten es geschafft! ...und standen sich jetzt gegenüber ohne den Mut aufzubringen, das auszusprechen, was sie bewegte. Keiner von beiden fand die richtigen Worte.

Der Regen wurde jetzt noch stärker und ein erneuter Blitzeinschlag unweit von ihnen mahnte sie drohend, sich vor dem Unwetter in Sicherheit zu bringen. Das Blatt schien sich jedoch zu wenden, denn schnell fanden sie eine der vielen Höhlen, die es in diesen Schluchten gab. Sogar trockenes Brennholz fand sich unter den Felsvorsprüngen.

Als ein Feuer das Innere ihrer Höhle erhellte und wärmte, erwachte in Legolas schmerzlich die Erinnerung an ihre erste Begegnung. Hier waren sie sich wieder viel zu nah. Sein Puls begann schneller zu schlagen. Das Verlangen nach ihr wurde fast unerträglich. Alles in ihm sehnte sich nach ihrer Berührung, doch er durfte es nicht noch einmal zulassen, die Kontrolle zu verlieren. Verzweifelt wandte er sich ab und starrte in den Regen, der draußen wie ein Vorhang nieder strömte.

„Warum tut ihr das?“ Neoryns Stimme klang verbittert. „Warum wendet ihr euch ab von mir? Bin ich euch so zuwider?“

„Nein!“ Legolas war völlig verwirrt. „Nein. Wie könnt ihr so etwas denken?“

„Wie ich so etwas denken kann? Ihr seid mir aus dem Weg gegangen seit dem Tage unserer Rückkehr nach Minas Tirith.“ Die Gefühle, die sie so lange verschwiegen hatte, brachen unaufhaltsam hervor. „Was habe ich euch getan, dass ihr mich so meidet?“

Der Elb atmete tief durch. „Es ist nicht das, was ihr getan habt, sondern das, was ich tat.“

 „Was ihr tatet?“ Neoryn verstand nicht.

„Ich...“ begann er stockend, „ich habe mich in der Höhle in jener Nacht schändlich benommen. Ich bin euer nicht würdig. Ich wollte...“ Legolas rang nach Worten. „Ich wollte euch gegen euren Willen eines Kusses berauben. Doch ich wollte noch viel mehr…“ Jetzt war der Zeitpunkt da, ihr seine Gefühle zu offenbaren. „...und ich will es noch!“ Legolas sah sie an, voller Qual wartend, was sie sagen, wie sie reagieren würde.

Neoryn sah ihn mit einem Ausdruck an, den er nicht deuten konnte.

„Ich weiß sehr gut, was ihr wolltet, Legolas. Ich konnte es nur allzu deutlich in euren Augen lesen.“ Ihre Stimme klang ruhiger als ihr zumute war. Dies war also der Moment der Geständnisse. „Aber wie sollte ich mich eurer Meinung nach verhalten? Ich kannte euch nicht. Sollte ich mich an den Hals meines Retters werfen wie ein billiges Straßenmädchen? Ohne Selbstachtung? Was hättet ihr von mir gehalten, wenn ich eurem Drängen nachgegeben hätte? Hättet ihr euer Vergnügen mit mir gehabt, um mich danach gegen die nächste willige Maid einzutauschen?“

Legolas Augen weiteten sich vor Entsetzen. Wie konnte sie nur so etwas von ihm denken? Hatte er wirklich diesen furchtbaren Eindruck bei ihr hinterlassen? Er wollte etwas erwidern, wollte sich verteidigen, aber Neoryn war noch nicht fertig. Ihr war klar, wenn sie jetzt nicht weiter sprach, würde sie vielleicht nie wieder den Mut finden, ihm gegenüber zu treten.

„Und was, Legolas, denkt ihr von mir, wenn ich euch gestehe, dass mir das zu wenig wäre? Dass ich mehr von euch will als nur eine flüchtige Nacht? Viel mehr!“ In diesem Moment verließ sie ihr Mut. Das wichtigste Wort konnte sie nicht aussprechen. Liebe!

Doch was empfand der Elb? Hatte sie sich gerade vollkommen lächerlich gemacht? Jetzt war es an ihr, ihn unsicher anzublicken.

Legolas starrte sie an. Seine Gedanken versuchten, das gerade Gehörte zu verarbeiten. Hatte er sie richtig verstanden? Begehrte sie ihn tatsächlich?

„Neoryn.“ Seine Stimme klang selbst in seinen Ohren ungewohnt heiser. „Eine flüchtige Nacht war nie das, was ich wollte. Und es schmerzt mich zu wissen, dass ich Schuld daran trage, dass ihr das von mir glauben musstet. Ich wünsche mir nichts mehr als euch ewig zu halten, jede Nacht, jeden Tag, euch immer nah zu sein…“ Der Elb ging langsam auf die Rohirrim zu bis er ganz nah vor ihr stand. „…und dir zu beweisen, wie sehr ich dich begehrte.“

 

Zögernd hob er seine Hand, strich ihr sanft übers Gesicht. Das Prickeln seiner Berührung ließ Neoryn erschaudern. Seine Hand wanderte tastend in ihren Nacken. Noch unsicher zog der Elb sie näher, atmete wieder ihren betörenden Duft. Wie sehr hatte er ihn vermisst? In ihren Augen suchte er nach der Erlaubnis zu einem Kuss, nach dem er sich gesehnt hatte, seit er sie das erste Mal in seinen Armen gehalten hatte. Und er glaubte sie im Glitzern ihrer Augen zu finden. Ganz behutsam berührte sein Mund den ihren, vorsichtig wie erste Schritte auf dünnem Eis.

 

 

11

Doch die Rohirrim war alles andere als kalt. Die leichte Berührung seiner Lippen war alles, was es brauchte, um den letzten Zweifel in ihr zu schmelzen. Jetzt gab es für sie keinen Halt mehr, und all die zurückgehaltenen Emotionen stießen jeden rationalen Gedanken beiseite und verlangten vehement ihr Recht. Einen Augenblick erschrak sie fast über die Welle der eigenen Gefühle, die über sie hereinbrach, doch dann gab ihr Verstand bereitwillig die Kontrolle ab, zu lang hatte sie gewartet, zu viel gab es noch an diesem Elben zu entdecken. Wie von selbst teilten sich ihre Lippen, und ihre Zunge forderte entschlossen Einlass.

Legolas war nur kurz überrascht von der Intensität, mit der sie seine zögernde Annäherung beantwortete, doch dann hieß er ihre feuchte Zunge mehr als willkommen.

Bei den Valar! Sie schmeckte wunderbar. So süß. So berauschend. Der Elb begann nun selbst, ihren Mund zu erkunden, ihren Gaumen zu streicheln, jeden Winkel zu genießen.

Dieser Kuss schmeckte so viel besser als erhofft ...und war doch noch lange nicht genug.

Für keinen von ihnen.

Zu lange hatten sie von diesem Moment geträumt. Hände vergruben sich in lange, blonde Haare. Ihre Arme begannen, einander zu umschlingen, Körper aneinander zu pressen als gelte es, miteinander zu verschmelzen.

Ungestüm. Wild. Die Welt da draußen existierte für sie nicht mehr.

Erst als sie beide nach Luft rangen, lösten sie sich etwas voneinander. Doch nur, um ihren Hunger nach Nähe anders zu stillen.

Ungeduldige Hände öffneten Schallen, Bänder, Knöpfe. Ihre Kleidung lag bald unbeachtet um sie herum verstreut auf dem Höhlenboden. Und als Neoryns Hände das erste Mal über seine nackte Haut strichen, glaubte Legolas zu verbrennen.

Ihre Hände erforschten jeden Muskel, strichen erst über seine Arme, seinen Brustkorb. Legolas konnte ein leises Stöhnen nicht mehr unterdrücken als ihre Fingerspitzen begannen, sich seinen Brustwarzen zu widmen. Begierig ließ er seine Hände über ihren schmalen Rücken wandern, über ihre Hüften, immer tiefer erkundete er jeden Zentimeter ihrer heißen Haut, vergrub seine Hände lustvoll im festen Fleisch ihrer Gesäßmuskeln. Er konnte spüren wie sie unter seinen Liebkosungen erzitterte, wie ihre Beine sie plötzlich nicht mehr tragen wollten, und so ließ er sich mit ihr auf einen der Mäntel zu Boden gleiten, dankbar für diesen Wandel, denn ihre Finger waren mittlerweile mit kleinen aufreizenden Kreisbewegungen bei seiner Bauchdecke angelangt, und er spürte, wie auch seine Knie ihm bald den Dienst versagen würden. Als ihre Hand jedoch seine Hüfte entlang wanderte und sich langsam von der Außenseite seines Schenkels zur Innenseite vortastete, war er davon überzeugt, dass auch der Boden kein sicheres Terrain war. Schwindelig ließ er sich auf den Rücken rollen. Alles schien sich zu drehen. Sein Pulsschlag raste. Noch nie in seinem ganzen, langen Elbenleben hatten ihn allein die Berührungen einer Frau so sehr erregt. War es möglich, auf so eine herrliche Weise den Verstand zu verlieren? Legolas ließ es gerne darauf ankommen.

Neoryn konnte sich an seiner seidigen Haut, die sich fest über seine Muskeln spannte, nicht satt sehen. Sie hatte noch nie einen Elben außer Atem gesehen, geschweige denn wusste sie, dass sie überhaupt in der Lage waren zu schwitzen. Doch Legolas Atem ging deutlich schneller. Und die kleiner Schweißperlen, die sich auf seiner blassen Haut gebildet hatten und im Schein des Feuers glänzten waren das Erotischste, was sie in ihrem Leben je zu Gesicht bekommen hatte. Der Anblick raubte ihr den Atem. Ganz zu schweigen vom dem beeindruckenden Beweis seiner Erregung zwischen seinen Schenkeln.

Dieser Elb war einfach perfekt. Überall. Und was er da gerade mit seinen Händen an ihrem Hinterteil angestellt hatte…

Neoryn ließ ihre Hand langsam die Innenseite seines Beines hinaufwandern bis ihre Fingerspitzen die unglaublich weiche Haut zwischen seinen Schenkeln erreichte. Als ihre Hand sich plötzlich fest um seine Hoden schloss, stöhnte Legolas laut auf.

Elbereth!

Das war fast mehr als er ertragen konnte. Doch Neoryn stoppte nicht. Noch höher glitten ihre Finger und umschlossen ohne Gnade mit sicherem Griff sein Glied, das jetzt schon fast schmerzhaft angeschwollen war.

Legolas schrie. Zuviel! Aufhören!

Nein!

Nicht aufhören!

Seine Hüften bogen sich ihrer Hand entgegen, bar jeder Kontrolle. Das konnte er nicht lange durchstehen. Soviel war ihm noch klar. Mit einem letzten Anflug von Beherrschung packte er ihr Handgelenk und befreite sich aus ihrem Griff.

 

Neoryn ließ es zu, wenn auch widerstrebend. Sie hatte nur zu deutlich spüren können, wie weit ihn ihre Berührungen getrieben hatten. Oh, Gott! Er fühlte sich so gut an, aber sie wollte nicht riskieren, auf mehr verzichten zu müssen, nur weil sie ihre Finger nicht von ihm lassen konnte. Ihr ganzer Körper zitterte vor Verlangen. Sie wollte ihn. Wollte ihn jetzt! Sofort! Kein Warten mehr!

Sie ließ sich zurück auf ihren Rücken fallen und zog ihn entschlossen zu sich.

Legolas brauchte keine weitere Aufforderung. Er schob seinen Körper über sie, spürte ihre festen Brüste an seiner Brust, fühlte wie sie erbebte. Sein Glied presste sich hart gegen ihren Unterleib.

Lúthien hilf! Wie lang konnte er sich noch zurückhalten?

Doch Neoryn wollte keine Zurückhaltung mehr. Sie öffnete ihre Schenkel und schob ihre Hüfte ihm entgegen.

Aus!

Der Elb kapitulierte. Seinen Oberkörper auf seine starken Arme gestützt schob er sich zwischen ihre Beine, und mit einem einzigen Stoss drang er tief in sie ein. Die feuchte Hitze, die ihn sofort umfing, war sein Untergang. Immer stärker, immer fester stieß er zu, immer schneller wurde sein Rhythmus.

 

Neoryn ließ sich völlig fallen. Ja! Genau so hatte sie es gewollt. Ihr Körper bog sich ihm entgegen, jede erneute Invasion willkommen heißend. Schneller! Immer neue Schauer durchliefen ihren zitternden Leib. Dann brach die Flut über sie herein. Und ihre verzückten Schreie rissen ihn mit. Ein allerletzter Stoss, begleitet von einem lauten Schrei ergoss sich sein heißer Samen in ihren Körper, dann ließ sich Legolas völlig erschöpfte fallen, außer Stande, sich auch nur noch eine Sekunde länger auf seinen Armen zu halten.

 

Sie brauchten eine ganze Weile bis sie wieder zu Atem gekommen waren, und der Elb wieder die Kraft fand, sich zu erheben und neben sie zu legen. Erst jetzt fühlten sie wie kalt es eigentlich in der Höhle war. Das kleine Feuer war nicht in der Lage gewesen, genügend Wärme zu produzieren. In der Hitze ihrer Leidenschaft hatten sie das nicht gespürt. Legolas ergriff eine der Tunikas, schmiegte sich eng an den Rücken der Rohirrim und deckte sie beide mit dem warmen Tuch zu.

 

Lange lagen sie so da, ohne dass einer von ihnen sprach.

Legolas wollte ihr so viel sagen, wollte alles wissen über diese wunderbare Frau, die er erst so kurz kannte und die er schon jetzt mehr liebte als sein Leben, doch er sah sich außer Stande, diese Gefühle in Worte zu fassen. Und so kam ihm nur eine Frage über die Lippen, die ihn beschäftigte:

„Wie hast du mich gefunden?“

‚Weil mich meine Liebe zu dir geführt hat!’ schoss es ihr durch den Kopf. Aber das klang einfach lächerlich.

„Ich weiß es nicht. Ich glaubte zu wissen, dass du in Gefahr bist und bin einfach losgerittten.“

‚Feigling!’ schoss es ihr durch den Kopf. Sie fand immer noch nicht den Mut, das entscheidende Wort auszusprechen. „Vielleicht war es einfach nur Zufall.“

 „Vielleicht.“ wiederholte Legolas leise.

Der Elb versuchte die Traurigkeit, die plötzlich von ihm Besitz ergriff, zu verbergen.

Zufall? Nicht ein Gefühl, das sie zu ihm geführt hatte? Hatte sie nicht vielleicht seine Liebe spüren können? Doch Neoryn sagte nichts weiter, und so schwieg auch er.

 

Nein, sie konnte sie wohl nicht spüren, auch wenn sie noch so stark war. Sie war keine Elbin. Eine Elbin hätte es gefühlt, doch Menschen waren da scheinbar anders. Ihnen fehlte der Sinn für Dinge, die andauerten, für Dinge der Ewigkeit. Er konnte es zum Teil sogar verstehen. Menschen lebten ihr Leben intensiver als Elben, immer in dem Bewusstsein, dass auch das erfüllteste Leben eines Tages zu Ende gehen würde. Sie zögerten nicht, wenn sich ihnen eine Gelegenheit bot.

Legolas lief ein kalter Schauer über den Rücken. Hatte Neoryn auch nur eine Gelegenheit ergriffen? War die Nacht mit ihm nur eine vergängliche Episode in ihrem Leben? Dieses Leben, das nur so kurz war im Vergleich zu der Ewigkeit der Elben? War er nicht mehr als er Abenteuer für sie?

Und was könnte er ihr auch bieten? Ein Leben hier in den Wäldern war wohl kaum das, was sich eine Rohirrim ihres Standes wünschen konnte.

Ihres Standes. Legolas spürte wie sich sein Magen verkrampfte. Eomer war ihres Standes! Vor seinen Augen tauchte das Bild des zukünftigen Königs Rohans auf, wie er Neoryn begrüßt hatte, wie sie ihn angestrahlt hatte mit diesem Lächeln, das dem Strahlen der Sonne gleich kam. Und Legolas erinnerte sich an den Blick, mit dem sie dieser Mann angesehen hatte.

Ja, er war sich sicher. Eomer liebte Neoryn! Oh, wie dumm er war! Wie hatte er das verdrängen können? Dann wäre es nie zu dieser Nacht hier gekommen.

 

Doch!

Legolas wollte nicht wieder versuchen, sich zu belügen. Selbst wenn ihm Neoryns Beziehung zu dem Rohirrim früher in den Sinn gekommen wäre, er hätte nicht anders gehandelt, denn er spürte es genau: Dieses Wissen minderte nicht im Geringsten seine Liebe zu ihr, und auch nicht das Verlangen, sie wie jetzt in seinen Armen zu halten …und mehr.

Und er beschloss, diese wenigen Stunden, die ihm mit ihr noch blieben nicht länger mit dunklen Gedanken zu beschweren sondern ihre Nähe zu genießen solange er konnte.

Doch die Gedanken wichen nicht.

 

Neoryn starrte ins Feuer. Er hatte seltsam geklungen. Irgendwie traurig. Bereute er bereits, was sie gerade getan hatten? Er hatte von Begehren gesprochen, aber nicht von Liebe. Konnten Elben sich überhaupt in Menschen verlieben? Lady Arwen tat es. Sie hatte sogar ihre Unsterblichkeit für Aragorn aufgegeben, etwas, wozu Legolas nie in der Lage sein würde, selbst dann nicht, wenn er es wollte.

Aber warum sollte er das wollen? Was war schon besonderes an einer Menschenfrau? Nichts an ihr kam der übermenschlichen Schönheit der Elben gleich. Und sie würde sterben. Sie würde alt werden und sterben. Wenn sie sich nicht vorher von irgendeinem Ork erschlagen lassen würde.

Warum hatte er sich überhaupt mit ihr eingelassen? War er ihr nicht schließlich aus dem Weg gegangen, wo er nur konnte? Er war sogar hier hinaus geritten, um nicht in ihrer Nähe sein zu müssen. Und sie hatte sich ihm an den Hals geworfen!

Nein, das bereute sie nicht. Die Erinnerungen an die vergangenen Stunden zauberten kurz ein Lächeln auf ihr Gesicht, doch dann wurde ihr plötzlich schmerzhaft bewusst, dass es nicht mehr lange dauern würde bis die letzten Elben Mittelerde verlassen würden. Und er würde dann für immer aus ihrem Leben verschwinden. Sie hatte auf einmal das Gefühl als würde sich ganz langsam eine Schlinge um ihren Hals zuziehen und ihr die Luft zum Atmen nehmen.

Sie würde ihn verlieren! Nein, eigentlich hatte sie ihn schon verloren, jetzt, in diesem Augenblick, nach der wunderbarsten Nacht, die sie je mit einem Mann verbracht hatte.

Sie starrte weiter ins Feuer, das sie nur noch verschwommen wahrnahm durch den Schleier der Tränen in ihren Augen.

 

12

Der Morgen graute, doch noch ehe die Sonne hinter dem Horizont empor stieg, waren Neoryn und Legolas auf den Beinen. Ohne ein Wort zu verlieren standen sie auf, kleideten sich an, stets darauf bedacht, den anderen nicht anzublicken, und traten jetzt aus der Höhle ins schwache erste Tageslicht. Die Wolken waren fast verflogen, und nur noch das unablässige Geräusch der Wassertropfen, die von den Blättern der Bäume auf den Waldboden fielen, erinnerte an die Regenfluten der vergangenen Nacht. Es ließen sich sogar die ersten Vögel vernehmen, die mit ihren Liedern den nahen Frühling ankündigten.

 

All das erreichte Legolas Ohr, aber nicht sein Herz. Er hatte die ganze Nacht wach gelegen, hatte die Frau, die er liebte in seinen Armen gehalten, hatte ihrem Atem gelauscht wie er es in so vielen Nächten getan hatte als sie so schwer verletzt um ihr Leben gekämpft hatte. Und hätte am liebsten geschrieen. Vor Wut. Vor Verzweiflung. Aber auf keinen Fall wollte er sie zeigen lassen, wie sehr er verletzt war. Vielleicht, weil er es ihr leicht machen wollte, zu gehen. Vielleicht aus gekränktem Stolz. Er wusste es selbst nicht genau.

Doch nichts in seinem Gesicht verriet wie es in ihm aussah.

 

Neoryn beobachtete ihn heimlich aus den Augenwinkeln, ohne jedoch den Mut aufzubringen, ihm direkt ins Gesicht zu sehen. Sie war sich sicher, dass dann ihre Fassade der Ruhe wie ein Kartenhaus zusammenfallen würde. Es kam ihr jetzt schon so vor als wäre er meilenweit entfernt von ihr. Sie war nur froh, dass sie es gestern nicht gewagt hatte, ihm ihre Liebe zu gestehen. So konnte sie immer noch mit einem Rest Selbstachtung vortäuschen, dass all das, was zwischen ihnen war, nur ein nettes Abenteuer für sie gewesen war. Auch wenn ihr innerlich das Herz brach.

 

Legolas horchte auf. Ganz deutlich hatte er das Schnauben seines Pferdes wahrgenommen. Der Hengst konnte sich nicht weit entfernt aufhalten.

Den Valar sein Dank! Er war sich nicht sicher was passiert wäre, wenn er sich mit Neoryn erneut ein Pferd hätte teilen müssen. Er traute sich nicht zu, ihr noch einmal so nah zu sein, ohne zu verraten wie es in seinem Inneren zuging.

Elbereth! Der Gedanke an ihren Körper, an ihren Duft, an das Gefühl ihrer nackten Haut an seiner…

„Ich hole mein Pferd. Warte hier!“ Mehr brachte er nicht heraus, dann verschwand er zwischen den Bäumen.

 

Neoryn schloss die Augen, um gegen die Tränen anzukämpfen, die ihren Blick zu trüben begannen. Und um ihn nicht weggehen sehen zu müssen. Oh Gott, es tat so weh!

Sie versuchte sich abzulenken, indem sie das Feuer, das fast ganz heruntergebrannt war, vollends löschte, alle Habseligkeiten zusammenpackte und sich in den Sattel schwang. Als er nur kurz darauf auf seinem Hengst zwischen den Bäumen auftauchte, hatte sie sich wieder etwas gefangen.

Und so machten sie sich auf den Rückweg. Schweigend, Seite an Seite und doch jeder für sich einsamer als jemals zuvor in ihrem Leben.

 

Sie ritten den ganzen Tag, ohne dass irgendetwas besonderes passierte. Keine Orks. Nicht einmal ihre Spuren konnten sie entdecken. Legolas bedauerte das. Nur zu gern hätte er sich durch einen Kampf von seinen trübsinnigen Gedanken ablenken lassen. So aber brach die Nacht herein, ohne dass sie auch nur ein einziges Wort miteinander gewechselt hatten. Was gab es auch zu bereden?

In einer kleinen Senke machten sie Halt, versorgten die Pferde, konnten es hier, geschützt durch die Mulde und das umherstehende Buschwerk sogar wagen, ein kleines Feuer zu entzünden. Die Nacht war kalt und der Boden immer noch nass vom Sturm des Vortages. Das Feuer würde ihnen gut tun.

„Ich übernehme die Wache.“ Legolas erste Worte seit Stunden ließen sie zusammenfahren. Neoryn nickte nur stumm. Sie war zu erschöpft, um zu widersprechen. Sollte er Wache schieben. Vielleicht würde sie im Schlaf die Ruhe finden, nach der sie sich den ganzen Tag gesehnt hatte, den inneren Frieden, ohne die Bitterkeit, die sie empfand, wenn sie ihn ansah, ohne die Sehnsucht nach ihm, die doch nie mehr gestillt werden würde.

Doch der erlösende Schlaf wollte lange nicht kommen. Und als endlich die Müdigkeit die wachen Gedanken besiegte, tauchte sie in Träume ein, in denen sie immer wieder durchlebte wie der Elb sie leidenschaftlich liebte …und sie dann verließ.

 

Legolas saß die ganze Nacht am oberen Rand der Mulde, doch sein Blick schweifte nicht wie sonst über die Wälder um ihn herum. Er sah hinunter zu der schlafenden Gestalt dort am Feuer. Wie anders verlief diese Nacht im Vergleich zu der vergangenen. Was war nur falsch gelaufen? Sie hatte kein Wort mehr gesagt. Natürlich. Warum auch? Für sie war das Abenteuer Elb beendet. Wahrscheinlich träumte sie jetzt schon von Eomer und konnte es gar nicht abwarten in seinem Bett zu landen. Legolas biss die Zähne zusammen. Er machte sich selbst verrückt bei dem Gedanken, aber er konnte die quälenden Bilder von Neoryn in den Armen eines anderen nicht vertreiben, glaubte zu hören wie sie Worte der Liebe in Eomers Ohr flüsterte. Worte, für die er alles gegeben hätte, wären sie an ihn selbst gerichtet.

Und so verbrachte er die Nacht, verfolgt von Eifersucht und Bitterkeit, hoffend auf einen baldigen Morgen und einen schnell folgenden Abschied von ihr, um nicht weiter vor Augen haben zu müssen, was er so begehrte und doch nie mehr besitzen durfte.



13

Der Morgen kam, und mit ihm wieder eisiges Schweigen. Wortlos brachen sie schon vor den ersten Sonnenstrahlen ihr Lager ab und machten sich auf den Weg.

Neoryn fühlte sich furchtbar. Die Träume der Nacht schmerzten im Tageslicht noch mehr, jetzt, da sie ihn wieder neben sich sah, seine schlanke Gestalt, seine edlen Gesichtszüge. Sie ließ ihr Pferd unbewusst etwas zurückfallen, um ihn unbemerkt ansehen zu können. Ein letztes Mal. Er würde sich nie an eine Sterbliche binden! Neoryn unterdrückte die Tränen, die ihr erneut in die Augen steigen wollten und ärgerte sich gleichzeitig über diese Schwäche, die sonst so gar nicht in ihrer Natur lag.

Es tat nur so unglaublich weh! Doch sie wollte einen Rest von Stolz bewahren und ihm nicht die Genugtuung geben, zu sehen, was er für sie bedeutete. Denn sie war sich sicher: Sobald sie in Minas Tirith angekommen waren, würde er aus ihrem Leben verschwinden.

 

 

Sie kamen zügig und ohne Zwischenfälle voran, und so waren gegen Mittag endlich die Türme der weißen Stadt in Sicht. Der Elb war erleichtert. In ihrer Nähe zu sein und ihr doch nicht nah sein zu dürfen wurde ihm immer unerträglicher.

Schweigend brachten sie ihre Pferde in die Ställe und gingen zur Halle.

Überall auf den Plätzen und Gassen trafen sie auf fröhliche Menschen, die nach den langen Tagen des Regens die frische, durch die Sonne schon leicht erwärmte Luft genossen und sich angeregt unterhielten, doch nichts davon konnte ihre Laune bessern.

Auf dem großen Platz angekommen wurde ihre Ankunft freudig bemerkt.

„Na, mein Junge,“ Gimli strahlte über sein ganzes bärtiges Gesicht. „du scheinst noch recht heil zu sein. Das gefällt mir.“

Legolas schenkte seinem Freund ein dankbares Lächeln und sah aus den Augenwinkeln, wie Neoryn zu Eomer hinüber ging.

„Bei dir weiß man nie, was du als nächstes anstellst.“ begrüßte der sie lachend und umarmte sie liebevoll. Der Elb spürte einen stechenden Schmerz in seiner Brust. Er hatte es ja gewusst! Sie wollte so schnell wie möglich zu ihrem Geliebten. Nein, zusehen wollte er nicht. Abrupt ließ er Gimli stehen und ging zu den Quartieren zurück.

Der Zwerg schaute ihm verwirrt nach und sah dann fragend zu Aragorn, der die ganze Szene argwöhnisch beobachtet hatte. „Was hat er denn jetzt schon wieder?“

„Das scheint nicht so gelaufen zu sein, wie ich es erwartet hatte.“ Der Waldläufer sah Legolas nachdenklich hinterher. Dann schweifte sein Blick zu Neoryn, die gut gelaunt mit dem Herrn der Riddermark plauderte.

Nein! Aragorn beobachtete sie genauer. Irgendetwas stimmt nicht. Ihr Lachen. Es klang nicht echt. Sie versuchte allen eine Fröhlichkeit vorzuspielen, die sie nicht empfand.

Was war zwischen ihr und dem Elben vorgefallen? Sie gingen sich offenbar bewusst aus dem Weg, doch schienen beide tief verletzt zu sein. Neoryns Versuch, das zu verbergen, war allerdings nur begrenzt erfolgreich, denn Aragorn wurde gewahr wie Eomer sie besorgt ansah und zur Seite führte. Scheinbar wollte er mit ihr ein paar ernste Worte unter vier Augen reden. Gut. Das gleiche würde er mit dem Elben tun.

Legolas konnte stur sein, wenn es darum ging, Gefühle zu offenbaren. Das hatte der Waldläufer im Laufe der vielen Jahren, die er den Elben schon kannte, oft erfahren müssen. Es sah so aus als hätte sein Gefährte jedoch endlich die Liebe gefunden, nach der er sich so lange gesehnt hatte. Nicht, dass er das jemals zugegeben hätte. Und Aragorn wollte es nicht zulassen, dass der falsche Stolz des Elben seinem Glück im Wege stand. Legolas brauchte scheinbar jemand, der ihm einen Stoss in die richtige Richtung gab. Und so wandte sich Aragorn um und folgte seinem Freund.

 

„Du kannst mir nichts vormachen. Ich merkte doch, das was nicht stimmt mit dir.“ Eomer hob seine Hand unter ihr Kinn und zwang die Rohirrim, ihm in die Augen zu sehen. „Was ist geschehen, dass dich so traurig macht?“

Neoryn spürte, wie die Tränen ihr erneut in die Augen schossen und versuchte, sich von ihm abzuwenden. Doch Eomer ließ es nicht zu. Er kannte die stolze Frau nur zu gut.

„Neoryn, du brauchst dich deiner Tränen nicht zu schämen. Ich bin es, dein Freund. Und auch deine Gefühle kannst du vor mir nicht verbergen. Das hast du noch nie gekonnt.“

Neoryn sah ihn unsicher an.

„Keine Angst. Von mir wird keiner etwas erfahren. Aber meinst du nicht, du bist es Legolas schuldig, dass er weiß, was du für ihn empfindest?“

Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. „Woher weißt du…?“ Mehr brachte sie nicht heraus. Die Tränen liefen ihr jetzt unaufhaltsam über die Wangen.

Der Rohirrim nahm sie tröstend in den Arm. „So sehr liebst du ihn?“ Nur ein Schluchzen war ihre Antwort. „Weiß er um deine Liebe?“

Neoryn verstummte. Nein, eigentlich wusste er es nicht. Sie hatte von Begehren gesprochen, nie von Liebe. War sie nicht losgeritten mit der festen Absicht, ihm zu sagen, was sie empfand? Stattdessen war sie zu feige gewesen, das Wort auszusprechen. Doch dazu war es jetzt zu spät. Sie schüttelte stumm den Kopf.

„Dann musst du es ihm sagen!“

„Nein!“

„Warum nicht? Bist du dir deiner Liebe nicht sicher genug?“

„Doch!“ Neoryn zögerte. „Es ist nur, er liebt mich nicht. Er könnte niemals einen Menschen lieben.“

„Weißt du das genau? Solltest du ihn das nicht selbst entscheiden lassen? Oder bist du zu stolz, um eine Ablehnung zu riskieren? Wenn du dieses Risiko nicht eingehen willst, dann liebst du nicht wirklich!“

Neoryn wischte sich die Tränen aus den Augen.

„Ich denke darüber nach.“ Und ein leichtes Lächeln war wieder auf ihrem schönen Gesicht zu sehen. „Danke, Eomer.“

Damit drehte sie sich um und ging in Gedanken versunken zu den Quartieren. Sie musste sich über einiges klar werden.

Eomer sah ihr nach. Und ihm wurde klar, dass er ihr gerade einen Rat gegeben hatte, den er selbst nicht gewagt hatte zu befolgen. Sein Stolz und die Angst vor einer Zurückweisung waren ihm immer im Weg gewesen, Neoryn zu gestehen, was er für sie empfand. Jetzt, da ihr Herz einem anderen gehörte, war es dafür zu spät. Hoffentlich fand wenigstens sie, wonach sie suchte.

 

Aragorn holte Legolas erst im Gang des Gästehauses ein. Er packte den Elben am Arm und drehte ihn barsch zu sich um.

„Kannst du mir mal erklären, was das ganze soll?“ Seine Stimme klang scharf.

Legolas wurde wütend. So hatte ihn der Waldläufer noch nie angefahren.

„Was heißt hier, was das soll?“ Ihm war klar, was Aragorn meinte, doch sein verletzter Stolz ließ nicht zu, das einzugestehen.

„Du weißt ganz genau, was ich meine. Es geht hier um Neoryn und dich! Warum behandelt ihr euch wie Fremde? Ihr liebt einander. Das erkennt selbst ein Blinder!“

„Das ist nicht wahr.“ Legolas war verbittert. „Sie liebt Eomer, nicht mich. Das war doch gerade klar zu sehen, oder?“

„Und woher wusste sie, dass dir etwas zugestoßen war?“ Aragorns Stimme wurde leiser und eindringlicher. „Warum ist sie allein aufgebrochen, um dir zu helfen? Und warum hat sie dich finden können?“

„Sie hat gesagt, es wäre Zufall gewesen.“ Aus seiner Stimme ließ sich erste Unsicherheit heraushören. Bei seinen ganzen Grübeleien hatte er immer wieder verdrängt, dass es eigentlich schier unmöglich war, dass sie ihn per Zufall hätte finden können.

„Und das glaubst du? Hältst du es tatsächlich für möglich, dass jemand zufällig aufbricht in dem Moment als dir ein Unglück widerfährt…“ In Legolas Augen konnte er sehen, dass Neoryn sich nicht nur eingebildet hatte, Legolas sei in Gefahr. Es war ihm tatsächlich etwas zugestoßen. Und sie hatte ihn gerettet. Aragorns allerletzten Zweifel über Neoryns Gefühle waren damit beiseite gefegt.

„…und dann zufällig genau in deine Richtung reitet und dich findet und rettet?“

Die Gefühle des Elben gerieten völlig durcheinander. „Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts mehr, außer...“ Er schluckte schwer. „dass ich sie über alles liebe.“

„Dann sag ihr das, verdammt noch mal! Du hast einmal nicht auf meinen Rat gehört und bist davongelaufen wie ein Feigling anstatt ihr zu sagen, was du fühlst. Das wäre dir fast zum Verhängnis geworden. Mach den gleichen Fehler nicht noch einmal.“

Mit diesen Worten ließ Aragorn den Elben völlig verwirrt einfach stehen und ging die Treppe hinunter zum Ausgang. Und dort kam ihm Neoryn entgegen. Aragorn warf ihr einen aufmunternden Blick zu. Dann verließ er schnell das Haus. Was die beiden sich zu sagen hatten, ging niemanden etwas an.

 

 

 

14

Neoryn blieb wie angewurzelt stehen als sie unvermittelt Legolas gegenüber stand. Der Elb schien aufgewühlt zu sein. Aber er wich ihrem Blick nicht aus.

„Wir müssen reden.“

„Worüber?“ fuhr sie ihn barsch an. Jetzt auf einmal wollte er reden?

„Über uns.“

Neoryns Gefühle brachen explosionsartig hervor. „Was gibt es da zu reden? Du hast dich entschieden, dass ich nicht gut genug bin für dich. Ich gehöre ja auch nicht zum edlen Volk der Elben.“

Die Bitterkeit in ihrer Stimme war nicht zu überhören.

„Was sollte ein Elbenprinz auch mit einer Menschenfrau aus Rohan anfangen?“

Legolas war verblüfft.

“Du bist nicht gut genug für mich?“ Seine Stimme wurde lauter. „Du bist doch diejenige, die einen Menschen einem Elben vorzieht.“

Neoryn stutzte. „Wen ziehe ich vor?“

„Eomer.“ Jetzt war es gesagt. Und in seiner Rage hatte er den Namen nicht gerade respektvoll ausgesprochen.

Neoryn wurde wütend. Sie würde es nicht zulassen, dass dieser Elb einen guten Freund beleidigte.

„Eomer ist jemand, der immer für mich da ist, wenn ich ihn brauche. Wenn er hier gewesen wäre, er hätte mich in den Häusern der Heilung nicht allein gelassen in den Stunden, in denen ich um mein Leben gekämpft habe.“

„Aber er war nicht da, sondern ich!“ fuhr Legolas sie aufgebracht an. Die Eifersucht ließ ihn Dinge sagen, die er eigentlich für sich hatte behalten wollen.

Neoryn war verwirrt. „Du?“

„Ich…“ Legolas dachte an Aragorn, an seinen Rat. Und entschloss sich zur Flucht nach vorn. Jetzt musste er raus mit der Sprache. „…ich war jede Nacht an deinem Lager.“

„Warum?“ Neoryn war völlig durcheinander. Das passte nicht in das Bild, das sie sich von diesem Mann gemacht hatte.

„Warum?“ Seine Stimme wurde leiser. „Weil ich dir beistehen wollte. Weil ich Angst um dich hatte. Weil…“ Er holte tief Luft, um endlich auszusprechen, was Stolz und Angst so lange zurückgehalten hatten. „weil ich dich liebe!“

Neoryns hielt den Atem an. Hatte sie das gerade wirklich gehört? Er liebte sie!? Doch ehe sie reagieren konnte, fuhr Legolas fort.

„…aber wie konnte ich dir das gestehen, wo dein Herz doch bereits einem anderen gehörte. Ich war doch nicht mehr als ein Abenteuer für dich. Die Leidenschaft einer Nacht. Mehr nicht.“ In seinen Augen konnte sie den Schmerz lesen, der all seine Gedanken begleitet hatte.

„Und was könnte ich dir auch bieten? Ich bin ein Elb. Meine Heimat ist der Wald. Was sollte dich dazu bringen, bei mir zu bleiben und nicht zu Eomer zurückzukehren? Du wirst die Königin von Rohan sein.“

 

Neoryn trat einen Schritt näher, und ihre Stimme klang plötzlich viel sanfter.

„Glaubst du, ich lege Wert auf Ansehen und Macht? Hast du denn nicht erkannt, dass ich keine von den Frauen bin, die sich nur dort wohl fühlen, wo sie die Annehmlichkeiten einer Stadt genießen können? Ich bin eine Kriegerin, Legolas. Ich brauche die wilden Flüsse, den rauschenden Wald, die duftenden Wiesen ...und dich.“

Legolas Herz setzte einen Schlag aus. Konnte es tatsächlich wahr sein?

Neoryn sah ihm direkt in die Augen. Sie hatte plötzlich keine Angst mehr vor dem alles entscheidenden Wort.

„Legolas, ich liebe dich! Du bist alles, was ich mir je erträumt habe. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als mein Leben lang mit dir durch die Wälder zu reiten. Ich habe noch nie einen Mann so geliebt wie dich, und ich werde auch nie wieder jemand so lieben können, wenn du fort bist.“

Bei ihren letzten Worten legte sich ein Schleier von Traurigkeit über ihr Gesicht.

„…aber ich ertrage den Gedanken nicht, dass du bald nicht mehr hier sein wirst.“

Nicht mehr hier? Legolas wurde auf einmal vieles klar. Sie hatte sich von ihm entfernt, weil sie geglaubt hatte, er würde sie verlassen. Der Elb hätte schreien können vor Glück. Ganz langsam nahm er ihr wunderbares Gesicht in seine Hände.

„Neoryn. Ich liebe dich mehr als mein Leben. Und wenn du es mir erlaubst, werde ich dich niemals verlassen.“

Tränen traten in ihre Augen, doch diesmal waren es Tränen der Freude.

„Ist das dein Ernst? Du verlässt dein Volk für mich?“

„Mir war noch nie etwas so ernst wie dieses. Ohne dich wären die unendlichen Lande für mich wie eine Wüste ohne Wasser. Nichts zieht mich dort hin. Ich bleibe hier bei dir, wenn du mich lässt.“

„Ja“, Neoryn lachte und weinte vor Glück, „Ja, bleibe bei mir. Ich lass dich nie wieder fort.“

 

Sanft zog sie das Gesicht des Elben zu sich, und ihr erster zaghafter Kuss war das wunderbarste, was Legolas jemals gefühlt hatte. Kein Kuss der blinden Leidenschaft, wenn auch sein Körper auf ihre Nähe mehr als deutlich reagierte, sondern ein Kuss der Liebe, der echten, ewigen Liebe.

Zärtlich strich er ihr durchs lange Haar, ließ seine Finger in ihren Nacken gleiten und schmiegte sich eng an sie. Wie hatte er nur glauben können, sie verlassen zu können, um sie einem anderen zu überlassen?

Sie gehörte ihm und niemand anderem!

Als sie ihre Arme um seinen Hals schlang, griff er ihre Taille und hob sie vom Boden. Die Tür zu seinem Quartier lag direkt hinter ihnen, und es genügte ein leichter Tritt, um ihnen Einlass zu verschaffen. Der Gang hier draußen war nun wirklich nicht der richtige Ort, um Zärtlichkeiten auszutauschen. Ohne ihren Kuss zu unterbrechen schloss er die Tür wieder und trug Neoryn hinüber zu seinem Lager. Dann ließ er sich darauf fallen und zog sie mit. Die etwas unsanfte Landung wurde von Neoryn mit einem Lachen quittiert. Ein Lachen, dass ihn all die dunklen Gedanken der vergangenen Tage vergessen ließ.

 

Legolas begann, ihr Gesicht mit Küssen zu bedecken, ihre Stirn, ihre Augen, ihre Wangen. Langsam wanderte sein Mund ihren Hals entlang, während seine Hände die Schnallen ihrer Lederrüstung öffneten. Nur widerstrebend ließen seinen Lippen von ihr ab, um ihr das Leder abzustreifen. Mit Vergnügen stellte der Elb fest, dass Neoryns Tunika und Untertunika nur durch je eine vordere Knopfreihe verschlossen wurden. Das würde sein Vorhaben erheblich erleichtern. Es gab noch so viel an ihr zu entdecken. Und diesmal wollte er sich nicht von ihr ablenken lassen. Diesmal wollte er selbst die Initiative ergreifen und jede Sekunde auskosten.

 

Voller Ungeduld streifte sich Neoryn ihre Stiefel ab und rutschte höher auf das Lager. Legolas tat es ihr gleich und nutzte die Gelegenheit, um sich seiner Tunika zu entledigen. Ihre hungrigen Blicke, die dabei auf seinen nackten Oberkörper fielen, ließen in erschaudern.

Unglaublich, was allein diese Blicke in ihm bewirkten!

 

Langsam beugte er sich wieder über sie und atmete tief ein. Oh, dieser Duft! Gab es irgendetwas Vergleichbares?

Seine Lippen nahmen ihre Wanderschaft wieder auf. Seine Zunge zog erst kleine Kreise über ihren Kehlkopf und vergrub sich in der kleinen Kuhle darunter, und er spürte deutlich ihren Pulsschlag, der stark und schnell das Blut durch ihre Adern trieb.

 

„Ja!“ Neoryn ließ ihren Kopf in den Nacken fallen. Jeder seiner Küsse jagte kleine Schauer durch ihren Körper. Ihr Atem ging schneller, und sie bäumte sich ihm entgegen. Nicht aufhören!

 

Seine Hände begannen, die Knöpfe ihrer Tunika zu öffnen und die Stoffbahnen ganz langsam zu teilen, bis ihr Brustkorb entblößt vor ihm lag.

Bei den Valar!

Der Anblick machte ihm schlagartig klar, dass er nicht lange die Kontrolle über sich behalten würde, selbst wenn Neoryn ihre Hände nicht ins Spiel brachte. Wie hatte er diesen wundervollen Teil ihres Körpers beim ersten Mal nur so ignorieren können?

Und sie gehörte ihm! Nur ihm!

Voller Lust ergriffen seine Hände ihre Brüste. Fest und doch weich zugleich. Voller Weiblichkeit und doch voller Stärke! Genau wie die Frau, die er so liebte. Legolas bedeckte ihre Brüste mit hungrigen Küssen, ließ seine Hände mit ihrem Fleisch spielen. Seine Zunge umkreiste ihre Brustwarzen. Sein Mund umschloss gierig ihre dunklen Nippel, die sich ihm entgegen wölbten. Und als seine Zähne sich vorsichtig in ihre Haut gruben, war ihr lautes Stöhnen fast genug, um ihn zur Explosion zu bringen.

Elbereth! Noch nicht! Er wollte ihr noch so viel mehr Vergnügen bereiten. Er schloss kurz die Augen, um sich wieder zu fangen, dann ließ er von ihren Brüsten ab und setzte seinen Weg fort.

 

Neoryn zitterte am ganzen Leib. Oh, Gott! Sie konnte überhaupt keinen klaren Gedanken mehr fassen, aber das war ihr völlig egal. Er sollte nur nicht aufhören!

„Nicht aufhören!“

Sie fühlte wie Legolas die letzten Knöpfe öffnete, ihr die Tunika von den Armen streifte und ihren Oberkörper so völlig entblößte. Seine Hände wanderten über ihre Rippen, und seine Lippen hatten jetzt ihren Nabel erreicht. Heiße Küsse bedeckten ihren Bauch und schickten kleine Beben durch ihren Körper. Sie schloss die Augen, denn auf einmal begann sich der Raum um sie herum zu drehen. Seine Hände öffneten geschickt die Bänder ihrer Beinkleider, und ohne ihre Hilfe zu benötigen streifte er ihr das letzte Stück Stoff ab, dass ihren Körper noch vor seinen Blicken verdeckt hatte.

Noch nie hatte sie sich so verwundbar gefühlt. Auch nicht bei ihrem ersten Zusammensein. Kein Muskel gehorchte ihr mehr. Sie war ihm völlig ausgeliefert. Doch dieses Gefühl war das Berauschendste, was sie jemals gefühlt hatte.

Völlig benommen nahm sie wahr, dass der Elb sich auch seiner Beinkleider entledigte, dann waren seine Hände auf ihren Knien. Ganz sanft glitten seine Finger über ihre Schenkel, und Neoryn öffnete sich weit, bereit ihm alles zu geben, was er wollte.

 

Doch Legolas wollte nicht einfach nur nehmen. Der Anblick ihres wundervollen Körpers, den sie ihm so bereitwillig anbot, raubte ihm fast den Verstand, aber er wollte mehr. Er wollte sie zum Beben bringen, wollte Laute der Ekstase aus ihrem Munde hören. Wollte seinen Namen auf ihren Lippen finden, wenn sie die Erfüllung fand. Der Gedanke daran ließ sein Verlangen beinahe schmerzhaft werden.

Selbst vor Erregung zitternd begann er ihren Schenkel mit Küssen zu bedecken. Immer höher wanderten seine Lippen bis er im Zentrum ihrer Weiblichkeit angekommen war.

Legolas atmete tief ein, um sich etwas zu fangen, doch damit erreichte er genau das Gegenteil, denn ihr Duft, der ihn schon so oft betört hatte, war ihr so intensiv, dass er nicht mehr klar denken konnte. Aber das war auch nicht notwendig, seine Gefühle waren alles was er brauchte, um ihn zu leiten. Voller Begierde näherte er sich ihrem dunklen Dreieck und ließ seine Zunge den Weg finden.

 

Neoryn keuchte laut auf. Sie fühlte wie seine heiße Zunge mit ihr spielte, ihre intimsten Stellen liebkoste und sie in den Wahnsinn trieb. Ihre Finger krallten sich in die Laken, um irgendwie Halt zu finden in dem Strudel, der sie zu überwältigen drohte, doch die erste Welle der Ekstase riss sie erbarmungslos mit. Und so ließ sie sich fallen, ließ sich mitreißen ohne sich zu wehren. Ohne sich wehren zu wollen.

 

Und Legolas ließ sie keinen Moment zu Atem kommen. Immer hungriger ließ er seine Zunge spielen, trieb Neoryn immer weiter, bis jeder Atemzug von ihr begleitet war von lustvollem Stöhnen. Und er spürte jede Welle, die durch ihren Körper schoss. Jeder Ton von ihr, jedes Erzittern hallte in ihm wider und sandte Ströme wie heiße Lava durch seine Adern. Er war so erregt, dass er glaubte zu zerspringen.

Und er musste erkennen, dass er nicht mehr lange Stand halten konnte. Er sehnte sich so sehr danach, in ihr zu versinken, dass es ihn den letzten Rest seiner Selbstkontrolle kostete, diesem Verlangen nicht sofort nachzugeben. Stattdessen ließ er seine Lippen langsam wieder hinauf über ihren Bauch wandern, sorgsam darauf bedacht, dass nur sein Mund sie berührte, seinen Körper immer eine Handbreit von ihrem entfernt. Er bedeckte ihren Leib wieder mit kleinen Küssen, seine Zunge schmeckte ihre vom Schweiß salzige Haut, uatHglitt weiter hinauf zu ihren Brüsten, über ihre Kehle, ihr Kinn bis zu ihrem vollen Mund, wo er ihr Stöhnen durch einen leidenschaftlichen Kuss erstickte.

 

Die Rohirrim rang nach Luft. Seine Lippen waren so wunderbar süß, seine Zunge plünderte ihren Mund, nahm sich alles. Sie zitterte am ganzen Leib vor Verlangen. Und endlich, endlich fühlte sie wie er seinen Körper an den ihren anschmiegte. Seine Haut war genau so erhitzt wie ihre, und sie bog sich ihm entgegen, begierig darauf, ihm noch näher zu sein, schlag ihre Arme um ihn. Nie wieder wollte sie ihn loslassen. Sie konnte spüren wie sein Herz raste. Und auf ihren Unterleib gepresst fühlte sie sein Glied, hart und heiß. Ungeduldig schob sie sich ihm fordernd und stark entgegen.

 

Legolas stöhnte laut auf. Bei den Valar! Das wäre beinahe sein Ende gewesen! Immer noch fest in ihren Armen hob er seine Hüfte und platzierte sein pulsierendes Glied, um dann so langsam wie es ihm nur möglich war in ihren Leib einzudringen.

Oh, Elbereth! Die feuchte Hitze, die ihn willkommen hieß, war mehr als zuviel. Sein letzter Versuch der Zurückhaltung war dahin. Begleitet von Neoryns immer lauter werdendem Stöhnen glitt er tief in sie ein. Wieder und wieder. Immer schneller wurde ihr gemeinsamer Rhythmus. Legolas glaubte zu zerspringen. Jeder Stoss von ihm ließ ihren Körper nur noch stärker erzittern. Und als Neoryn den absoluten Höhepunkt ihrer Ekstase erreichte, schrie sie laut auf, rief seinen Namen, rief ihn bis ihr ihre Leidenschaft den letzten Atem nahm. Und mit dem letzten Verklingen seines Namens erreichte auch Legolas seinen Gipfel. So lange hatte er versucht sich zurückzuhalten, dass er jetzt förmlich zu explodieren schien. Und er hatte das Gefühl, dass er nicht nur seinen Samen in sie ergoss, sondern sein ganzes Selbst, seine Seele. Alles, was ihn ausmachte, wollte er ihr geben. Mit ihrem Namen auf den Lippen verließ ihn die letzte Kraft, und er sank völlig erschöpft auf ihren ermatteten Körper.

 

Erst nach einigen Minuten kamen beide wieder zu Atem. Legolas löste sich von ihr, ohne sie jedoch ganz aus den Armen zu geben.

„Ich kann es immer noch nicht glauben.“ Er strich ihr zärtlich eine Strähne aus dem Gesicht.

„Das solltest du aber! Ich liebe dich, Legolas. Und das darfst du nie wieder anzweifeln.“

„Ich weiß. Und ich hätte es schon vorher erkennen müssen, aber mein Stolz und meine Eifersucht waren mir im Weg. In dem Moment, als du mich gefunden hast, als du mich vor dem sicheren Tod bewahrt hast, hätte es mir klar sein müssen. Ich war wirklich ein Narr.“

Neoryn sah ihn ernst an. „Ich begreife es immer noch nicht. Wie konnte ich wissen, dass du mich brauchtest? Wie konnte ich dich finden?“

Legolas lächelte geheimnisvoll. „Du hast dich in einen Elben verliebt, Neoryn. Und dieser Elb liebt dich mehr als sein Leben.“ Er küsste sie zärtlich. „Diese Liebe hat ein Band zwischen uns geknüpft. Ein Band, das uns verbindet, egal wo wir sind, egal wie viel Meilen zwischen uns liegen. Wir fühlen einander. Dieses Band hat dich spüren lassen, dass ich in Gefahr war, es hat dich zu mir geführt.“ Sein Gesicht verfinsterte sich. „…und ich habe es fast zerstört!“

„Aber du hast es nicht zerstört! Lass uns nie mehr voreinander verschweigen, was für fühlen. Ich will nie wieder so eine Hölle durchleben wie in den letzten Tagen.“ Sie sah ihm tief in die Augen. „Auch ich war zu stolz. Ich hatte eine so große Angst, dass du mich verlassen könntest, dass ich mich dir erst gar nicht offenbaren wollte. Ich wollte verhindern, verletzt zu werden und habe uns damit nur noch mehr Schmerz bereitet.“

Legolas küsste sie sanft. „Das soll uns nie wieder passieren!“ Dann wurde er wieder etwas ernster. „Wenn Aragorn mir nicht den Kopf gewaschen hätte, hätte ich es vielleicht nicht geschafft, dir gegenüberzutreten.“

„Aragorn war es auch, der mich ermutigt hat, dir nachzureiten, um dich zu suchen. Ich schätze, wir haben ihm viel zu verdanken.“ Und nachdenklich fügte sie hinzu: „Und wenn Eomer mir nicht die Augen geöffnet hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht bereit gewesen, mit dir zu reden.“

Bei der Erwähnung des Namens spürte Legolas die Eifersucht schmerzlich zurückkehren. Neoryn sah ihn verblüfft an. „Ich weiß, was du grad fühlst.“ Sie war ganz durcheinander.

„Was?“ Legolas hatte noch nicht begriffen.

„Du bist immer noch eifersüchtig!“ Die Tatsache, dass ihr Elb eifersüchtig war brachte sie weniger aus dem Konzept als die Tatsache, dass sie um seine Gefühle wusste. Doch dann lächelte sie. „An dieses Band muss ich mich aber erst noch gewöhnen.“

Legolas war sprachlos. Er wusste, dass die Verbindung zwischen Elben diese Art von Intensität erreichen konnte, aber bei Menschen war das so gut wie nie vorgekommen. Genau genommen wusste er nur von einer Verbindung, die so stark war: Aragorn und Arwen.

Wenn diese Erkenntnis nicht schon ausgereicht hätte, seine Eifersucht zu besänftigen, dann waren es ihre Worte: „Eomer ist für mich wie ein Bruder, ein guter Freund, nicht mehr.“

Und Legolas spürte, dass das die Wahrheit war.

„Dann sollten wir den Menschen, die uns mit ihren Ratschlägen so geholfen haben, endlich zeigen, dass sie erfolgreich waren.“

„Gute Idee, aber ich lass dich nicht mehr von meiner Seite.“

 

 

15

Sie kleideten sich wieder an, unterbrochen von zärtlichen Küssen, verließen die Unterkünfte und gingen Richtung Halle zurück. Und als sie den Platz betraten, hielt Legolas immer noch ihre Hand wie zum Zeichen für alle, dass sie zusammen gehörten.

Aragorn trat ihnen lachend entgegen. „Darf man gratulieren?“

Legolas sah ihm glücklich in die Augen. „Ja, mein Freund, das könnt ihr. Und das haben wir unter anderem dir zu verdanken.“

„Dazu sind Freunde doch da.“ Aragorn legte seine Hand auf Legolas Schulter. „Werdet glücklich.“ Dann wandte er sich Neoryn zu. „Passt gut auf diesen Elben auf. Er ist mir lieb und teuer.“ Neoryn warf Legolas einen verliebten Blick zu. „Mir auch, Herr Aragorn.“

 

Jetzt trat Gimli zu ihnen. „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand es schaffen könnte, diesen Elben zu zähmen, aber ihr, Frau Neoryn, habt dieses Wunder vollbracht. Ich möchte euch dazu beglückwünschen.“ sprach er lachend und kassierte dafür von Legolas einen tadelnden Blick.

Auch Eomer gesellte sich zu ihnen. Er sah Neoryn in die Augen. „Bist du glücklich?“

„Ja, Eomer, das bin ich.“ Und ihr Strahlen zeigte ihm, wie sehr sie es war.

„Dann wünsche ich euch beiden alles Gute.“ Er sah Legolas ruhig an. „Behandelt sie gut. Sie hat das Beste verdient.“ Und dann fügte er leise hinzu, sodass nur der Elb ihn hören konnte: „Ich beneide euch.“ Er drehte sich um und gesellte sich wieder zu einer Gruppe Rohirrim. Und Legolas begriff, dass er selbst ein Glück erfahren hatte, das Eomer auf ewig verwehrt blieben würde.

 

Auch die anderen Freunde und Gefährten sprachen dem Elben und der Rohirrim ihre Glückwünsche aus, die Hobbits freuten sich sogar schon auf ein mögliches Hochzeitsfest, da es ja bei solchen Gelegenheiten bekanntlich immer einen Festschmaus und einen guten Tropfen gab, und so standen sie noch stundenlang zusammen, das Gefühl genießend, dass alle um ihre Liebe wussten.

 

Am späten Abend, als alle anderen sich in die Halle zurückgezogen hatten, standen sie eng umschlungen auf dem Vorplatz und schauten in den Sternenhimmel. Neoryn schmiegte sich an den Mann, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen würde.

„Ich wollte noch etwas von dir wissen.“

Legolas sah sie glücklich an. „Was denn?“

„Seit wann bist du in mich verliebt?“

Der Elb brauchte nicht zu überlegen. „Ich liebe dich, seit ich dich das erste Mal sah. Vom ersten Augenblick!“



ENDE



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